Wahre Liebe

In Khajuraho hatte ich nur einen Tagesaufenthalt, von Varanasi kommend und nach Agra weiter reisend nahm ich jeweils einen Nachtzug, letzterer kam am sehr frühen Mittwochmorgen um 2.20 Uhr in Agra an, weltberühmt für das Grabmal des Taj Mahal, dessen Silhouette als Synonym für ganz Indien gilt.

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… ohne Worte …

Das Taj Mahal dürfte den meisten Menschen, die mal etwas über Indien gelesen oder gesehen haben, ein Begriff sein, ziert es doch beispielsweise die Frontseite fast aller Indien-Reiseführer. Darüber zu lesen oder im Fernsehen zu sehen ist das Eine, davor zu stehen und dieses wunderbare Bauwerk aus nächster Nähe zu erleben, hat eine völlig andere emotionale Qualität. Ich war schier fassungslos und zutiefst beeindruckt über die schlichte und über alle Maßen erhabene Eleganz dieses beispiellosen Bauwerks und konnte mir nun erst so richtig vorstellen, wie sehr der Mogul-Herrscher Shah Jahan seine Königin Mumtaz Mahal geliebt haben muß, daß er ihr in 22-jähriger Arbeit dieses prachtvolle Mausoleum errichten ließ, um sie dadurch immer in seiner Nähe zu haben und sich jederzeit ihre Schönheit ins Bewußtsein zurück rufen zu können.

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Die besten Künstler, 37 Architekten und 20.000 Arbeiter bauten von 1631 bis 1655 an diesem Grabmal. Fleckenloser weißer Marmor, feinster Sandstein und ausgewählte Edelsteine und Halbedelsteine wurden aus dem ganzen Orient zusammen getragen.
Als Gartengrab in der Tradition der Gräber von Khan Khanan und Humayun in Delhi konzipiert (dazu im Delhi-Beitrag mehr), läßt das Taj Mahal („Krone des Palastes“) seine Vorbilder weit hinter sich.

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Details zu beschreiben birgt die Gefahr in sich, ein Werk wie das Taj Mahal auf seine pure technische und künstlerische Leistung zu reduzieren … es gilt jedoch, weitaus mehr zu würdigen. Obwohl das Taj Mahal fast 60 Meter empor ragt, behält es in seiner hellen Klarheit und Schlichtheit den Charakter eines kostbaren Juwels. Das Spiel des Lichts auf dem Marmor macht aus ihm einen Spiegel unterschiedlichster Stimmungen, abhängig von der Tageszeit. Ein besonderes Erlebnis ist der Sonnenaufgang am Taj Mahal, für den ich wie so oft jedoch frühzeitig aus den Federn mußte.

Hinter dem Taj Mahal bleiben die anderen Sehenswürdigkeiten Agras fast automatisch im Hintergrund, obwohl sie ebenfalls einmalig, absolut sehenswert und beeindruckend sind.

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In diesem Zusammenhang sei einerseits das einzigartige Agra Fort genannt, in dem sich ab 1565 erstmals das Baukonzept der Mogule entwickelte. Neben den soliden Festungsmauern, die sich über 2,5 Kilometer hinziehen, und den hoch aufragenden Torbauten sind vor allem die wunderschönen Paläste, Moscheen und königlichen Gebäude im Inneren des Forts zu bestaunen.

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Das mächtige Eingangstor zum Agra-Fort

Ein weiteres Highlight Agras ist das Mausoleum von Mirza Ghiyas Beg, das Itimad-ud-Daulah. Mit seiner vollständigen Marmorverkleidung und den kunstvollen Halbedelstein-Einlegearbeiten ist es ein kleiner Vorläufer des Taj Mahal. Das juwelenbestückte Schmuckkästchen wird demnach im Volksmund auch „Baby-Taj“ genannt … und so klingt es dann auch aus den Kehlen der unzähligen Rikscha- und Tuk-Tuk-Fahrer, die dich dort hinbringen wollen.

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Baby-Taj

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