Ab in die Wüste

Die muslimischen Eroberer erschufen im Laufe ihrer jahrhundertelangen Herrschaft im Norden Indiens riesige Paläste und Mausoleen. Zum Beispiel die Roten Forts in Delhi und Agra, die Stadtpaläste in Jaipur und Udaipur oder das berühmte Taj Mahal. Über das ganze Land verteilt zeugen die teilweise riesigen Moscheen, wie die Freitagsmoschee in Delhi, vom Einfluss des Islam. Auch die Hindu-Herrscher ließen sich von der muslimischen Baukunst beeindrucken und beeinflussen. In Rajasthan finden sich etwa in Amber, Jaipur oder Udaipur einige imposante Beispiele für die Prunksucht der Maharadjas.

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Orangefarbene Turbane, das Markenzeichen der Rajasthani

Von Delhi führt mich mein Weg am frühen Sonntagmorgen nach Jaipur, der Hauptstadt Rajasthans. Sie wurde erst 1728 gegründet und zählt heute zu den am schnellsten wachsenden Metropolen Indiens. Jaipur ist weltgrößtes Zentrum der Smaragdschleiferei und berühmt für alle Arten von Edelsteinarbeiten. Durch kriegerische Auseinandersetzungen in Nordindien flüchteten vor allem im 18. Jahrhundert viele Kaufleute, Juweliere und Bankiers vor den blutigen Kämpfen aus Delhi und Agra nach Jaipur, wo sie eine neue Heimat fanden. Dadurch wurde die Stadt zum Handelszentrum.

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Woher der Pfauenhof seinen Namen hat, dürfte jetzt klar sein

Für den Reisenden interessante Attraktionen sind die herrlichen Forts und Paläste, die einen guten Eindruck von der einstigen Pracht vermitteln. Die Adligen der Stadt waren nämlich dazu verpflichtet, in der neuen Stadt Paläste zu bauen. Besonders sehenswert ist vor allem der Stadtpalast von Jaipur mit dem berühmten Pfauenhof. In der Audienzhalle stehen die zwei größten Silbergefäße der Welt, in denen der Maharaja auf seiner Reise nach England zur Krönung Edwards VII. Gangeswasser für die rituelle Reinigung mitnahm. Na, der wird sich gefreut haben, wenn die Suppe schon damals so dreckig war.

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Da passt ganz schön viel Ganges-Wasser rein …

Sehr schön ist auch das 1799 errichtete Hawa Mahal, der Palast der Winde. Charakteristisch für die Fassade dieses kunstvollen fünfstöckigen Bauwerks sind 953 Nischen und Fenster. Diese dienten einzig dazu, den Haremsdamen unerkannt einen Blick auf die prunkvollen Prozessionen auf der Straße zu verschaffen, so munkelt man. Obwohl das sagenumwobene Gebäude kaum mehr ist als eine Fassade, gilt der Palast der Winde heute als Wahrzeichen Jaipurs und Relikt der verspielten Mogularchitektur. Er soll das meistfotografierte Gebäude Indiens sein. Der Name weist auf die winddurchzogenen Balkone hin – ein Luftschloss im wahrsten Sinne des Wortes.

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Ich hab nicht nachgezählt, ob es tatsächlich 953 Nischen und Fenster sind aber wird schon stimmen …

Ein Besuch von Jaipur bliebe zudem ohne einen Besuch des 11 Kilometer entfernten Amber, dem ursprünglichen Herrschersitz der Maharajas, unvollständig. Der Palast von Amber gehört zu den schönsten Rajasthans. Den Weg zum Palast hinauf habe ich besonders stimmungsvoll auf dem Rücken eines Elefanten zurück gelegt. Nicht, daß ich mich vor dem Anstieg drücken wollte aber manchmal muß man sich auch mal chauffieren lassen … ansonsten bin ich ja überwiegend mit meinen eigenen zwei Beinen unterwegs.

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Der Amber-Palast und das höher gelegene Fort, die über einen Tunnel verbunden sind

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Durch das über und über mit Ornamenten verzierte Ganesha-Tor des Amber-Palstes geht es von dort aus in die Privatgemächer der früheren Herrscher. Der Prunk der Außenbereiche steigert sich hier ins nahezu Unermessliche. Filigrane Marmorgitterfenster, Säulengänge, über und über mit kleinen Spiegelmosaikfliesen verziert, mittendrin ein blühender Garten. Der Reichtum der Rajputen ist in jeder Ecke der Palastanlage spürbar.

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