Meine erste Station in China ist die Hauptstadt Peking, kulturelle, politische als auch historische Metropole der Volksrepublik, ein mit menschlichen Leibern überberstender 16-Millionen-Einwohner-Molloch. Peking ist in jeder Hinsicht gigantisch … gigantisch groß, voll, laut aber auch spektakulär. Spektakulär vor allem aufgrund seiner zahlreichen einmaligen und grandiosen Vermächtnisse der jahrtausendealten Kaiser-Dynastien Ming und Qing. Diese auch nur ansatzweise aufzuzählen würde den Rahmen dieses Blogs bei Weitem sprengen, deshalb seien nur die wichtigsten, die ich auch besucht habe, genannt. Viele von ihnen sind als UNESCO-Weltkulturerbe besonders geschützte Stätten.

der Tian’anmen-Platz mit dem Tian’anmen-Tor im Hintergrund
Da wäre zum Einen das politische Zentrum der Volksrepublik China, der Tian’anmen-Platz, übersetzt Platz des himmlischen Friedens, einer der größten befestigten Versammlungsplätze der Welt, mit einem Fassungsvermögen von mehr als 1 Mio. Menschen. Es waren die chinesischen Kommunisten, die den Platz des Himmlischen Friedens bauen ließen, nachdem sie den chinesischen Bürgerkrieg gegen die Regierung der Republik China gewonnen hatten. Während die Überreste der republikanischen Chinesen auf Taiwan einen neuen Staat aufbauten, ließ Mao Tsetung in Peking den Tian’anmen-Platz errichten, um hier Massenaufmärsche abhalten zu können. Hier wurde von Mao Tsetung z.B. die Volksrepublik China ausgerufen und jugendliche Massen zu Terroraktionen während der Kulturrevolution angestachelt.

nachts sieht er friedlich aus – der Platz des himmlischen Friedens
Der Tian’anmen-Platz wird im Norden begrenzt durch das Tian’anmen-Tor, das Tor des himmlischen Friedens mit dem übergroßen Portrait Mao Tsetungs, der auch heute noch eine politische Ikone, vor allem der älteren Bevölkerung ist. Schliesslich war er einer der Hauptakteure der Kulturrevolution, die 1911 das Ende des chinesischen Kaiserreiches bedeutete. Ob danach alles besser wurde, ist zweifelhaft, jedoch erlebt zumindest die chinesische Wirtschaft der jüngeren Zeit einen Boom, der sie zur ökonomischen Weltmacht aufstiegen ließ.

zum Nationalfeiertag gibt es Blumen – wie alles in Peking … überdimensioniert
Durch das Tian’anmen-Tor betritt man die heiligste Stätte des ehemaligen Kaiserreiches, die verbotene Stadt. Die „forbidden city“ mit dem Kaiserpalast war das religiöse und politische und somit das Machtzentrum im Kaiserreich und durfte, daher der Name, von der normalen Bevölkerung nicht betreten werde. Es ist nicht EIN Palast im engeren Sinne, sondern der größte Palastkomplex der Welt, eine eigene Stadt in der Stadt. Neben dem Kaiserpalast beherbergt die verbotene Stadt nicht mehr aber auch nicht weniger als 890 weitere historische Gebäude. Für 24 chinesische Kaiser war die verbotene Stadt ihr Zuhause. Einer chinesischen Legende nach gab es innerhalb der verbotenen Stadt genau neuntausendneunhundertneunundneunzigeinhalb Räume, denn nur der Himmel durfte zehntausend Räume haben. Die Zahl 10.000 steht im Chinesischen oft für „unendlich“. Der Kaiserpalast und die übrigen Gebäude in der Verbotenen Stadt haben also „ein halbes Zimmer weniger als unendlich viele Räume“. Wäre ja auch maßlos :-).




Der Himmelstempel Park in Peking ist eines der bekanntesten und meist besuchten historischen Bauwerke der chinesischen Hauptstadt. Er stammt aus der Zeit der Ming-Dynastie, die China im späten Mittelalter regierte. Der Himmelstempel Park mit der zentralen „hall of prayer for good harvests“ ist schiere geometrische Perfektion und der ultimative Ausdruck der chinesischen Verbundenheit mit den himmlischen Kräften.

schiere geometrische Perfektion – der „circular mound altar“
Der Kaiser ist in seiner Rolle als Abgesandter des Himmels auf Erden dafür verantwortlich, die Anliegen seiner Bevölkerung mit den himmlischen Mächten zu klären, etwa um den Himmel anzurufen und um eine gute Ernte zu erbitten. Eigentlich ein cooler Job oder? Nicht ganz, denn wiederholt schlechte Ernten konnten auch für den Kaiser gefährlich werden, bedeuteten sie doch, dass er das Wohlwollen des Himmels verloren hatte, und damit die Legitimität, das Reich zu regieren. Nicht wenige Umstürzte in der chinesischen Geschichte wurden so ausgelöst.

im Zentrum des Himmelstempel Parks
Arbeitsplatz des Kaisers bei dieser Aufgabe war bei oben genanntem Anliegen die bereits erwähnte „hall of prayer for good harvests“.

die „hall of prayer for good harvests“
Wegen seiner kulturellen und architektonischen Bedeutung wurde der Himmelstempel von Peking in die Liste der UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen. Er spielte nicht nur kulturell eine wichtige Rolle im späten dynastischen China, sondern ist auch ein wichtiges Bauwerk der klassischen chinesischen Architektur in Peking.

dekorativ – Parkanlagen der Stadt Souzhou im Sommerpalast-Park
Der Sommerpalast von Peking war ein Sommersitz der chinesischen Kaiser der Qing-Dynastie, der letzen chinesischen Kaiserdynastie, die Anfang des vergangenen Jahrhunderts durch die Repubik China gestürzt wurde. Der Sommerpalast ist der einzige erhaltene kaiserliche Garten, in ihm ist der vollkommene Traum der chinesischen Gartenarchitektur verwirklicht.

wunderschöne Parkanlagen rund um den Sommerpalast
Der Sommerpalast ist umgeben von einer großen und gut restaurierten Parkanlage, die sich rund um den Kunming-See des Sommerpalasts erstreckt. Innerhalb der Parkanlage befinden sich zahlreiche Gebäude, religiöse Tempel und dekorative Bauwerke, unter anderem ein großes Schiff, das komplett aus Marmor gebaut ist.

Skyline von Peking beim Blick über den Kunming-See
Der Bau des neuen Sommerpalasts wurd um das Jahr 1750 begonnen. Der Sommerpalast wurde zweimal in den Jahren 1860 und 1900, von europäischen Besatzungsmächten zerstört und jeweils durch das Qing-Kaiserhaus wieder aufgebaut. Die Zerstörung des Sommerpalasts war jeweils eine Strafakton gegen den Qing-Kaiser. Ein weiteres Mal wurde der Sommerpalast während der von Mao Tsetung ausgelösten Kulturrevolution in den späten Sechzigerjahren stark beschädigt. Noch heute kann man in einigen Teilen des Sommerpalasts die kopflosen Buddha-Statuen sehen. Während der Kulturrevolution durch Mao Tsetung aufgehetzt, zogen Jugendliche in ganz China aus, um die Geschichte des Landes zu zerstören. Unzählige historische Kunstwerke und Statuen fielen dem Mob zum Opfen.

Zuletzt die chinesische Mauer, sie dürfte jedem ein Begriff sein, stellt sie doch eines der sieben Weltwunder dar und soll, so der allgemeine Volksglaube, das einzige Bauwerk sein, welches man auch aus dem Weltall erkennen kann. Mit dieser Mär räumen wir zunächst einmal auf. Einerseits sähe die chinesische Mauer, würde man sie aus dem Weltall sehen, wie eine simple Strasse aus und andererseits, was viel wichtiger ist, wurde sie seinerzeit aus Materialien, insbesondere Stein, erbaut, das aus den umliegenden Gebirgen stammt. Dies diente zum Zwecke der Tarnung. Die chinesische Mauer war dadurch farblich in die übrige Landschaft integriert und schwerer für Feinde zu erkennen – erst recht aus dem Weltall, sofern die Chinesen dort Feinde gehabt hätten. Nichtsdestotrotz, das Bauwerk ist gewaltig und man kann sich nicht im Entferntesten vorstellen, wieviel Zeit und Mühen es gekostet haben muss, dieses Wunderwerk von fast 9.000 Kilometer Länge auf die Gebirgskämme zu bauen. Ja, die chinesische Mauer verläuft größtenteils auf den Scheiteln der Gebirge, ist insofern durchgehend mit teils enormen Steigungen und Gefällen versehen, ich kann das im Schweiße meines Angesichtes bestätigen. Und wenn ich schon mit meinem Tagesrucksack gehörig ins Schwitzen kam, möchte ich nicht wissen, welche Anstrengung das Begehen der chinesischen Mauer für die Soldaten in voller Kampfmontur, mit Kettenhemd und Bewaffnung gewesen sein muß.




Weniger (kunst-)historisch, dafür vielmehr neuzeitlich wegen ihrer außergewöhnlichen Architektur bekannt sind die Überbleibsel der Olympischen Spiele in Peking 2008, insbesondere das „bird’s nest“ (Vogelnest => Nationalstadion) und der „aquatic park“ (Schwimmhalle). Das gesamte olympische Gelände mutet sehr schön, modern und futuristisch an, besonders abends, wenn die Architekturen illuminiert werden. Der Olympic Park ist selbstverständlich wie alles in Peking enorm groß und weitläufig.

Bird’s Nest und Aquatic Park