Buddha wurde in Lumbini geboren, das liegt tief im Süden Nepals kurz vor der indischen Grenze. Dorthin geht meine Reise am Freitagmorgen. Für einen Zeitraum von voraussichtlich 10 Tagen werde ich mich in Lumbini in ein Meditationszentrum zurückziehen und an einem Meditations-Retreat teilnehmen. Retreat bedeutet nämlich übersetzt „Rückzug“. Im internationalen Vipassana Meditationszentrum (bei Interesse: http://www.panditarama-lumbini.info) wird buddhistische Meditation in der Form des Vipassana aus der Theravada-Tradition gelehrt. Im Theravada-Ansatz des Buddhismus habe ich mich von Anfang an wiederfinden können, weshalb ich diese Tradition auch für meinen Retreat ausgewählt habe.
„Meditation bedeutet, bei allem, was man tut, völlig aufmerksam zu sein – beispielsweise darauf zu achten, wie man mit jemandem spricht, wie man geht, wie man denkt, was man denkt.“ (Quelle: Krishnamurti)
Bei der Meditation geht es primär darum, den Geist unter Kontrolle zu bringen. Das ist wichtig, weil wir alle viel zu oft in gewohnten Mustern und Routinen agieren, ohne uns dessen bewusst zu sein und dadurch viel unnötiges Leid (für uns selber und andere) herbeiführen.
Beispiel: Man hat eine negative Erfahrung mit einer Person gemacht. Jedes Mal, wenn man dieser Person nun begegnet oder sie einem aus irgendeinem Grund in deinen Geist kommt, entsteht ein schlechtes Gefühl im Körper. Wenn man sich in diesen Situationen bewusst werden kann, was da gerade abgeht, dann kann man dieses selbstgemachte Leiden eliminieren.
Weiteres Beispiel: Es gibt Menschen, die essen, nicht weil sie Hunger haben, sondern weil sie emotionalen Schmerz (= Stress) verdrängen wollen. Sie verbinden essen automatisch mit guten Gefühlen und schon rennen sie automatisch zum Kühlschrank oder zum nächsten McDonalds. Wenn man jedoch in diesen Momenten wachsam ist, sich seines Geistes und seinen Gedanken bewusst wird, das Muster erkennt, dann kann man den emotionalen Schmerz auf geistiger Ebene loslassen und verhindern, einen weiteren Big Mäc in sich rein zu stopfen. Dieser löst das Problem nämlich wieder einmal nur kurzzeitig.
Das alles ist Symptombewältigung, nicht Ursachenbekämpfung … Meditation packt dagegen bei der Ursache an, dem Geist, unserem Denken!
Noch ein Beispiel: Wir putzen uns oft selber unterbewusst herunter, getreu dem Motto: “Das hab ich falsch gemacht”, “Dieses oder jenes hätte ich noch machen müssen und hab’s wieder nicht geschafft” und “Dieses oder jenes habe ich wieder vermasselt”. Diese Gedankengänge entziehen kontinuierlich Energie und sorgen für schlechte Laune. Gelegentlich folgen wir tagelang einem solchen Muster, ohne uns dessen überhaupt bewusst zu werden.
Sich mit dem eigenen Geist zu beschäftigen, die eigenen Routinen und Muster zu erkennen und sich seinem Gedankenfluss bewusst zu werden, ist also eine sehr lohnende Sache, wenn nicht DIE lohnendste Sache überhaupt.
Die Crux dabei ist natürlich, dass es nicht ganz einfach ist, den eigenen Geist unter Kontrolle zu bekommen. Wir haben uns leider daran gewöhnt, mehr Sklave als Herrscher unseres Geistes zu sein. Das wird schon alleine daran deutlich, daß wir es nicht einmal schaffen, uns 5 Minuten hinzusetzen und zu versuchen, unserem Geist zu befehlen, an nichts zu denken. Probiert es mal aus!
Der Geist ist unberechenbar und driftet in unendliche Weiten ab, wenn man gerade mal eine Millisekunde nicht aufpasst. Kaum glaubt man, ihn unter Kontrolle zu haben, schon ist er wieder auf und davon in bizarre Traumwelten und obskure Vorstellungen. Genau in dem Moment, in dem man denkt: „Jetzt hab ich’s, jetzt kann ich mich mal kurz eine Sekunde ausruhen“, findet man sich ein paar Augenblicke später in irgendwelchen komischen Filmen wieder … das Kopfkino startet … und man darf wieder von vorne anfangen.
Genau darum geht es also in diesen 10 Tagen. Es geht darum, den Geist an die Leine zu legen, ihn zu dressieren und unter Kontrolle zu bringen, anstatt von ihm an der Nase herumgeführt zu werden.
Ob ich das hinbekommen habe, erzähle ich euch dann frühestens am 11. Tag, bis dahin herrscht auch hier Funkstille …