Oase der Ruhe und Besinnung

Das Panditarama International Vipassana Meditation Center ist keine kommerzielle, sondern eine gemeinnützige Einrichtung, die von drei hohen buddhistischen Ordensmönchen und -nonnen geleitet wird. Diese nehmen auch die Rolle der Lehrer ein und begleiten die Meditierenden während ihres Aufenthaltes.

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Die Bananen für das Essen kommen direkt aus dem eigenen Garten …

Die Klosteranlage liegt in einem wunderschönen tropischen Garten, ein wahres Paradies und die ideale Umgebung, um sich in Ruhe und Abgeschiedenheit in seinen Geist vertiefen und mit seinen Gedanken befassen zu können.

Natürlich hatte ich hier auch viel Zeit um zu schreiben und meinen Gedanken freien Lauf zu lassen, demnach gibt’s in den nächsten Beiträgen wenig Bilder, dafür viel für’s Hirn.

So grob habe ich mich dann auch schon mal mit den (Reise-)Zielen für die kommenden 3 Wochen befasst und dabei ist dann folgende Route heraus gekommen. Zunächst geht es zu den, neben Lumbini, drei weiteren heiligen Stätten des Buddhismus in Nordindien, Kushinagar (hier ging Buddha ins Nirvana ein), Sarnath (hier hielt er seine erste Predigt) und Bodh Gaya (hier bekam Buddha die Erleuchtung) und dann über Agra und Delhi in den Wüstenstaat Rajasthan mit seinen Wüstenforts und Palastanlagen aus 1001 Nacht.

Lumbini

Gorakhpur / Kushinagar

Varanasi / Sarnath / Bodh Gaya

Khajuraho

Agra

Delhi

Amritsar

Jaipur

Jaisalmer

Jodhpur

Udaipur

Chennai

Na dann mal los …

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Wiege des Buddhismus

Nun kommen wir kurz und knackig zum Hauptanliegen meiner Reise, nämlich auf den Spuren Buddhas zu wandeln, wie der Blog-Titel so prägnant suggeriert.

Wo auf der Welt könnte das Wandeln auf den Spuren Buddhas besser in ein „finale furioso“ münden, als hier in Lumbini, an dem Platz, wo Siddhartha Gautamas, so der bürgerliche Name Buddhas, sechshundertirgendwas vor Christus (so einig sind sich die Historiker da nicht) das Licht der Welt erblickte?

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Der Lumbini Sacred Garden

Lumbini wurde erst 1896 archäologisch wiederentdeckt: Das bedeutsamste Fundstück war damals eine 6,50 Meter hohe Steinsäule, die im Jahre 245 v. Chr. von König Ashoka errichtet wurde. Die Inschrift lautet:

„Zwanzig Jahre nach seiner Krönung kam König Devanampiya Piyadasi (Ashoka) hierher und bezeigte seine Verehrung, weil der Buddha, der Weise aus dem Shakya-Geschlecht, hier geboren worden ist. Er ließ ein Steinrelief anfertigen und eine Steinsäule errichten, um anzuzeigen, dass hier der Erhabene geboren wurde. Das Dorf Lumbini befreite er von Steuern und (setzte) seine Naturalabgaben auf ein Achtel (vom üblichen Viertel).“

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Die Säule des Ashoka

Heute steht der Lumbini Sacred Garden mit seinen Ausgrabungsstätten, Tempeln und Parkanlagen aufgrund seiner historischen Bedeutung für die Menschheit als World Heritage Site unter dem Schutz der UNESCO und wird vom Lumbini Development Trust verwaltet und weiterentwickelt.

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Unten links – Panditarama Meditation-Center

Inmitten dieses historischen Geländes des Sacred Gardens liegt das Meditationszentrum … ich wandele während meiner Meditationen quasi auf heiligem Boden. Dieser Sachverhalt spiegelt sich selbstverständlich auch in den Verhaltensregeln auf dem Gelände generell und im Meditationszentrum im Speziellen wider.

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Erste Regel – man darf keine Lebewesen umbringen … das gilt auch für Moskitos …

Und das mit dem Sex hätten die wirklich nicht explizit erwähnen müssen. Hier bewegen sich alle so langsam und aufmerksam (neudeutsch: achtsam), daß die praktische Ausübung sexueller Handlungen faktisch nicht möglich ist.

Aber dazu später mehr … zur Achtsamkeit natürlich, nicht zum Sex …

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Digitale Mönche

Jaja, dem Informationszeitalter können sich selbst die Mönche und Klöster, Bastionen der Enthaltsamkeit, Tradition und einfachen Lebensweise nicht entziehen, wie sollen sie auch sonst mit ihren digital geprägten Schäflein Kontakt aufnehmen.

Potentielle Meditations-Jünger, insbesondere westlicher Prägung, sind ja heute kaum noch in der Lage, ein traditionelles Telefon artgerecht zu bedienen. Und das man ein Smartphone auch zum Telefonieren benutzen kann, weiß diese Spezies nur vom Hörensagen der Eltern, erscheint das ach so moderne Gerät doch durch solch uncoole Funktionalität auf einmal viel weniger smart.

Facebook, Twitter, WhatsApp und Co. muß es schon sein, Internet und eMail sowieso. Und bevor sich die anstehenden Buddhismus-Lehrlinge den Hindus anschließen, die kommen ja schließlich mehrheitlich aus der HighTech-Hochburg Indien, werden Meditationszentren, Klöster und andere heilige Einrichtungen modern mit Breitband-WiFi und Internet-Terminals ausgestattet. Das W-LAN hier ist zwar nicht öffentlich zugänglich, zumindest nicht für Laien aber man hat ja so seine Tricks (wozu habe ich schließlich Wirtschaftsinformatik studiert), die Internet-Terminals jedoch können zu bestimmten Zeiten am Tag frei genutzt werden.

Dadurch kommt ihr schon heute und in den kommenden Tagen in den Genuss meiner meditativ aufpolierten geistigen Schaffenskunst.

Enjoy …

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Foto-Update

Hallo ihr Lieben,

ich war mal wieder fleißig und habe heute die Fotos der letzten paar Tage bis einschließlich heute hoch geladen, die Foto-Galerie ist demnach up-to-date.

Enjoy …

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die vielen guten und schönen Seiten …

… gibt es selbstverständlich auch in Nepal und zwar reichlich.

Es gibt wohl nur wenige Länder auf dieser Welt, die eine solche landschaftliche und größtenteils unverfälschte kulturelle Vielfalt auf engstem Raum vereinen, wie dieser Hindu-Staat zwischen den Achttausendern des Himalaya und der heißen Tiefebene des Teraj. Die höchsten Berge dieser Welt machen Nepal quasi zu einem naturgegebenen Weltwunder. Nepal bietet für jeden Besucher etwas, egal ob Bergsteiger, Kultur-Freak, Sportbegeisterter, oder einfach nur Urlauber. Einzig Strände gibt es hier keine … wer schwimmen will muss nach Malle statt nach Nepal.

Primär konzentriert sich der Tourismus in Nepal auf das Kathmandu Valley mit den drei ehemaligen Königsstädten Kathmandu, Patan und Bhaktapur. In Kathmandu kommen im Prinzip auch alle Reisenden zunächst an, sofern sie per Flugzeug einreisen. Jeder andere Nepal-Tourist wird früher oder später hier landen, egal, ob er über Land aus Tibet oder Indien einreist. Das Kathmandu Valley ist das unangefochtene Zentrum des Tourismus in Nepal, was nicht zuletzt an der Vielzahl von Sehenswürdigkeiten liegt. Das Tal ist etwa 25 Kilometer lang und 15 Kilometer breit. Die relativ geringe Ausdehnung ermöglicht eine Erkundung in mehreren Tagestouren ab einem festen Standort, meistens Kathmandu, da dieses die mit Abstand beste touristische Infrastruktur bietet, leider aber auch, wie erwähnt, die mit Abstand höchste Luftverschmutzung.

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Innerhalb unserer Tibet-Gruppe hatten wir bereits während der Reise über unsere Pläne nach Ankunft in Kathmandu gesprochen. Isabell, Antonia, Rene und ich hatten in etwa die gleichen Ideen und so machte ich den Vorschlag, doch einfach am Sonntag zusammen ein Taxi zu nehmen und Kathmandu und Umgebung gemeinsam zu erkunden. Gesagt, getan!

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an den Ghats in Pashupathinat

Nach anfänglichen Orientierungsproblemen in Bezug auf unseren Treffpunkt ging es dann am frühen Sonntagmorgen los. Auf dem Programm stand zunächst die Besichtigung von Pashupatinath. Der Tempelkomplex ist Nepals wichtigstes hinduistisches Heiligtum und der Zielort zahlloser Pilgerer und Sadhus mit orangefarbener Kleidung. Letztere sind oft furchterregend dreinschauende Asketen, die sich wie ihr Vorbild Shiva die langen Haare zu einem Berg auf dem Kopf auftürmen und zur Vertiefung ihrer Meditation Ganja und Haschisch rauchen, so wie Shiva einen Berg (!) Ganja geraucht haben soll. Der muß ja mächtig high gewesen sein! Für Rene jedoch war das völlig normal, der kennt Haschisch-rauchende orange gekleidete Menschen zur Genüge aus Holland …

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Tempelkomplex von Pashupathinat

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ich finde, die sehen aus wie Holländer …

Wie in allen Hindu-Tempeln in Nepal und Indien ist der Zutritt zum Allerheiligsten Nicht-Hindus nicht gestattet. Das umliegende Gelände bietet aber so viel Sehenswertes und so viel Atmosphäre, daß ein Besuch auch so unbedingt lohnt, manchmal sogar zu viel Atmosphäre.

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Zeremonien vor der Feuerbestattung

Leicht verstört hat uns nämlich der Besuch der Ghats (Ufer) am Bagmati-Fluß, an denen rund um die Uhr auf speziellen Plattformen auf einer Art Holz-Scheiterhaufen verstorbene Hindus nach ihrem Tode verbrannt werden – öffentlich versteht sich. Irgendwie ist die Stimmung gespenstisch und beklemmend, da sitzen wir gegenüber von den Feuerbestattungs-Ghats und schauen dem zeremoniellen Treiben der Hindus zu. Angehörige trauern und lassen ihrem Schmerz freien Lauf, während an der Bestattungszeremonie Beteiligten die Köpfe kahl rasiert werden, Freunde und Bekannte Blumen auf den Leichnam legen oder Wasser aus dem (heiligen) Fluß über den toten Körper träufeln. Überall stehen Zuschauer, Einheimische und Touristen, es wird fotografiert, gefilmt, geredet … touristische Führer erklären alles rund um die Zeremonie … es hat etwas Surreales. Es finden drei Feuerbestattungen gleichzeitig statt, zwei der leblosen Körper sind alt, bei einem scheint es sich um einen jüngeren Leichnam zu handeln. Bevor die Toten angezündet werden machen wir uns vom Acker, den süßlichen Geruch verbrennender Körper brauchen wir nun wirklich nicht.

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Die Stupa von Bodnath ist neben Swayambhunath das wichtigste buddhistische Heiligtum Nepals. Mit einem Durchmesser von 40 Metern ist sie zudem eines der größten buddhistischen Bauwerke der Welt. Wie bei vielen anderen Stupas, vor allem in Tibet, ist der Grundriß auch hier einem tibetanischen Mandala nachempfunden. Die Hintergründe und Daten ihrer Entstehung sind umstritten, möglicherweise stammt sie aber aus dem 7. Jahrhundert. Wie so oft in Nepal vermischen sich auch hier Fakten und Legenden zu einem unauflösbaren Mysterium. Verbürgt ist jedoch, daß an dem Gelände der Stupa schon vor Jahrhunderten ein Handelsweg nach Tibet vorbeiführte. Wahrscheinlich nutzten die Reisenden die Stupa zu einem letzten inbrünstigen Gebet, daß sie gegen die Gefahren der langen Reise absichern sollte. Sinn macht das auf jeden Fall, wenn man auf den Himalaya hoch will, ich hätte das Ding noch größer gebaut und gar kräftig gebetet.

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beeindruckende Stupa von Bodnath

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Von Bodnath ging es dann am frühen Nachmittag nach Bhaktapur, der ehemaligen Königsstadt. Interessant war die Fahrt mit dem Taxi dorthin. Offensichtlich hatten wir einen sehr heimatverbundenen Fahrer, es schien zumindest so, als sei er noch nicht allzu oft aus Kathmandu raus gekommen. Er hatte sichtlich Schwierigkeiten, den richtigen Weg fernab der Heimat in das 15 Kilometer entfernte Bhaktapur zu finden. Ich machte mir einen Spaß daraus und verfolgte seine Fahrt auf meinem iPad. Da ich mit Offline-Karten aller Länder, die ich bereise, ausgestattet war und es zudem überall auf der Welt ein GPS-Signal gibt, war ich quasi ein wandelndes, äh, in diesem Fall fahrendes Navi. Ich hätte dem guten Mann also genau sagen können, wo er hin muß. Letztlich hat aber meine gute Seele gewonnen und ich habe ihm die Blamage erspart. Für uns hat es so zwar länger gedauert, nach Bhaktapur zu kommen, schließlich mußte er sich mehrfach durchfragen, dafür hatten wir aber unerwarteten Spaß. Was will man mehr?

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tolle altertümliche Tempelanlage von Bhaktapur

Bhaktapur ist absolut Klasse, ein einmalig erhaltenes einziges Freilichtmuseum aus dem altertümlichen Nepal zur Zeit der ehemaligen Könige und vollgestopft mit Tempeln, Schreinen sowie anderen historischen Bauwerken und Sehenswürdigkeiten. Die Stadt ist im Vergleich zu Kathmandu zudem weniger zugebaut, auffallend geordneter, ruhiger und sauberer. Ich erwäge noch vor der Rückfahrt, einige Tage vor meiner Weiterreise in diesem schönen von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannten Städtchen zu verbringen, leider bleibt es bei der Erwägung.

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Wir vier essen noch was zusammen in einem nepalesischen „Momo-Restaurant“, trinken gegen Abend noch einen Kaffee gemeinsam und dann heißt es nach der Rückfahrt nach Kathmandu, Abschied zu nehmen. Es fällt immer wieder schwer, Menschen „goodbye“ zu sagen, an die man sich gerade gewöhnt hat, mit denen man Spaß zusammen hatte, mit denen man sich gut verstand und mit denen man deshalb gerne noch ein wenig mehr Zeit verbracht hätte. Sei’s drum ihr Lieben, ihr bleibt in meiner Erinnerung und sei es in zig Jahren nur noch über diesen Blog. Ich hoffe, ihr seid gut nach Hause gekommen, Isabell und Antonia, und Du Rene hattest noch viel Spaß beim Trekking in den Bergen. Alle lieben und guten Wünsche noch mal an euch an dieser Stelle. Ich weiß doch, ihr lest meinen Blog … 😉

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Die restlichen Tage in Nepal vor dem Beginn meines Retreats habe ich sehr entspannt verbracht. Neben Shopping habe ich mir noch die eine oder andere Sehenswürdigkeit ganz in Ruhe angeschaut: Patan und Kathmandu, die beiden anderen Königsstädte mit ihren historischen Altstädten und Tempelkomplexen sowie Swayambunath mit seiner Stupa, die auf einem legendenumwobenen Hügel etwas außerhalb der Stadt liegt und fast ein Wahrzeichen Kathmandus ist. Der Hügel ist einer der heiligsten Orte des Kathmandu Valley und wird von einer weniger heiligen Horde Affen bevölkert, die ihm den Beinamen „Monkey Temple“ eingebracht haben. Man passe hier extrem genau auf sein Hab und Gut auf, die Primaten klauen alles, was halbwegs nach etwas Essbarem aussieht … dazu zählen auch Damentaschen, Handys, Sonnenbrillen, etc. …

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nicht minder tolle Stupa von Swayambunath

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schon morgens ziehen die Abgase über Kathmandu …

So ganz kann ich derzeit nicht sagen, was ich von den Tagen hier in Nepal halten soll, zu diffus haben sich die unterschiedlichen Facetten dargestellt. Nepal hatte es aber auch sehr schwer. Nach den enormen Eindrücken und Erlebnissen in Tibet konnte es eigentlich nur abfallen. Irgendwie fällt man nach (anstrengenden) Tagen permanenten Staunens, wie in Tibet, in ein kleines Loch, das erscheint mir völlig normal, zumal es in Nepal auch grundsätzlich gemächlicher zugehen sollte. Aber wer weiß, was das Land buddhistisch-spirituell für mich noch in den kommenden Tagen zu bieten hat …

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Durbar Square in Kathmandu

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Eins steht aber außer Frage, die Menschen hier sind überaus aufgeschlossen, freundlich, nett und hilfsbereit. Obwohl Nepal ein sehr armes Land ist und folglich auch die Bürger dieses Landes sehr wenig haben, erscheinen mir die Menschen genügsam und zufrieden. Missgunst oder Neid konnte ich nicht erkennen, auch nicht gegenüber westlichen Reisenden. Von Kriminellen, Bettlern, Dieben, Betrügern und anderem dubiosen Gesindel keine Spur, obwohl es das ganz sicher in bestimmten Ecken auch hier gibt.

Namaste …

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Ordnung ohne Regeln oder auch „gefühlte“ Anarchie

Kathmandu – und damit meine ich jetzt mal das gesamte Kathmandu Valley – ist katastrophal! Katastrophal schlecht für die Gesundheit, in einem katastrophalen Strassenzustand und katastrophal laut, voll und dreckig. Also ehrlich, das muß man so deutlich sagen, auch weil ich, seitdem ich hier angekommen bin, mit Reizhusten der besonders hartnäckigen Art zu kämpfen habe. Von nichts kommt nichts! Habe ich am Samstagabend nach Ankunft noch gedacht, es wäre nebelig hier, mußte ich mich im Hellen eines Besseren belehren lassen … über dem ganzen Tal hängt eine dicke Dunstglocke aus Abgasen, Staub und sonstigen gesundheitsschädlichen Substanzen. Wohnt man (so wie ich) in einem Hostel in der Innenstadt, lebt man im Zentrum, dem Produktionsbetrieb dieser Nebelmaschine. Ehrlich, die Lebenserwartung eines Rikscha-Fahrers, der den ganzen lieben Tag diesem Gift ausgesetzt ist, kann nicht allzu groß sein.

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Rikscha-Fahrer mit niedriger Lebenserwartung!?

Es wimmelt von Taxis, Bussen, LKWs, Motor-Rikschas und Motorrädern, die Stadt wandelt tagsüber am Rande eines Verkehrskollaps … die Verhältnisse hier sind selbst für Südostasien außergewöhnlich und das soll schon was heißen, wenn man bereits Bangkok, Manila, Hongkong und Peking erlebt hat. Apropos Peking, dachte ich, in China herrschen anarchieähnliche Zustände, so ist diese Einschätzung korrekt, denn hier herrscht echte Anarchie – zumindest vordergründig.

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durch die engen Gassen der Altstadt …

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… kommt man definitiv mit dem Motorrad besser voran …

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… als mit dem Auto!

Es gibt keine Ampeln, keine Verkehrsschilder und fast keine Straßenmarkierungen. Und das trotz des immensen Verkehrsaufkommens in dieser 1,5-Millionen-Einwohner-Region. Darüber hinaus gibt es auf der Straße auch keine Spuraufteilung, jeder fährt da wo Platz ist, links, rechts, auf dem Bürgersteig … Aber es funktioniert … meistens. So erstaunlich das ist, mittlerweile kann ich sogar bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen, warum das funktioniert, aber dazu später mehr.

Das ganze System basiert wohl auf einer besonderen Form der Solidarität. Jeder Verkehrsteilnehmer wird beachtet und es wird auf eine angepasste Fahrgeschwindigkeit (selten über 40 km/h) geachtet. Da es so gut wie keine Verkehrsregeln gibt, kann auch niemand auf irgendein bestimmtes Recht bestehen und man muss gegenseitig achtgeben. Also, Verkehrsrichter und –anwälte dürften in diesem Land ziemlich unausgelastet sein.

Wenn in Deutschland ein Auto beim Überholen auf die Gegenfahrbahn fährt und andere Teilnehmer gefährdet, dann ist das ein Vergehen. Bei einem Unfall gibt es damit einen eindeutig Schuldigen. Hier in Nepal gehört der gleiche Fall, OHNE Unfall, zum alltäglichen Verkehr. Jeder Verkehrsteilnehmer muss damit rechnen, dass jemand etwas Unberechenbares tut und das tun fast alle. Dementsprechend wird nicht zu schnell gefahren und wenn dann mal jemand den Fahrweg versperrt, dann wird sich nicht groß aufgeregt, sondern kräftig und nachhaltig gehupt und außen herum gefahren. In Kathmandu gibt es zudem keine Vorfahrtsregelung, mit Ausnahme von ein paar wenigen, wirklich großen Kreuzungen, auf denen Polizisten den Verkehr regeln. Das ganze System würde ich wirklich mal gerne in Deutschland erleben … große Güte, völlige Überforderung.

Was passiert, wenn jedoch eine gewisse Grenze überschritten wird und einfach zu viele Fahrzeuge unterwegs sind, kann man sich ausmalen, nämlich gar nichts. Stillstand!

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Kühe sind heilig und haben sowieso immer Vorfahrt …

Dann gibt es da noch die Verkehrssituation aus Sicht der Fußgänger. Zunächst gibt es keine, absolut keine speziell für Fußgänger vorgesehene Stelle, um eine Straße zu überqueren. Man sieht zwar ab und an die Reste eines Zebrastreifens, dies ist jedoch reine Makulatur, es interessiert niemanden, selbst wenn mehr als die Reste vorhanden wäre. Fußgänger überqueren überall und jederzeit die Straße, ob mit oder ohne Zebrastreifen, ob eine oder vier Spuren und unabhängig vom Verkehrsaufkommen. Würde man, wie in Deutschland gelernt, warten bis kein Auto kommt, könnte man sich das Geld für die Übernachtung sparen, da man dort nie ankäme. Also, jeder Fußgänger lernt schnell, daß man einfach über die Straße geht. Natürlich schmeißt man sich nicht vor jeden rasenden LKW aber wenn ein paar Meter Abstand zum kommenden Auto vorhanden sind, nimmt man seinen ganzen Mut zusammen und geht einfach los. Entweder das kommende Auto bremst ab, dann geht man weiter auf die nächste Spur, oder es fährt um Dich rum. In dem Fall bleibt man einfach stehen und wartet auf die nächste Lücke. Bei dichtem Verkehr und fehlenden Lücken streckt man die Hand den fahrenden Autos entgegen, um auf diese Weise zu signalisieren „Achtung, ich gehe jetzt über die Straße“ und, siehe da, das funktioniert meisten auch. Falls nicht … hmmm …

Daher halte ich immer Ausschau nach anderen Nepalesen, die auch die Straße überqueren, sodass ich ihnen einfach hinterherlaufen kann.

Bewundernswert am nepalesischen Verkehr ist es letztlich, mit wie wenig Regeln er auskommt und mit welcher Selbstverständlichkeit jeder Verkehrsteilnehmer auf den anderen Rücksicht nimmt. Allein schon aus diesem Grund ist es in „Good old Germany“ zwingend notwendig, Verkehrsregeln zu haben … sonst gäbe es bei uns Anarchie …

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folgenschwere Fehler

Ich hatte im ersten Beitrag über Nepal in Bezug auf die Naturkatastrophen auf eine detailliertere Erörterung hingewiesen … diese folgt hiermit.

Nepal hat wohl eines der schlimmsten Bergunglücke in seiner Geschichte erlebt. Hunderte Menschen wurden aus der von einem Zyklon getroffenen Annapurna-Region gerettet, soweit das Positive. Das Drama ist auch während meiner Zeit in Nepal und vor allem in Kathmandu allgegenwärtig, konzentriert sich doch die Versorgung der Geretteten und Verletzten, wie auch die Bergung, Untersuchung und der Rücktransport der Toten nahezu ausschließlich auf die Hauptstadt des Königreiches, die damit überfordert ist. Die Kritik an den Behörden ist allseits groß, insbesondere der Vorwurf der zu langsam angelaufenen Suche, die voraussichtlich Leben gekostet hat.

Die meisten Höhencamps am Annapurna haben Berichten zufolge ein Satellitentelefon, es hat demnach grundsätzlich die Möglichkeit bestanden, nach dem Wetterbericht zu fragen und die Besucher zu informieren. Das hat aber niemand gemacht. Die Hüttenwirte hingegen haben weder ein Frühwarnsystem noch Infos über das Wetter – ein unmögliches Sicherheitsrisiko, gerade im Hochgebirge, wo sich die Wettersituation schlagartig und extrem ändern kann. Es ist geradezu verwunderlich, daß ein Unglück dieser Größenordnung nicht bereits früher passiert ist.

Man munkelt, die Wanderführer hätten von den Touristen Geld eingesammelt, um Spuren zu legen. Sie wollten offensichtlich mit der Extremsituation Geld verdienen und hatten wohl nicht begriffen, daß oben auf dem Annapurna-Circuit-Trek viele Menschen um ihr Leben kämpften und sie schnellstens helfen müssten. So unglaublich dies klingt, ist das Verhalten fast nachvollziehbar, da viele der Trekking-Führer von dem Geld, das die Touristen an die Reise-Agenturen zahlen, kaum etwas sehen. Zudem sind die Führer schlecht bis gar nicht ausgebildet und gehen beispielsweise mit Stoffschuhen und ohne Handschuhe los.

Das Entwicklungsland Nepal hat zudem keine Bergrettung und weder quantitativ noch qualitativ ausreichende Möglichkeiten einer angemessenen Reaktion, wie beispielsweise in den Touristenregionen der europäischen Alpen. Es gab in Muktinath angeblich nur einen Armee- und einen privaten Helikopter. Natürlich verfügt Nepal als Entwicklungsland nicht über die Möglichkeiten wie etwa die Schweiz oder Österreich aber im nahe gelegenen Jomosom gibt es zumindest eine Militärbasis und in Pokhara mehrere Privathubschrauber für Heli-Touren, durch deren Einsatz mehr Menschen hätten gerettet werden können.

Nach dem Schneesturm im Annapurna-Gebiet lief die Suche nach den Trekking-Touristen und Einheimischen daher nur langsam an. Am Ende war die Rettungsaktion zwar die größte, die Nepal je bewältigen musste – hunderte Soldaten, Polizisten und lokale Helfer waren im Einsatz. Nach aktuellem Stand wurden 518 Menschen, darunter 310 ausländische Wanderer, gerettet – aber mindestens 43 Menschen starben, darunter 22 Nepali.

Die Kritik an den Behörden ist groß: es wäre definitiv möglich gewesen, mehr Menschen zu retten, wenn schneller reagiert worden wäre. Auch lokale Beamte meinen, es sei zu spät und nicht umfassend reagiert worden. Einer der Zuständigen in der Unglücksregion, der verständlicherweise anonym bleiben will, sagte, die Regierung in Kathmandu habe ewig gebraucht, ehe sie sich zu einer Entscheidung habe durchringen können. Er hätte sofort die Zentrale angerufen, aber die hätten einfach keine Helikopter geschickt.

Dann kam der einzige Helikopter anscheinend plötzlich nicht mehr. Einige der Verunglückten hätten zwei Stunden in der Kälte warten müssen, während die Piloten Mittagspause gemacht haben. Als sie dann endlich abgeholt wurden, seien zuerst die Leichen eingeladen worden, die kurz zuvor gefunden wurden, dann die Überlebenden. Als der Hubschrauber voll war, ließen die Piloten erneut einen Mann am Berg zurück. Kaum war der Heli im Tal, schlug das Wetter um – wie so oft am Nachmittag. Erst kurz vor Sonnenuntergang konnte der letzte Mann Berichten zufolge vom Pass geholt werden. Noch Fragen?

Als Konsequenz versprach das Innenministerium nach einer Krisensitzung in dieser Woche, in Zukunft Wetterdaten zur Verfügung zu stellen und besser zu informieren. Künftig solle auch kein Trekking mehr ohne Träger oder Führer erlaubt sein und alle Wanderer sollen sich an Kontrollpunkten beim Betreten und Verlassen der Trekking-Routen registrieren. Auch sollen laut der Tourismusbehörde auf der Annapurna-Circuit-Tour Schutzhütten errichtet werden, um Zuflucht bei Wettereinbrüchen zu bieten. Es ist wohl wie immer und überall, zuerst muß etwas Drastisches passieren, bevor angemessen gehandelt wird.

Doch die berechtigten Zweifel bleiben, ob die Bürokratie zeitnah reagiert. Das Problem ist nämlich, daß die Beamten nicht verstehen (wollen), wie es vor Ort aussieht. Der Grund dafür ist das hinduistische Kastensystem: die meisten Beamten und Politiker gehören zu der höchsten Kaste der Brahmanen, während die Träger und Führer der Touren zu den Stammesvölkern gehören. Es sind also nicht ihre Familienmitglieder, die in den Bergen sterben – unglaublich aber wahr…

Offensichtlich ist es in unserer so globalisierten Welt nicht einmal auf überregionaler Ebene machbar, eine konzertierte Aktion einzuleiten, obwohl das Verhältnis dieser Länder zu Nepal doch „ach so gut ist“. Wo waren die Chinesen und Inder, die über weitaus mehr und bessere Möglichkeiten verfügen, als das kleine Nepal und innerhalb kürzester Zeit am Unglücksort hätten helfen können? In Tibet gibt es eine Vielzahl von chinesischen Militärbasen mit zahlreichen Helikoptern, die innerhalb von einer halben Flugstunde am Annapurna hätten sein können. Eine Atomrakete ergibt leider noch keinen souverän handelnden Staat.

Ich finde, die Chinesen sollten die „Freundschaftsbrücke“ nach Nepal abreißen, sich aus Tibet schleunigst vom Acker machen und sich von mir aus weiter mit Taiwan und Hongkong rumärgern, da haben sie genug zu tun … und die Tibeter ein vielleicht weniger komfortables aber dafür freies und unabhängiges Leben.

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Ergänzung

Jaja, schon gut, natürlich bekommt ihr bis zum Beginn des Retreats noch Details zu meinen Erlebnissen in Nepal generell und im Kathmandu-Valley im Speziellen geliefert. Ich kann euch doch nicht 10 Tage ohne „Futter“ zurück lassen. Also, ich gebe mein Bestes!

Enjoy …

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Rückzug

Buddha wurde in Lumbini geboren, das liegt tief im Süden Nepals kurz vor der indischen Grenze. Dorthin geht meine Reise am Freitagmorgen. Für einen Zeitraum von voraussichtlich 10 Tagen werde ich mich in Lumbini in ein Meditationszentrum zurückziehen und an einem Meditations-Retreat teilnehmen. Retreat bedeutet nämlich übersetzt „Rückzug“. Im internationalen Vipassana Meditationszentrum (bei Interesse: http://www.panditarama-lumbini.info) wird buddhistische Meditation in der Form des Vipassana aus der Theravada-Tradition gelehrt. Im Theravada-Ansatz des Buddhismus habe ich mich von Anfang an wiederfinden können, weshalb ich diese Tradition auch für meinen Retreat ausgewählt habe.

„Meditation bedeutet, bei allem, was man tut, völlig aufmerksam zu sein – beispielsweise darauf zu achten, wie man mit jemandem spricht, wie man geht, wie man denkt, was man denkt.“ (Quelle: Krishnamurti)

Bei der Meditation geht es primär darum, den Geist unter Kontrolle zu bringen. Das ist wichtig, weil wir alle viel zu oft in gewohnten Mustern und Routinen agieren, ohne uns dessen bewusst zu sein und dadurch viel unnötiges Leid (für uns selber und andere) herbeiführen.

Beispiel: Man hat eine negative Erfahrung mit einer Person gemacht. Jedes Mal, wenn man dieser Person nun begegnet oder sie einem aus irgendeinem Grund in deinen Geist kommt, entsteht ein schlechtes Gefühl im Körper. Wenn man sich in diesen Situationen bewusst werden kann, was da gerade abgeht, dann kann man dieses selbstgemachte Leiden eliminieren.

Weiteres Beispiel: Es gibt Menschen, die essen, nicht weil sie Hunger haben, sondern weil sie emotionalen Schmerz (= Stress) verdrängen wollen. Sie verbinden essen automatisch mit guten Gefühlen und schon rennen sie automatisch zum Kühlschrank oder zum nächsten McDonalds. Wenn man jedoch in diesen Momenten wachsam ist, sich seines Geistes und seinen Gedanken bewusst wird, das Muster erkennt, dann kann man den emotionalen Schmerz auf geistiger Ebene loslassen und verhindern, einen weiteren Big Mäc in sich rein zu stopfen. Dieser löst das Problem nämlich wieder einmal nur kurzzeitig.

Das alles ist Symptombewältigung, nicht Ursachenbekämpfung … Meditation packt dagegen bei der Ursache an, dem Geist, unserem Denken!

Noch ein Beispiel: Wir putzen uns oft selber unterbewusst herunter, getreu dem Motto: “Das hab ich falsch gemacht”, “Dieses oder jenes hätte ich noch machen müssen und hab’s wieder nicht geschafft” und “Dieses oder jenes habe ich wieder vermasselt”. Diese Gedankengänge entziehen kontinuierlich Energie und sorgen für schlechte Laune. Gelegentlich folgen wir tagelang einem solchen Muster, ohne uns dessen überhaupt bewusst zu werden.

Sich mit dem eigenen Geist zu beschäftigen, die eigenen Routinen und Muster zu erkennen und sich seinem Gedankenfluss bewusst zu werden, ist also eine sehr lohnende Sache, wenn nicht DIE lohnendste Sache überhaupt.

Die Crux dabei ist natürlich, dass es nicht ganz einfach ist, den eigenen Geist unter Kontrolle zu bekommen. Wir haben uns leider daran gewöhnt, mehr Sklave als Herrscher unseres Geistes zu sein. Das wird schon alleine daran deutlich, daß wir es nicht einmal schaffen, uns 5 Minuten hinzusetzen und zu versuchen, unserem Geist zu befehlen, an nichts zu denken. Probiert es mal aus!

Der Geist ist unberechenbar und driftet in unendliche Weiten ab, wenn man gerade mal eine Millisekunde nicht aufpasst. Kaum glaubt man, ihn unter Kontrolle zu haben, schon ist er wieder auf und davon in bizarre Traumwelten und obskure Vorstellungen. Genau in dem Moment, in dem man denkt: „Jetzt hab ich’s, jetzt kann ich mich mal kurz eine Sekunde ausruhen“, findet man sich ein paar Augenblicke später in irgendwelchen komischen Filmen wieder … das Kopfkino startet … und man darf wieder von vorne anfangen.

Genau darum geht es also in diesen 10 Tagen. Es geht darum, den Geist an die Leine zu legen, ihn zu dressieren und unter Kontrolle zu bringen, anstatt von ihm an der Nase herumgeführt zu werden.

Ob ich das hinbekommen habe, erzähle ich euch dann frühestens am 11. Tag, bis dahin herrscht auch hier Funkstille …

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Naturkatastrophen

Die Unwägbarkeiten der Natur, denen man in eklatanter Form besonders am Himalaya ausgeliefert ist, haben wir in den letzten Wochen mehrfach mit Grausen zur Kenntnis nehmen und akzeptieren müssen. Zunächst starben am Himalaya zwei Bergsteiger, denen ein nicht vorhergesagter (dazu in einem späteren Beitrag mehr) Wetterumschwung zum Verhängnis wurde, dann gab es in Nordindien einen Zyklon, dessen Regenwolken sich am Himalaya in Form von massivem Schneefall entluden, was zu einer menschlichen Tragödie und menschlichem Versagen mit dutzenden Toten am Annapurna führte (auch hierzu in einem späteren Beitrag mehr).

Und wäre dies nicht genug, hatten wir bereits in Lhasa von einem Erdrutsch infolge des Monsunregens auf der Strasse zwischen der tibetisch-nepalesischen Grenze und Kathmandu erfahren, die unsere Reiseroute aufgrund der andauernden Arbeiten zunächst infrage stellte und von deren Auswirkungen wir uns leibhaftig überzeugen konnten … ein ganzes Dorf mit gut 120 Häusern war eines Nachts Anfang August in Sekunden ausgelöscht worden (bei Interesse siehe hier: http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/tote-und-vermisste-bei-erdrutsch-in-nepal-flutwelle-droht-a-984368.html). Die Erdmassen stauten das Wasser des Sun Kosi Flusses, es drohte tagelang Unsicherheit in Bezug auf eine bevorstehende Flutwelle und etwaigen Evakuierungen – bis nach Indien.

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der Sun Kosi ist eigentlich ganz friedlich

Der Sun Kosi stellte sich uns ganz friedlich dar und auch ansonsten wies rein gar nichts auf diese Tragödie und die folgende Panik hin, als wir Richtung Kathmandu fuhren … bis wir zur Erdrutsch-Stelle kamen. Ein ganzer Hang war weg, die Strasse, die wir befuhren ebenso. Wir mussten über den abgerutschten Hang, also einer Sand- und Geröllpiste, so breit wie 1,5 Autos, ohne Seitensicherung etwa 2 Kilometer in Serpentinen bis zum unversehrten Strassenanschluss überwinden. Nochmal zur Erinnerung … wir waren mit einem überladenen uralten Bus ohne Allrad unterwegs und fuhren quasi über die verschütteten Häuser – gruselig! Die Kiste schwimmte auf dem Sand, der Fahrer war laufend am gegenlenken. Insbesondere die Mädels an Bord bekamen Panik … links der Abgrund (ich saß zum Glück rechts), rechts der abgerutschte, unbefestigte obere Berghang (also auch nicht besser), entgegen kommende (!) Autos und überholende (!!!) Motorräder. Wir Männer hatten bedingt Spaß, „Yeah, endlich Action!“, dachte ich, Vitalij neben mir auch, unsere Kameras liefen auf Hochtouren. Naja, ein wenig mulmig war mir schon, das muß ich ja zugeben aber das konnten wir den Mädels ja nicht zeigen, sonst wären die ganz ausgerastet. Also, Augen zu und durch, es half ja nichts. Die Mädels klatschten in ihre schweißnassen Hände, als wir wieder löchrigen Asphalt unter den Rädern hatten und kurz darauf Mittagspause angesagt war … einige mussten zur Toilette.

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der Busfahrer weiß, was er tut … hofften wir

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auf den Serpentinen ganz sachte um die Kurve …

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wo vor drei Monaten noch ein Dorf stand, liegt jetzt nur noch Geröll … da haben auch die Gebetsfahnen nicht geholfen

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