Foto-Update

Hallo ihr Lieben,

ich war mal wieder fleißig und habe heute die nächsten Indien-Fotos der letzten paar Tage bis einschließlich heute hoch geladen, die Foto-Galerie ist demnach up-to-date.

Ihr seht dort …

… Agra mit dem Agra-Fort und dem Taj Mahal

… Delhi mit Old und New Delhi sowie diversen Weltkulturerbe-Stätten

… Rajasthan (Jaipur, Amber und Jodhpur) mit den prunkvollen Mogul- und Maharadja-Architekturen, Forts und Palästen inmitten einer Wüsten-Landschaft aus 1001 Nacht

Enjoy …

Veröffentlicht unter Indien, Reisebeitrag | Schreib einen Kommentar

Veränderte Menschen

Es ist schon sehr auffallend, wie sehr der Tourismus und die temporäre Anwesenheit von „reichen“ Menschen, Inder wie Ausländer, das Verhalten der Bevölkerung eines Landes prägen kann. War es in Varanasi noch recht angenehm, durch die Stadt zu spazieren, wurde dies selbst im beschaulichen Khajuraho schon wesentlich unangenehmer und erreichte in Agra, Delhi und vor allem in Jaipur ungeahnte Höhen an penetrantem bis hin zu agressivem Anbiedern dubiosester „Leistungen“.

Das Schlimme dabei ist, daß selbst die Kinder von jungen Jahren an lernen, sich zu verkaufen. Dagegen ist ja grundsätzlich nichts einzuwenden aber die Art und Weise ist erschreckend. Ich wurde mehrfach von Schnöseln, die vielleicht gerade mal so alt waren wie mein Julian, beschimpft, angerempelt, gezogen oder mit Wasser bespritzt, nur weil ich gerade keine Lust hatte, mich mit ihnen entgeltlich fotografieren zu lassen oder für eine Frage nach dem Weg zur Toilette einer 20-Rupees-Forderung nachzukommen. Die Verhältnismäßigkeit geht diesen Kindern völlig flöten, wenn man dem nachgibt, was sicher viele Reisende eingeschüchtert tun. Von 20 Rupees (= 25 Cent) müssen sich nicht wenige Menschen in Indien einen Tag ernähren! Das diese Kinder als Erwachsene ebenso agieren, ist nur allzu sonnenklar.

Was ich mit diesem Beispiel sagen will, ist, daß Tourismus in Drittwelt- bzw. Schwellenland für viele Bereiche eine unheilvolle Symbiose darstellt, der man mit bewusstem Handeln begegnen muß. Und die positiven Seiten sind auch nur dann welche, wenn man bewußt handelt und sich über die Probleme im Klaren ist.

Aus meiner Sicht und meinen Erlebnissen führt der (Fern-)Tourismus in Dritte-Welt- und Schwellenländer sehr oft zu einem Kulturverfall. Das habe ich auf allen Kontinenten dieser Welt erleben dürfen und hier in Indien ist es nicht anders. Damit einhergehend stelle ich zunehmend eine Verwestlichung der Sitten, Verfall von Brauchtum, Orientierungslosigkeit und eine Kommerzialisierung von Traditionen fest.

Durch den Tourismus erleben die Einheimischen hautnah, dass man in der westlichen Industriegesellschaft offenbar leicht zu großem Wohlstand gelangen kann. Deshalb hat für sie das Verhalten der Fremden Vorbildcharakter, im Guten wie im Schlechten. Da zumindest dem äußeren Anschein nach bei dieser Lebensweise Sitten, Brauchtum und feste Rituale als veraltet und blockierend gelten, geht mit der Verwestlichung der Sitten auch der Verfall von Brauchtum einher. Dies muss als äußerst bedenklich eingestuft werden, da nicht nur eine uralte und hochentwickelte Kultur untergeht, sondern auch schlechte Gewohnheiten und Eigenschaften wie falsche Ernährung und damit verbundene Krankheiten, Alkoholgenuss sowie eine rein materialistische Sicht der Dinge übernommen werden. Außerdem wird sich nach kurzer Zeit Orientierungslosigkeit einstellen, da man in keiner Kultur mehr richtig verhaftet ist. Diese Entwurzelung kann im schlimmsten Fall sogar zu radikalen Verhaltensweisen wie religiösem Fanatismus führen, der eine Rückbesinnung auf überkommene Werte anstrebt. Die Kultur jedoch bleibt zerstört und ist wie in den Industrienationen kommerzialisiert oder als Zerrbild bei Tourismus fördernden Folkloreveranstaltungen (siehe unten: Tourismus-Soap) zu sehen.

Auf andere Themen, die in diesem Zusammenhang diskussionswürdig sind, gehe ich hier gar nicht näher ein, das würde den Rahmen und den Zweck dieses Blogs sprengen. Mir reicht es, wenn ich mit ein paar kritischen Zeilen zum Nachdenken anrege und für die Probleme sensibilisiere. Der Vollständigkeit halber sollen die wichtigsten Problemfelder jedoch kurz genannt werden …

– sexuelle und monetäre Ausbeutung

– Vorspiegelung einer trügerischen, nicht reellen Idylle (Tourismus-Soap)

– Krankheitstransfer

– Zwei- oder Mehr-Klassen-Gesellschaft

– ineffizienter, einseitiger wirtschaftlicher Aufbau

– Umweltbelastung

Die Praxis zeigt jedoch auch Möglichkeiten, den Tourismus sinnvoll zu nutzen. Der „sanfte“ Naturtourismus und der Kulturtourismus, bei denen tatsächliches Interesse an den Problemen des Landes zumindest ansatzweise vorhanden ist, will ich mal als Beispiele anführen. Damit derartige Versuche Schule machen und für die Veranstalter auch wirtschaftlich interessant werden, bedarf es des Verantwortungsbewusstseins des Einzelnen und der Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft. Der Verbraucher selbst kann zum Beispiel mit der Entscheidung gegen einen einwöchigen Badeurlaub zugunsten einer mehrwöchigen Reise zur Entdeckung von Land, Kultur und Natur einen eigenen Beitrag zur Völkerverständigung und zum kulturellen Erhalt leisten. Die führenden Köpfe in Wirtschaft und Politik sollten die neuen Konzepte fördern und verstärkt wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit anstreben. Dazu gehört allerdings auch der Verzicht auf wirtschaftlichen und nationalen Egoismus sowie einseitigen Lobbyismus.

Solange die Triebkraft des westlichen Tourismus die schnelle, preiswerte und sorglose Entspannung vor exotischer Kulisse ist, wird es schwer sein, die Dominanz der negativen Aspekte zurückzudrängen. Wenn wir aber erkennen, wie zerstörerisch diese Haltung ist und wie schützenswert die Einmaligkeit und Vielfältigkeit der Länder der Dritten Welt ist, werden wir Tourismuskonzepte entwickeln können, die den positiven Aspekten zum Erfolg verhelfen.

Zurück in die unmittelbare Gegenwart. Das Gute ist, je weiter man sich aus den touristischen Ballungszentren entfernt, desto angenehmer und authentischer wird es auch wieder. Hier im ursprünglichen Rajasthan, in Jodhpur oder in Jaisalmer in der Thar-Wüste an der pakistanischen Grenze, sind die Menschen wieder primär an mir als exotischem Wessie mit blonden (bzw. grauen) Haaren interessiert. „Das ist okay,“ denke ich, „das kenne ich ja schon von meinem Lieblingsvölkchen, den Chinesen …“ und lasse mich oft und gerne fotografieren. Vielleicht sollte ich das auch kommerziell betreiben und meine Urlaubskasse aufbessern, denn der Inder, der eine Kamera hat, hat auch Geld … „Wanna take a picture with me? 20 Rupees, please!“

Veröffentlicht unter Indien, Reisebeitrag | Schreib einen Kommentar

Ab in die Wüste

Die muslimischen Eroberer erschufen im Laufe ihrer jahrhundertelangen Herrschaft im Norden Indiens riesige Paläste und Mausoleen. Zum Beispiel die Roten Forts in Delhi und Agra, die Stadtpaläste in Jaipur und Udaipur oder das berühmte Taj Mahal. Über das ganze Land verteilt zeugen die teilweise riesigen Moscheen, wie die Freitagsmoschee in Delhi, vom Einfluss des Islam. Auch die Hindu-Herrscher ließen sich von der muslimischen Baukunst beeindrucken und beeinflussen. In Rajasthan finden sich etwa in Amber, Jaipur oder Udaipur einige imposante Beispiele für die Prunksucht der Maharadjas.

image

Orangefarbene Turbane, das Markenzeichen der Rajasthani

Von Delhi führt mich mein Weg am frühen Sonntagmorgen nach Jaipur, der Hauptstadt Rajasthans. Sie wurde erst 1728 gegründet und zählt heute zu den am schnellsten wachsenden Metropolen Indiens. Jaipur ist weltgrößtes Zentrum der Smaragdschleiferei und berühmt für alle Arten von Edelsteinarbeiten. Durch kriegerische Auseinandersetzungen in Nordindien flüchteten vor allem im 18. Jahrhundert viele Kaufleute, Juweliere und Bankiers vor den blutigen Kämpfen aus Delhi und Agra nach Jaipur, wo sie eine neue Heimat fanden. Dadurch wurde die Stadt zum Handelszentrum.

image

Woher der Pfauenhof seinen Namen hat, dürfte jetzt klar sein

Für den Reisenden interessante Attraktionen sind die herrlichen Forts und Paläste, die einen guten Eindruck von der einstigen Pracht vermitteln. Die Adligen der Stadt waren nämlich dazu verpflichtet, in der neuen Stadt Paläste zu bauen. Besonders sehenswert ist vor allem der Stadtpalast von Jaipur mit dem berühmten Pfauenhof. In der Audienzhalle stehen die zwei größten Silbergefäße der Welt, in denen der Maharaja auf seiner Reise nach England zur Krönung Edwards VII. Gangeswasser für die rituelle Reinigung mitnahm. Na, der wird sich gefreut haben, wenn die Suppe schon damals so dreckig war.

image

Da passt ganz schön viel Ganges-Wasser rein …

Sehr schön ist auch das 1799 errichtete Hawa Mahal, der Palast der Winde. Charakteristisch für die Fassade dieses kunstvollen fünfstöckigen Bauwerks sind 953 Nischen und Fenster. Diese dienten einzig dazu, den Haremsdamen unerkannt einen Blick auf die prunkvollen Prozessionen auf der Straße zu verschaffen, so munkelt man. Obwohl das sagenumwobene Gebäude kaum mehr ist als eine Fassade, gilt der Palast der Winde heute als Wahrzeichen Jaipurs und Relikt der verspielten Mogularchitektur. Er soll das meistfotografierte Gebäude Indiens sein. Der Name weist auf die winddurchzogenen Balkone hin – ein Luftschloss im wahrsten Sinne des Wortes.

image

Ich hab nicht nachgezählt, ob es tatsächlich 953 Nischen und Fenster sind aber wird schon stimmen …

Ein Besuch von Jaipur bliebe zudem ohne einen Besuch des 11 Kilometer entfernten Amber, dem ursprünglichen Herrschersitz der Maharajas, unvollständig. Der Palast von Amber gehört zu den schönsten Rajasthans. Den Weg zum Palast hinauf habe ich besonders stimmungsvoll auf dem Rücken eines Elefanten zurück gelegt. Nicht, daß ich mich vor dem Anstieg drücken wollte aber manchmal muß man sich auch mal chauffieren lassen … ansonsten bin ich ja überwiegend mit meinen eigenen zwei Beinen unterwegs.

image

Der Amber-Palast und das höher gelegene Fort, die über einen Tunnel verbunden sind

image

Durch das über und über mit Ornamenten verzierte Ganesha-Tor des Amber-Palstes geht es von dort aus in die Privatgemächer der früheren Herrscher. Der Prunk der Außenbereiche steigert sich hier ins nahezu Unermessliche. Filigrane Marmorgitterfenster, Säulengänge, über und über mit kleinen Spiegelmosaikfliesen verziert, mittendrin ein blühender Garten. Der Reichtum der Rajputen ist in jeder Ecke der Palastanlage spürbar.

image

image

Veröffentlicht unter Indien, Reisebeitrag | Schreib einen Kommentar

Tor nach Indien

Delhi ist mit 15 Millionen Einwohnern eine der größten Städte der Welt, größer noch als Peking. Glücklicherweise hat Delhi als eine der wenigen Städte Indiens eine Metro, so daß man die weit verstreuten Sehenswürdigkeiten zeitlich einigermaßen vernünftig erreichen kann. Oberirdisch wären Besuche der UNESCO-Weltkulturerbe-Stätten, wie Qutab Minar oder des Humayun-Mausoleums ansonsten nahezu Tagesausflüge. Diese beiden Bauwerke sind neben dem Roten Fort und Old-Delhi mit der Freitagsmoschee, der Jama Masjid, die interessantesten Sehenswürdigkeiten Delhis, das ansonsten durch ein viktorianisches Stadtbild, wie in Neu-Delhi mit seinen schönen Regierungsgebäuden und dem Zentrum der Stadt, dem Connaught-Place, besticht.

image

„very english“ … breite Prachtstrassen führen auf die Regierungsgebäude zu

image

Der Connaught-Place ist die englische Seele Delhis

Delhi hat insgesamt 8 historische Stadtgründungen, die sich noch heute in den Stadtteilen widerspiegeln. Für den Delhi-Besucher interessant sind die 3 Gründungen Neu-Delhi (8. Gründung im 20. Jahrhundert durch die Engländer), Old-Delhi (7. Gründung im 17. Jahrhundert durch Shah Jahan … jaja, der baute nicht nur das Taj Mahal) sowie Süd-Delhi (1. Gründung im 11. Jahrhundert durch die Muslimen, die über 6 Jahrhunderte in Delhi herrschten).

image

Beliebtes Ausflugsziel – das indische Tor

In Süd-Delhi bestechen insbesondere die beeindruckenden Überreste frühislamischer Baukunst, die im Qutab-Minar-Komplex mit dem prachtvollsten und höchsten Steinturm der islamischen Welt gipfeln.

image

Der Qutab-Minar … Grandioses Beispiel frühislamischer Architektur

Das Grabmal des Mogul Humayun ist das erste und eins der schönsten Beispiele des Mogul-Gartengrabs, das mit dem Taj Mahal zu höchster Perfektion gelangte. Die Idee dahinter ist ein durch Fußwege und Kanäle in „4 Höfe“ unterteilter Mogulgarten. Das Paradies war nämlich für die Muslime Arabiens ein Garten, weshalb z.B. das in der Wüste so seltene Grün auch als Farbe dieser Religion erwählt wurde. Die 4 Kanäle symbolisieren die vier paradiesischen Ströme aus Wasser, Milch, Wein und klarem Honig.

image

Humayuns Mausoleum – architektonischer Vorreiter des Taj Mahal

Shah Jahans Zitadelle aus rotem Sandstein, das Rote Fort, wurde 1639-1648 am Ostrand des befestigten Old-Delhi gebaut. Man betritt es durch das imposante Lahore-Tor. 90% der Muslime Delhis leben heute in Old-Delhi, was nicht zuletzt am berühmtesten Bauwerk Old-Delhis, der Freitagsmoschee Jama Masjid liegt. Sie war lange Zeit die größte Moschee Indiens, perfekt proportioniert. Der riesige Innenhof mit seinen vier Ecktürmen ist über drei große Tore zugänglich und wird von zwei hohen Minaretten überragt.

image

Das mächtige Lahore-Tor im Roten Fort

Veröffentlicht unter Indien, Reisebeitrag | Schreib einen Kommentar

Wahre Liebe

In Khajuraho hatte ich nur einen Tagesaufenthalt, von Varanasi kommend und nach Agra weiter reisend nahm ich jeweils einen Nachtzug, letzterer kam am sehr frühen Mittwochmorgen um 2.20 Uhr in Agra an, weltberühmt für das Grabmal des Taj Mahal, dessen Silhouette als Synonym für ganz Indien gilt.

image

… ohne Worte …

Das Taj Mahal dürfte den meisten Menschen, die mal etwas über Indien gelesen oder gesehen haben, ein Begriff sein, ziert es doch beispielsweise die Frontseite fast aller Indien-Reiseführer. Darüber zu lesen oder im Fernsehen zu sehen ist das Eine, davor zu stehen und dieses wunderbare Bauwerk aus nächster Nähe zu erleben, hat eine völlig andere emotionale Qualität. Ich war schier fassungslos und zutiefst beeindruckt über die schlichte und über alle Maßen erhabene Eleganz dieses beispiellosen Bauwerks und konnte mir nun erst so richtig vorstellen, wie sehr der Mogul-Herrscher Shah Jahan seine Königin Mumtaz Mahal geliebt haben muß, daß er ihr in 22-jähriger Arbeit dieses prachtvolle Mausoleum errichten ließ, um sie dadurch immer in seiner Nähe zu haben und sich jederzeit ihre Schönheit ins Bewußtsein zurück rufen zu können.

image

Die besten Künstler, 37 Architekten und 20.000 Arbeiter bauten von 1631 bis 1655 an diesem Grabmal. Fleckenloser weißer Marmor, feinster Sandstein und ausgewählte Edelsteine und Halbedelsteine wurden aus dem ganzen Orient zusammen getragen.
Als Gartengrab in der Tradition der Gräber von Khan Khanan und Humayun in Delhi konzipiert (dazu im Delhi-Beitrag mehr), läßt das Taj Mahal („Krone des Palastes“) seine Vorbilder weit hinter sich.

image

Details zu beschreiben birgt die Gefahr in sich, ein Werk wie das Taj Mahal auf seine pure technische und künstlerische Leistung zu reduzieren … es gilt jedoch, weitaus mehr zu würdigen. Obwohl das Taj Mahal fast 60 Meter empor ragt, behält es in seiner hellen Klarheit und Schlichtheit den Charakter eines kostbaren Juwels. Das Spiel des Lichts auf dem Marmor macht aus ihm einen Spiegel unterschiedlichster Stimmungen, abhängig von der Tageszeit. Ein besonderes Erlebnis ist der Sonnenaufgang am Taj Mahal, für den ich wie so oft jedoch frühzeitig aus den Federn mußte.

Hinter dem Taj Mahal bleiben die anderen Sehenswürdigkeiten Agras fast automatisch im Hintergrund, obwohl sie ebenfalls einmalig, absolut sehenswert und beeindruckend sind.

image

In diesem Zusammenhang sei einerseits das einzigartige Agra Fort genannt, in dem sich ab 1565 erstmals das Baukonzept der Mogule entwickelte. Neben den soliden Festungsmauern, die sich über 2,5 Kilometer hinziehen, und den hoch aufragenden Torbauten sind vor allem die wunderschönen Paläste, Moscheen und königlichen Gebäude im Inneren des Forts zu bestaunen.

image

Das mächtige Eingangstor zum Agra-Fort

Ein weiteres Highlight Agras ist das Mausoleum von Mirza Ghiyas Beg, das Itimad-ud-Daulah. Mit seiner vollständigen Marmorverkleidung und den kunstvollen Halbedelstein-Einlegearbeiten ist es ein kleiner Vorläufer des Taj Mahal. Das juwelenbestückte Schmuckkästchen wird demnach im Volksmund auch „Baby-Taj“ genannt … und so klingt es dann auch aus den Kehlen der unzähligen Rikscha- und Tuk-Tuk-Fahrer, die dich dort hinbringen wollen.

image

Baby-Taj

Veröffentlicht unter Indien, Reisebeitrag | Schreib einen Kommentar

One Rupee, please!

An der roten Ampel pressen sich bettelnde Gestalten ans Taxi-Fenster, klopfen Kinder in Lumpen an die Seitenscheiben und heben Aussätzige das Hemd, um ihr Leiden zu zeigen. Kein Witz, bittere Realität, insbesondere in Großstädten wie Delhi. An der Bahnschranke während der Überlandfahrt mit dem Bus schnell mal aussteigen und die Beine vertreten – das ist nur Hartgesottenen zu empfehlen: Im Chor der „One Rupee, please!“-Rufe komme ich mir wie ein Geizhals vor. Aber ich habe meine Prinzipien. Kein Geld an bettelnde Kinder! Alternativ habe ich immer Bonbons in der Tasche … daran sind die Kurzen freilich weniger interessiert. Manche werden frech, ich dann auch!

Sicher, zwischen dem relativ wohlhabenden Kerala im Süden des Landes und den bettelarmen Dörfern des östlichen Orissa liegen Welten, so erklärte man mir. Doch wo immer die Menschen von der Hand in den Mund leben, wird man als Tourist zum potenziellen wandelnden Geldautomaten. Und das aus gutem Grund: Trotz des jährlichen Wirtschaftswachstums von mehr als fünf Prozent verdienen rund 30 Prozent aller Inder weniger als einen (!) US-Dollar pro Tag – und mehr als 35 Prozent sind Analphabeten. Indiens Mittelschicht (derzeit rund 300 Millionen Menschen) mag wachsen und gedeihen – so offensichtlich wie die allgegenwärtige Armut ist sie eben leider nicht! In den Großstädten liegen Slums und Villenviertel oft dicht beieinander, das merkt man manchmal kaum … und manch eine bewachte Wohnanlage ist von einem wuchernden Gürtel von Papp- und Holzbauten umgeben.

Veröffentlicht unter Indien, Reisebeitrag | Schreib einen Kommentar

Kamasutra-Tempel

image

Grandios sehen die Tempel schon Weitem aus …

image

Der Legende nach wurde in Khajuraho vor 1000 Jahren Hemvati, die schöne Tochter eines Brahmanenpriesters, beim Baden in einem Teich vom Mondgott verführt. Dieser offensichtlich erfolgreichen Verbindung entstammte der Begründer der Rajputen-Dynastie, die zwischen 950 und 1050 n. Chr. insgesamt 85 Tempel in Khajuraho errichten ließ und von denen noch 25 erhalten sind. Die aus behauenem Stein erbauten Tempel – architektonische Meisterwerke – sind heute UNSECO-Weltkulturerbe und einer der meist besuchten Orte Indiens. Das Kaff Khajuraho mit 26.000 Einwohnern hat sogar einen eigenen Bahnhof und Flughafen.

image

… wenn man näher ran kommt, ahnt man schon Genaueres …

Die Tempel sind vor allem wegen ihrer zahlreichen erotischen Steinfiguren weltberühmt und werden aus diesem Grund auch Kamasutra-Tempel genannt. Die Fülle der Figuren spiegelt eine Freude an der Darstellung aller möglichen menschlichen Stimmungen und Alltagstätigkeiten wider, wie zum Beispiel schminken, die Füße mit Henna bemalen, die Frisur mit einem Spiegel in der Hand prüfen (es sind halt überwiegend Skulpturen weiblichen Geschlechts) … und … fantasiereiche, teils akrobatisch anmutende Formen der sexuellen Vereinigung (hier kommen dann auch die Männer ins Spiel). Nun, was soll ich sagen, manche Skulpturen zeigen auch ausschließlich Männer bei eben solchen Handlungen … Homosexualität scheint wohl göttlich zu sein …

image

… aber mit dem Zoom-Objektiv wird es offensichtlich … da lacht sogar der Elefant!

Die Freizügigkeit der sexuellen Bildnisse der Hindus strotzt vor Unbekümmertheit und scheint von keiner Erbsünde oder Bilderfeindlichkeit, wie beispielsweise im Islam oder der viktorianischen Prüderie, belastet zu sein. Fruchtbarkeit und Sexualität ist im Hinduismus ein Ausdruck des Göttlichen. Na also, in dem Falle macht es doch besonders Spaß, göttlich zu sein …

image

Zu viert macht es doch am meisten Spaß

image

Gut proportioniert die Damen … von vorne …

image

… und von hinten

Veröffentlicht unter Indien, Reisebeitrag | Schreib einen Kommentar

Zentrum hinduistischen Sterbens

Indien ist, wie zuvor beschrieben, extrem in jeder Hinsicht und neben den ganzen nervigen Facetten vor allem auch extrem sehenswert. Transporttechnisch bewege ich mich in den 3 Wochen Indien hauptsächlich mit dem Zug durch das riesige Land, das vermeintlich beste Verkehrsmittel von allen in Frage kommenden Alternativen. Immerhin hat Indien das weltweit drittgrößte Streckennetz.

image

Sonnenaufgang über dem Ganges – ein wahrhaft mystisches Erlebnis

Los ging meine Indien-Rundreise in Varanasi, einem der ältesten ununterbrochen bewohnten Orte der Welt und am Ufer des heiligen Flusses Ganges gelegen. Varanasi ist zudem die heiligste Stadt des Hinduismus. Seit Jahrhunderten kommen die Pilger in diese uralte Stadt, um Erlösung und Trost zu suchen. Nirgendwo ist Varanasi faszinierender als bei den Ghats, den stufenförmigen Uferbefestigungen, zu denen sich von Tagesanbruch bis zur Dämmerung ein unablässiger Strom von Menschen drängt. Hier vollziehen die Pilger ihre Rituale, im festen Glauben, sich damit von den Sünden ihres Lebens rein zu waschen. So mancher, den ich da sah, hat ziemlich lange gewaschen … Viele Touristen sind beim Anblick der Ghats und vom Trubel um die Leichenverbrennungen schockiert, die Religion und ihre Botschaft scheinen weit weg zu sein, bei so viel Vitalität und Elend, so viel Leben und Tod. Wenn man sich jedoch Zeit nimmt und das Ganze auf sich wirken lässt, dann schwinden die Widersprüche und die verborgene Harmonie des Ganzen tritt zutage.

image

So manch einer muss sich ziemlich lange waschen, um von seinen Sünden befreit zu werden …

Das Hostel, in dem ich untergekommen bin, übrigens das bisher beste, in dem ich übernachtete, bot morgendlich Bootstouren zum Sonnenaufgang auf dem Ganges an. Auch darüber hinaus wurden eigenständige und meist kostenfreie Führungen durch Varanasi angeboten, so zum Beispiel eine morgendliche Tempeltour. Im weichen ersten Licht vor Sonnenaufgang, wenn über dem Fluß noch eine zeitlos-ätherische Stimmung liegt, kann man die Eindrücke an den Ghats im Rahmen einer Bootstour durch den Frühnebel am besten wahrnehmen … alle Geräusche der umtriebigen Stadt (und das sind sehr viele) sind weit weg.

image

Morgens um 6 Uhr herrscht noch Ruhe über der Stadt … aber dann …

Während es für den gemeinen Inder bereits eine große Gnade ist, in Varanasi verbrannt zu werden (und viele Leichname werden extra zu diesem Zweck in die Stadt gebracht), darf der Gläubige, der in Varanasi stirbt, sicher sein, die Erlösung aus dem Zyklus der Wiedergeburt zu erlangen. Daher kommen viele Menschen, die sich ihrem Lebensende nähern, hierher, um auf den Tod zu warten. Varanasi besitzt die mit Abstand meisten Hospize Indiens.

image

Manch einer nutzt die morgendliche Stille für einsame Yoga-Übungen der ausgefallenen Art

Schon komisch, bei uns beten alle dafür, wieder geboren zu werden, die Hindus dagegen sind froh, wenn ihre Seele endlich Frieden hat … Wirklichen Frieden hat aus Hindu-Sicht die Seele jedoch erst durch vollständige Auslöschung (= Verbrennung) ihres Wirts, des Körpers. Auch dies ist ein signifikanter Unterschied zu den westlichen Religionen, wie auch zum Islam, wo eine Beerdigung des Körpers bevorzugt wird. All diese religionsspezifischen Riten spiegeln sich übrigens auch in den Sakral-Architekturen wider und machen diese so unterschiedlich wie einmalig.

image

Veröffentlicht unter Indien, Reisebeitrag | Schreib einen Kommentar

Dimensionen der Angst

Mit mehr als 120 000 Verkehrstoten pro Jahr, die Hälfte davon Fußgänger, steht Indien nicht umsonst an der Spitze der weltweiten Statistiken. Bei Bussen ohne Bremsen, Kühen auf der Autobahn und unbeleuchteten Rollfeldern auf Flughäfen erscheint dies nur eine logische Konsequenz zu sein. Und wer schon einmal gesehen hat, wie Inder Bahn fahren, der schüttelt nur ungläubig mit dem Kopf. Obwohl, da muß man in Indien vorsichtig sein, das wippen mit dem Kopf von links nach rechts bedeutet hier „Ja!“. Die Fahrt mit dem Vorortzug zur Rushhour beispielsweise ist ein Erlebnis, das auch bei psychisch stabilen Menschen Klaustrophobie auslöst – die Passagiere, die sich ans Trittbrett klammern oder auf dem Dach mitfahren mal ganz außer Acht gelassen. Ähnlich strapaziös gestaltet sich die Fahrt mit städtischen Bussen, deren technischer Zustand jedem TÜV-Prüfer drei Wochen Magenschmerzen verursachen würde. Selbst Laien ahnen auf den ersten Blick: Hier fehlt etwas – die Bremse zum Beispiel oder das Licht bei Nacht. Sich mit dem Taxi oder gar Moped durch den indischen Straßenverkehr zu quälen, zählt aus europäischer Sicht zu den Extremsportarten. Auch abgebrühte Sizilien- oder China-Reisende (so wie ich zum Beispiel) können in Indien noch neue Dimensionen der Angst erfahren.

image

In Indien gefährden Tiere den Verkehr – allen voran Kühe, Rinder und Büffel …

Doch was genau macht den Straßenverkehr in Indien so gefährlich? Die Mischung aus Armut – eine neue Bremse kostet Geld – und Fatalismus – die Götter werden es schon richten – verführt zu gefährlichen Manövern. Zudem ist das Straßennetz in erbärmlichem Zustand und es existiert kein TÜV für Privatfahrzeuge. Darüber hinaus sind nicht alle Verkehrsteilnehmer in der Lage, geschweige denn willens, sich an Regeln zu halten – Kühe und Kamele allemal nicht. Dabei ist das Regelwerk durchaus einfach: Der Größere hat recht. Alle anderen Verkehrsregeln sind bestenfalls als Handlungsvorschlag zu werten, genauso wie die irrige Annahme, jeder habe (vor allem im Dunkeln) seine eigene Fahrspur zu nutzen oder das Licht einzuschalten. Der Plan, mit dem Mietwagen Indien am eigenen Steuer zu erkunden, sollte deshalb genau dies bleiben: ein Plan.

image

… aber auch Ziegen, Esel, Kamele, Schweine und … Affen

Veröffentlicht unter Indien, Reisebeitrag | Schreib einen Kommentar

Armut und Kastensystem

1,2 Milliarden Menschen sollen auf dem Subkontinent leben, damit ist Indien der zweitbevölkerungsreichste Staat der Welt. Wobei ich mich ernsthaft frage, wer das wie ermittelt haben will. Bei meinen Erkundungszügen durch touristisch erschlossene Gebiete, wie auch durch Wohngebiete mit ausschließlich Einheimischen und durch Elendsviertel kam aus wirklich jeder Ecke zu jeder Zeit irgendwie ein Inder gekrochen … egal, ob groß oder klein, reich oder arm, Männlein oder Weiblein, mit oder ohne Gefährt … ein ständiges Gewusel – so stelle ich mir das Leben in einem Ameisenhaufen vor. Ganz ehrlich, ich bin mir hundertprozentig sicher, daß hier hunderttausende von Menschen leben, die eine potentielle Volkszählung nicht einmal ansatzweise auf dem Schirm hat. Kinder werden hier mitunter überall auf die Welt gebracht, eine Geburtsurkunde ist definitiv obsolet, ein Pass ebenso. Ein Großteil dieser Klientel wird sich ein Leben lang nicht in erwähnenswertem Umfang aus dem Dunstkreis des eigenen Viertels hinaus bewegen. Gearbeitet wird, wenn überhaupt, per Handschlag. Sozialversicherungs- und Steuernummer sind diesen Menschen unbekannt und auch völlig unnötig. Eine soziale Sicherung nach westlichem Vorbild gibt es nicht und Steuern zahlen hier allenfalls registrierte Unternehmen und Dienstleister, der Kleinhandel und das Kleingewerbe jeglicher Art bleibt hiervon unberührt.

image

Wer keine Arbeit bekommt, macht sich selbständig … zum Beispiel in der Wäscherei-Branche

Die nicht zuletzt durch das Kastensystem begünstigten sozialen Unterschiede sind ein Spiegelbild der Gesellschaft einerseits und des Lebens der Inder im Alltag andererseits. Das Kastenwesen ist in Indien noch immer eine sichtbare und viel diskutierte Realität. Die gesellschaftliche Einteilung in Kasten ist für den Europäer kaum zu verstehen, geschweige denn zu akzeptieren. Fast alle Armen gehören entweder zu den „Scheduled Castes“, also den untersten Kasten, oder zu den kastenlosen Dalits sowie den Adevasi-Ureinwohnern. Traditionell werden ihnen viele Berufe verwehrt, oft leben sie außerhalb der Dorfgemeinschaften. Das Schicksal der untersten Kastenangehörigen, zu der fast 20 Prozent aller Inder gehören, hat sich glücklicherweise in den letzten Jahrzehnten erheblich verbessert: Ein Quotensystem an Universitäten und in der Verwaltung sowie Regierung soll helfen, ihre soziale Stellung zu verbessern. Mit K.R. Narayanan gelang es sogar einem Kastenlosen, von 1997 bis 2000 Präsident von Indien zu werden. Das wäre früher undenkbar gewesen.

image

Oder als Blumenhändler

Veröffentlicht unter Indien, Reisebeitrag | Schreib einen Kommentar