Ich habe mal gelesen, daß einen guten Schriftsteller ausmacht, daß er weiß, wann er mit dem Schreiben aufhören muß. Gut, dann will ich mal ein guter Schriftsteller sein und mit diesem Beitrag das Ende dieses Blogs einläuten.
Ich weiß, es wird verdammt hart für euch alle, man hat sich an das Lesen der spannenden (Reise-)Geschichten in den letzten Monaten gewöhnt … aber glaubt mir, das geht auch mir so. Ich habe mich an das Bloggen sehr gewöhnt, es hat mir Spaß gemacht, meiner Außenwelt auf hoffentlich anschauliche, objektive und amüsante Art und Weise die Welt, in der ich mich seit September bewege, ein wenig näher zu bringen. Wenn es mir zudem noch gelungen ist, die eine oder andere Anregung zu geben, für den einen oder anderen Missstand in unserer Welt und für die eine oder andere Kritik, sowohl positive als auch negative, an dem, was in unserer Welt so passiert, zu sensibilisieren, dann bin ich glücklich und dann hat dieser Blog vollumfänglich seine Aufgabe erfüllt.
Was bleibt zu den Ländern und ihren Menschen in Zentralasien und Fernost, die ich bereist habe, abschließend zu sagen? Nun, grundsätzlich kann ich vorbehaltlos sagen, daß JEDES der bereisten Länder eine individuell wundervolle kulturelle und landschaftliche Vielfalt mit jeweils anderen Schwerpunkten zu bieten hatte, ausnahmslos.
Angefangen in St. Petersburg mit seiner prunkvollen Altstadt und den verspielten Palästen Peterhof und Katharinenpalast über die Moskauer Basiliuskathedrale und den Kreml bis in die schönste Stadt Sibiriens, Irkutsk, mit dem nahe gelegenen tiefsten See der Erde, den Baikalsee, hat Russland eine außerordentliche Vielfalt an kulturellen und landschaftlichen Schätzen zu bieten. Dieses riesige Land mit der Transsibirischen Eisenbahn quer durch Sibirien von West nach Ost zu erschließen, war ein besonderes Erlebnis.
Das Überbleibsel des ehemalige Weltreichs der Mongolen, die Mongolei, mit seinen weiten Steppenlandschaften und seinen Menschen, die ein enormer Stolz auf ihre Geschichte und ihre Vorfahren, allen voran Dschinghis Khan, prägt, war eine weitere spannende Etappe gen Osten Richtung China.
Nun gut, mit den Chinesen an sich stand ich von Anfang an ein wenig auf Kriegsfuß. Das lag nicht zuletzt daran, daß mir Tibet sehr ans Herz gewachsen ist und es einfach nicht in Ordnung ist, wie sehr die Menschen und ihre Kultur dort unter dem chinesischen Regime leiden. Dennoch, China ist nicht zuletzt wegen seiner grandiosen jahrtausendealten Ming- und Qing-Dynastien und seiner kulturellen Hinterlassenschaften ein Wunderwerk an sich. Egal, ob chinesische Mauer, verbotene Stadt, Sommerpalast, Palast des Himmels oder Terrakotta-Armee … jede dieser Stätten ist einmalig und grandios und die Liste ließe sich noch seitenlang fortsetzen.
Ich weigere mich auch weiterhin standhaft, Tibet als Teil Chinas zu betrachten. Für mich hat die Reise auf das Dach der Welt eine ganz besondere Bedeutung. Es war eine einzigartige spirituelle Erfahrung, mich mit den Buddhisten vor Sonnenaufgang bei der Kora im Uhrzeigersinn um ihre heiligen Stätten zu bewegen und gebetsmühlenartig eben diese zu drehen. Diese Erfahrung hat mich tief bewegt und mir erst einen richtigen Eindruck von der tiefen Religiosität dieser so warmherzigen, liebenswerten und freundlichen Menschen und ihre Verbundenheit mit ihren Göttern, weltlichen Vorbildern sowie ihrem Land und ihrer Kultur vermittelt.
Nepal und das quirlige Kathmandu-Valley war nach der bewegenden (und kalten) Reise durch Tibet ein erholsamer Kontrast. Sich durch die engen Gassen des geschäftigen Thamel zu zwängen, war genau das richtige Intermezzo vor meiner Einkehr in mich selbst. Der Aufenthalt und Rückzug im Meditationszentrum in Lumbini hat mir letztlich neue Erkenntnisse über mich selbst gebracht und die Gewissheit, daß man sein Handeln durch die Beeinflussung seiner Gedanken steuern kann. Dies ist eine Erfahrung, die einen signifikanten Einfluss auf die, sind wir mal optimistisch, zweite Hälfte meines Lebens haben wird.
Indien … tja, was soll ich sagen? Zu den Indern (und auch zu Indien als Land) habe ich ein ausgeprägt ambivalentes Verhältnis. Indien ist schwierig – in jeder Hinsicht. Ich denke, es gibt nur zwei Möglichkeiten … entweder man kommt mit dem Land, seinen Besonderheiten und den Menschen klar oder eben nicht. Ich habe mich ehrlich schwer getan, Zugang zu den Indern zu finden. Indien als Land ist fantastisch schön und sehenswert, das ganze Drumherum, die Armut, die an jeder Ecke zu erkennende Spaltung der Gesellschaft durch das Kastenwesen, die Gleichgültigkeit der höheren gegenüber den niederen Kasten bis hin zur Verachtung, der Verkehr und der Lärm, die hohe Menschendichte (Privatsphäre hat man nur in seinem Einzelzimmer, sonst nirgends) all das macht es einem jedoch schwer, diese positiven Eindrücke zu geniessen. Je länger ich in diesem Land gereist bin, desto mehr hatte ich das Verlangen, es bald wieder zu verlassen. Vielleicht tut man sich leichter, wenn man Indien in mehrere kürzere Reisen teilt … aber vielleicht liegt dieses Verlangen auch einfach nur an meinem nun schon vierwöchigen Befall meines Magen-/Darmtraktes durch die indischen Mikroben, dem die Winzlinge schon arg zugesetzt haben …
So, das war mein abschließender Roundup über die vergangenen Monate und die bereisten Länder, der noch einmal meine wichtigsten Erfahrungen, Erkenntnisse und Gefühle wider spiegelt.
Ich habe oft daran gedacht, wie diese Reise verlaufen wäre, wenn nicht 7 Minuten über ihren Verlauf entschieden hätten. Das Erlebnis haftete mir die ganze Reise lang im Gedächtnis. Ich hatte mich in Irkutsk quasi damit abgefunden, den Zug in die Mongolei zu verpassen, das hätte meine gesamte Reiseplanung bis nach Tibet über den Haufen geworfen. Mit unbändigem Willen und unter Mobilisierung aller mir möglichen Ideen und Kräfte habe ich darum gekämpft, den Zug zu erreichen und mich nicht mit dem scheinbar Unausweichlichen abgefunden. Ich wiederhole Rüdiger Nehbergs Worte gerne: Glück ist, wenn Vorbereitung auf Chance trifft …
Nur so konnte ich in diesem Zug so tollen Menschen, wie Greg, Lisa, Andy oder Carmen begegnen, die mir gute Freunde geworden sind und mit denen ich heute noch schreibe. Nur so konnte sich die weitere Reise so positiv und in jeder Hinsicht wunderbar und einmalig entwickeln.
Auch das ist eine Lehre aus dem Erlebten … finde Dich nie mit irgendetwas ab, mit dem Du nicht einverstanden bist. Kämpfe für Deine Ziele und gib nicht auf. Dann wirst Du im Ergebnis dafür belohnt!
Ich möchte dieses Schlusswort mit einem eben solchen beenden, eines das in einem Wort am Besten meine gegenwärtige Gefühlslage ausdrückt … Danke!, Spasibo!, Bayarlalaa!, Xie xie!, Dhanyabad!, Dhanyavaad! …
… für eine wundervolle und unvergessliche Zeit als Gast in euren Ländern.
Namasté!