Nicht, daß ihr glaubt, ich hätte etwas gegen die Globalisierung und 24-Stunden-7-Tage-die-Woche-Erreichbarkeit, nein, ganz im Gegenteil. Diese Entwicklungen erhöhen die Produktivität und folglich die Profitabilität global agierender Unternehmen, sofern kostenseitig vernünftig gewirtschaftet wird. Dies wiederum kommt der Volkswirtschaft und letzten Endes uns allen zugute, da der Wohlstand der Bürger steigt. Zumindest für diejenigen unter uns, die an der (Volks-)Wirtschaft partizipieren. Alle anderen haben es sowieso schwer, egal ob globalisierte Welt und steigende Unternehmensgewinne oder nicht. Die Wohlhabenden werden immer wohlhabender und die Armen immer ärmer, das war schon immer so aber mittlerweile ist das kein alleiniges Problem der Drittwelt- und Schwellenländer mehr, ganz im Gegenteil, die Schere geht auch in den vermeintlichen Wohlstandsstaaten immer weiter auseinander. Diejenigen unter uns, denen Wohlstand wichtig ist, wird der oben genannte Sachverhalt freuen, da sie immer wohlhabender werden. Aber darum soll es hier eigentlich nicht gehen, ich will ja nicht als Sozialkritiker in die Annalen eingehen. Die Frage ist vielmehr, welchen Preis jeder Einzelne für mehr Wohlstand zu zahlen bereit ist. Ihr wisst schon, worauf ich hinaus will, die Medien sind ja voll von Burn-Out- und Depressionsthemen, deshalb verzichte ich auf weitere Detaillierungen hierzu …
Die entscheidende Frage ist, wie reagieren Volkswirtschaften auf diesen unübersehbaren Trend zur gesundheitlichen Gefährdung des wichtigsten Produktionsmittel, des Menschen, insbesondere in leitender Funktion, jedoch genauso am Fließband? Immerhin hat bereits heute jede vierte Berufsunfähigkeit psychische Ursachen, Tendenz steigend. Das ist sicher kein Zufall. Antwort: größtenteils gar nicht. Das ist meine bescheidene Erfahrung, insbesondere im Mittelstand. Dort wird das Thema tot geschwiegen oder lächerlich gemacht, getreu dem Motto, so lange meine Mitarbeiter das sowohl qualitativ als auch quantitativ steigende Arbeitspensum schaffen, ist doch alles gut, andernfalls wird halt frisches Personal gesucht. Personaldienstleister sollte man werden, scheint eine boomende Zukunftsbranche zu sein, obwohl, wahrscheinlich doch eher nicht. Der demographische Wandel wird’s richten. Gut ausgebildete, fachlich qualifizierte Menschen mittleren Alters mit entsprechender Berufserfahrung sind bereits heute heiß begehrt, sofern sie nicht schon „verbrannt“ wurden. Der Personalmarkt wird sich weiter signifikant wandeln, vom Arbeitgeber- hin zu einem Arbeitnehmermarkt. Auf der Strecke bleiben dann die oben genannten Unternehmen, die sich fragen sollten, was sie wollen – kurzfristigen (und zudem fraglichen) Erfolg oder langfristig leistungsfähige Mitarbeiter als entscheidende Basis anhaltenden wirtschaftlichen Erfolgs.
Was hat das mit der Überschrift dieses Beitrags zu tun, werdet ihr euch fragen. Eine Menge! Denn die Wirtschaft in Mitteleuropa hat die Zeichen der Zeit offensichtlich noch nicht verstanden, in den USA ist das ganz anders, dort ist man (wieder einmal) der Vorreiter. Das Motto lautet Eigeninitiative. Selbstverantwortliche Mitarbeiter sind, wie der Name suggeriert, für sich und ihr Wohlbefinden selbst verantwortlich und ergreifen die (Eigen-)Initiative. Mentaler Ausgleich und Stressprävention wird mehr und mehr zum Einstellungskriterium und ist bereits heute ein Rekrutierungsvorteil für vorausschauend agierende Bewerber, insbesondere auf Managementpositionen.
Ich sprach von der Vorreiterrolle der USA. Dort müssen sich Manager mittlerweile schon rechtfertigen, wenn sie nicht meditieren. Meditation ist dort ein großer Trend und schon viel verbreiteter als hierzulande. Es ist auch leichter zugänglich als etwa bei uns: Es gibt zum Beispiel vielerorts Meditationszentren, so wie es hier Yoga-Studios gibt. Dazu kommen zahllose Angebote etwa an Schulen, Universitäten, Kliniken sowie in Unternehmen der freien Wirtschaft. Selbst hier in Lumbini im Meditationszentrum stellen die US-Bürger den mit Abstand größten Anteil der Langzeit-Meditierenden dar.
Nun schließt sich der Kreis allmählich und so langsam wird hoffentlich deutlich, daß meine Langzeitreise nur bedingt eine Spaßveranstaltung ist, da steckt sehr viel Sinn sowie eine Strategie dahinter und sie ist mit Zielen verbunden. Eins davon ist der oben genannte Wettbewerbsvorteil bei der Suche nach einer interessanten beruflichen Herausforderung nach meiner Rückkehr. Ist ja in meinem Alter nicht ganz so verkehrt, einen kleinen Vorsprung zu haben …
Es gibt sogar eine noch radikalere Idee, bei der ihr gleich denken werdet: „der Scheffer hat sie nicht mehr alle, der ist immer noch höhenkrank“! Weit gefehlt. Die Idee ist ja nicht von mir, ich hab sie nur im „GEO Wissen“ gelesen und sie passt nur zu gut hier rein.
Man stelle sich vor, der Ami will durch Meditation eigentlich gar keine wettbewerbs- und stressresistenten Mutanten heran züchten, nein, ganz im Gegenteil. Eine bewiesene wissenschaftliche These sagt aus, das jene Hirnareale, die für Zuwendung und Fürsorge zuständig sind, sich durch gezieltes mentales Training verstärken lassen. So weit, so gut. Aber jetzt kommt’s: Solche Erkenntnisse können nicht nur dem Einzelnen helfen, sondern sehr wahrscheinlich sogar Politikern und Managern eine andere Haltung vermitteln – sie etwa dazu bewegen, über Alternativen zu einem wettbewerbsorientierten Wirtschaftssystem, die verstärkt auf Mitgefühl und Altruismus beruhen, nachzudenken. Das ist doch mal revolutionär … man spinne das mal weiter …
Und das ist längst mehr als nur eine idealistische Utopie. Mit dem renommierten und jeder Esoterik unverdächtigen Kieler Institut für Weltwirtschaft hat die Direktorin des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig, Tania Singer, das Forschungsprogramm „Caring Economics“ gegründet, das Voraussetzungen für eine alternative Ökonomie erkunden soll. Könnte man unser Wirtschaftssystem durch spirituelle Techniken verändern, würde aus dem Homo oeconomicus ein Homo relationis, ein beziehungsfähiger Mensch, für den Selbstlosigkeit verstärkt im Zentrum wirtschaftlichen Handelns stünde. Also ich finde, das hat wirklich was und vielleicht ist der Ami hier wieder auf der Überholspur unterwegs. Vom Auto und dem Computer hat man schließlich auch gedacht, das ist nur was für Spinner und das wird sich nie durchsetzen … nur, die Revolutionäre, die daran geglaubt haben, sind heute reiche Spinner …