180-Grad-Wende

Der Kontrast zwischen dem tibetischen Hochland und dem nepalesischen Tiefland, das auf unserer 4,5-stündigen Fahrt nach Kathmandu, der Hauptstadt Nepals, vorbeigleitet, konnte kaum größer sein: oben eisige, schneebedeckte Berge, gedämpfte Pastellfarben, dünne, kalte Höhenluft, einsame Ebenen und zottelige Yaks, unten grüne Reisfelder, vom Schlamm glänzende Wasserbüffel, subtropische Blumen und bunte Schmetterlinge. In meine entwöhnten Lungenflügel strömt endlich wieder satte, sauerstoffreiche Luft. Nach zwei Nächten bei zweistelligen Minusgraden ohne Heizung im Daunen-Schlafsack, war das warme, subtropische, feuchte Klima eine entspannende Wohltat für Körper und Geist.

DSC01698

oben … vor der Wetterscheide … Tibet

Es war, wie wenn ein Schalter umgelegt würde … innerhalb von wenigen Minuten änderte sich die Landschaft in der oben beschriebenen Form, wir überwanden die Wetterscheide, die Südseite des Himalaya ist den tropischen und subtropischen Regenwolken zugewandt und wir kommen unter die Vegetationsgrenze, die Grundlage üppiger Flora.

DSC01701

unten … nach der Wetterscheide … Nepal

Aber nicht nur Flora und Fauna änderten sich dramatisch, nein, auch der Kulturkreis (vom Buddhismus zum Hinduismus) und das gesamte Spektrum menschlichen Zusammenlebens, angefangen vom Miteinander der einheimischen Bevölkerung bis hin zum touristischen Drumherum – eine 180-Grad-Wende, die mich nach Ankunft in Kathmandu zunächst verwirrte und irritierte … aber das ist eine andere Geschichte, die ich in einem nächsten Beitrag erzähle …

Veröffentlicht unter Nepal, Reisebeitrag | Schreib einen Kommentar

Durch den Himalaya

Am Samstagmorgen war es dann leider soweit, wir mußten Tibet und demnach auch China „goodbye“ sagen. Den meisten von uns fiel Ersteres wesentlich schwerer als Letzteres. Dennoch möchte ich auch „Danke!“ an China sagen, es waren insgesamt tolle Tage in einem fantastischen Land mit dem Höhepunkt Tibet und dort nicht nur landschaftlich und kulturell, sondern auch menschlich.

DSC01683

zottelige Yaks …

DSC01682

… soweit das Auge reicht

Noch standen uns jedoch am Samstag rund 180 Kilometer bis zur nepalesischen Grenze bevor. Es ging früh morgens um 6 Uhr los, da wir neben der zuvor genannten Strecke ebenfalls noch die Weiterfahrt auf nepalesischer Seite bis nach Kathmandu (150 Kilometer) sowie den Grenzübertritt vor der Brust hatten … ein tagesfüllendes Programm!

IMG_2154

über die „Freundschaftsbrücke“ nach Nepal ging’s mit Sack und Pack zu Fuss

Der Strassenabschnitt von Tingri zum Lalung-la-Pass zählt zu den spektakulärsten Abschnitten der Route: die Fahrt ging quer durch den Himalaya … gigantisch hohe Berge, weite Ebenen und silbern glitzernde Wasserläufe. Auf dem Kilometerstein kurz hinter Tingri wird die Entfernung nach Peking mit 5.202 Kilometern angegeben. Je näher wir dem Lalung-la-Pass kamen, desto verschneiter wurde die Landschaft. Schließlich, auf 5.124 Meter Passhöhe … Schnee, wohin das Auge blickt. Vom letzten Pass der Strecke, dem 5.120 Meter hohen Tong-la-Pass, windet sich der Friendship-Highway nur noch abwärts, abwärts, abwärts. Es geht weit hinunter zum 2.300 Meter hoch gelegenen Grenzort Zhangmu, an dessen Ende im chinesischen Zollgebäude die Ausreiseformalitäten stattfanden. Das Niemandsland zwischen dem „Chinese Customs“ und der nepalesischen „Immigration“ besteht aus einem 8 Kilometer langen, extrem steilen Strassenabschnitt. Nachdem wir wohlbehalten unten angekommen waren, war der Weg frei, um nach einer letzten Passkontrolle durch ein grünuniformiertes Kontrollorgan der Volksrepublik China über die sogenannte „Freundschaftsbrücke“ in den nepalesischen Grenzort Kodari hinüberzulaufen.

M1720003

auf dem extrem steilen Strassenabschnitt im Niemandsland …

M1720007

… mussten die Bremsen mehrfach mit dem Mülleimer und Wasser aus dem Bach gekühlt werden

Schweren Herzens verabschiedeten wir uns von unserem Guide Sonam, der uns sein Land durch seine ruhige, gefühlvolle und kompetente Art auf eine wunderbare Weise nahe gebracht hat und von unserem Fahrer, der uns in tollkühner Manier durch das abenteuerliche Tibet manövriert hat. Danke!

Veröffentlicht unter China, Reisebeitrag | Schreib einen Kommentar

Qomolangma – Göttin, Mutter der Erde

Das ist der Name der Tibeter für den Mt. Everest, für sie hat der Berg spirituellen Charakter.

DSC01630

Qomolangma – Göttin, Mutter der Erde

Mir ging es bescheiden an diesem bitterkalten und noch dunklen Freitagmorgen. Das einzig Gute: die Nacht war kurz und so brauchte ich mich nicht noch länger mit massiven Kopfschmerzen im eiskalten Bett herumwälzen. Wir sind auf 5.150 Metern, die Höhe macht nun auch mir zu schaffen. Vitalij aus Lettland, mit dem ich seit Beginn unserer Reise ein Doppelzimmer teile, hat mich zudem angesteckt, ich habe Halsschmerzen und fühle mich körperlich schlapp. Er hat schon seit einer Woche eine hartnäckige Erkältung. Obwohl die Ibuprofen 600 Tabletten nur 1 Meter Luftlinie entfernt in meinem Rucksack verstaut sind, kann ich mich nicht durchringen, aus meinem halbwegs warmen Daunen-Schlafsack zu kriechen.

DSC01644

Entschädigung für die Strapazen

Insgesamt waren das keine guten Voraussetzungen für die 3-stündige Trekking-Tour zum Everest Base Camp aber die Aussicht darauf, mich dem höchsten Berg der Erde bis an seinen Fuß zu nähern und dort den Sonnenaufgang zu erleben, spornte mich an. Ich hatte angezogen geschlafen, meine Kleidung, die ich tragen wollte, war demnach vorgewärmt. Ich zog Fleece- und Softshell-Jacke drüber, warf zwei Ibu 600 ein, band mein Buff zur Mütze, Kapuze der Jacke drüber, festschnüren und raus ging es in die -15 Grad kalte Himalaya-Nacht … Everest, wir kommen …

DSC01652

der Traum eines jeden Bergsteigers … da oben wollen alle hin

Es war ein unbeschreibliches Gefühl, eine Gänsehaut jagte die andere, Adrenalin und Glückshormone verfehlten ihre Wirkung nicht. Da standen wir, den Mt. Everest in Sichtweite, ohne Zoom oder Fernglas. Die Dämmerung war bereits weit fortgeschritten, der Sonnenaufgang stand bevor. Punktlandung!

DSC01673

geschafft … am Mt. Qomolangma Base Camp

Er sieht so unscheinbar aus, so brav und dabei ist er doch so gefährlich. Hunderten von Menschen hat er das Leben gekostet, ab 8.000 Metern beginnt die Todeszone, sie war es für unzählige Bergsteiger. „Was treibt solche Menschen an, diesen Berg bezwingen zu wollen?“, habe ich mich immer gefragt. Jetzt weiß ich es! Es ist magisch, eine Anziehungskraft. Du stehst davor und willst immer näher, immer höher, das Maximum erreichen. Bei mir meldet sich dann der Verstand … und meine Kopfschmerzen. Vom Grundsatz her bin ich aber auch so drauf, mittlerweile brauche ich Risiko jedoch nur noch im überschaubaren Umfang, eine angemessene Herausforderung reicht mir. Und letzten Endes hätte ich vor so einer Exkursion mit ungewissem Ausgang doch viel zu großen Schiss.

DSC01658 DSC01668

Das Leben ist wichtig, man hat ja nur eines! Obwohl, so lange ich noch nicht erleuchtet bin, komme ich nicht ins Nirvana und werde folglich wieder geboren. Na dann kann ja nix passieren, erleuchtet bin ich noch lange nicht. Vielleicht klettere ich doch noch hoch …

DSC01674

den Everest auf den Schultern …

DSC01677

Veröffentlicht unter China, Reisebeitrag | Schreib einen Kommentar

Südwärts Richtung Himalaya

Auf der Weiterfahrt von Sagya Richtung Westen und am Knotenpunkt hinter der chinesischen Retortenstadt Lhatse führt uns unser Weg am Donnerstag gen Süden, geradewegs auf den Himalaya zu. Vom Gyatso-la-Pass, der mit seinen 5.220 Metern oberhalb der Schneegrenze liegt, hatten wir bereits eine spektakuläre Aussicht auf den Himalaya mit seinen 8.000er-Gipfeln, inklusive den Mt. Everest.

DSC01551

Mt. Everest voraus – auf dem Gyatso-la-Pass

DSC01557

In langen Serpentinen windet sich der Friendship-Highway wieder nach unten, bis wir hinter Shegar den nächsten Polizei-Kontrollpunkt erreichten, der den Zugang zu dem lang gestreckten, von malerischen Bergketten gesäumten Hochtal regelt, in dem Tingri liegt. Bei schönem Wetter hat man von Tingri aus einen fantastischen Blick auf die Kette des Himalaya mit seinen Achttausendern … wir hatten schönes Wetter …

DSC01569

der Himalaya mit seiner Kette an Achttausendern

DSC01561

Mt. Everest, wir kommen …

Wie eine Perlenkette waren die höchsten Gipfel der Erde aneinander gereiht: Cho Oyu mit 8.153 Metern, Lhotse mit 8.614 Metern und in 60 Kilometer Entfernung der höchste Berg der Erde, der Mt. Everest mit 8.843 Metern.

In Tingri war Mittagspause angesagt und die Vorbereitung des Hinterns auf die bevorstehende nachmittägliche Fahrt über 70 Kilometer unbefestigte Schotterpiste von Tingri nach Rongbug, der letzten Ortschaft vor dem Mt. Everest und dem Base Camp, von der wir morgen in aller Herrgottsfrühe die letzten 9 Kilometer zum Everest Base Camp trekken werden … Wir wollen ja den Sonnenaufgang am höchsten Berg der Erde erleben.

DSC01556

hier geht’s lang zur Schotterpiste

DSC01584

na, wer findet den Mt. Everest?

DSC01583

ist nicht schwer …

DSC01619

jetzt aber …

DSC01622

… genau! Den, den alle Chinesen fotografieren …

Veröffentlicht unter China, Reisebeitrag | Schreib einen Kommentar

Bunte-Streifen-Sekte

Für Sagya braucht man neben dem chinesischen Visum und dem Tibet Travel Permit noch ein zusätzliches Permit, da das TTP nur für bestimmte Teile Tibets gilt, zu denen die Region Sagya nicht gehört. Naja, das regelte Sonam, unser Guide, wozu bezahlen wir ihn schließlich :-).

DSC01527

Sagya mit dem Süd-Kloster der Bunte-Streifen-Sekte

DSC01491

vorherrschende Farben dort: rot, weiß und schwarz

Im Sagya-Kloster wurden die Außenwände der großen Klostermauer des Südklosters mit senkrechten Farbstreifen der Farbe Rot als Symbol für den Bodhisattva (bei Interesse siehe hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Bodhisattva) Manjushri, Weiß als Symbol für den Bodhisattva Avalokiteshvara und Schwarz für den Bodhisattva Vayrapani versehen. Die gleiche farbliche Bemalung kennzeichnet auch die Häuser in den Dörfern der Anhänger der Sagya-Schule. Aus diesem Grunde ist die Sagya-Schultradition in China auch als die „Bunte Streifen-Sekte“ bekannt.

DSC01498

berühmte Kloster-Bibliothek im Sagya-Kloster

DSC01522

die beiden werden wohl keine Mönche

DSC01521

Spaß haben sie wohl trotzdem

Veröffentlicht unter China, Reisebeitrag | Schreib einen Kommentar

buddhistische Rituale

Vor der Abfahrt aus Shigatse hatte ich mir morgens noch etwas vorgenommen. Die Klosteranlage von Tashilhunpo hatte es mir angetan. Also stellte ich meinen Wecker auf 6 Uhr und sah zu, daß ich mit den ersten Pilgerern zum Anbruch der Morgendämmerung am Kloster bin, um einerseits meine Kora (Kora bezeichnet im tibetischen Buddhismus die rituelle Umrundung eines heiligen Ortes) zu laufen – und zwar um den gesamten Klosterkomplex – und andererseits das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden und den Sonnenaufgang über den goldenen Dächern des Klosters zu erleben … ein zugleich mystisches und faszinierendes Erlebnis, das in der Erinnerung haften bleibt.

DSC01444

Sonnenaufgang über dem Tashilhunpo-Kloster

DSC01470

Gebetsmühlen rund um den Klosterkomplex … und alle müssen bei der Kora gedreht werden

DSC01473

die drolligen Vierbeiner geniessen die Morgensonne ebenfalls

Auf der Weiterfahrt am Mittwoch von Shigatse nach Sagya (150 Kilometer) mussten wir zunächst den 4.950 Meter hohen Yulung-la-Pass überwinden, bevor wir kurz vor Lhatse in eine Stichstrasse nach Süden abbogen und nach weiteren 20 Kilometern schließlich Sagya erreichten.

DSC01480

bizarre Landschaft auf dem Yulung-la-Pass

DSC01485

Veröffentlicht unter China, Reisebeitrag | Schreib einen Kommentar

Das Leben ist ein Puzzle

Es ist auch heute wieder warm, klar und sonnig, wie die ganzen vergangenen Tage, nein, eigentlich wie seit Beginn meiner Reise … ein traumhaftes Wetter auf der Reise durch traumhafte Landschaften und Kulturen. Ich bewege mich oftmals wie in Trance, ein Adrenalinschub jagt den anderen und alle meine Sinne sind in jedem einzelnen Moment geschärft. Ich bin nachhaltig beeindruckt von den positiven aber auch negativen Aspekten des menschlichen Wirkens auf unserem Planeten, in der Vergangenheit wie auch in der Gegenwart, von den wunderbaren Schätzen, die dieses Wirken hervorgebracht und auch wieder zerstört hat, von den atemberaubend schönen Landschaften und der Natur, die uns unser Planet zur Verfügung gestellt hat und um dessen Erhalt man sich in vielen Gebieten, die ich gesehen habe, ernsthafte Sorgen machen muß. Ich weiß schon jetzt, daß mich das Erlebte in diesen Wochen nachhaltig prägen und beeinflussen wird, so wie es alle meine Reisen getan haben, jedoch niemals in dieser einzigartigen Intensität und Symbiose von spirituellen Erfahrungen, interkulturellen, zwischenmenschlichen Erlebnissen, Eindrücken von Landschaften und Natur sowie der Erkenntnis von Auswirkungen menschlichen Handelns auf allen diesen Ebenen. Es ist ein extrem komplexes Gesamtbild, dessen Puzzleteile sich langsam ineinander fügen. Noch habe ich einige intensive Wochen Zeit, die fehlenden Puzzleteile zu finden und zu ergänzen …

Veröffentlicht unter China, Reisebeitrag | Schreib einen Kommentar

Auf der tibetischen Hochebene nach Westen

Fünf Tage in Lhasa reichen mir wirklich und ich war am Sonntag schon froh, mal raus zu kommen zum Ganden-Kloster … auch wenn’s nur 70 Kilometer entfernt war. So überwiegend positiv, wie die erste Berührung mit Tibet und den Tibetern auch war, in Lhasa war mir einfach der chinesische Einfluß noch zu groß und irgendwie hatte ich von China und den Chinesen nun auch genug. Ehrlich, das hatte ich auf all meinen Reisen bisher erst einmal, daß ich „genug“ hatte von den Einheimischen, das war 1998 in Marokko.

Reiseroute Tibet

unsere Reiseroute durch Tibet – tageweise

Glücklicherweise trat genau das ein, was ich erhofft hatte, je weiter wir in das tibetische Hinterland vordrangen, desto authentischer und unbeeinflusster von China wurden die Dörfer, als Stadt will ich hier nur Shigatse mit rund 50.000 Einwohnern bezeichnen. Sogleich das erste Teilstück am Montag von Lhasa über Nagarze am Yamdrok-tso-See bis nach Gyantse hatte es landschaftlich in sich und man kann sie getrost als spektakulär bezeichnen. 70 Kilometer hinter Lhasa zweigt, kurz hinter der von chinesischen Soldaten bewachten Brücke über den Brahmaputra, die landschaftlich reizvollere Süd-Route nach Gyantse ab. Von hier aus sind es noch rund 700 Kilometer bis zur nepalesischen Grenze. Zunächst ging es in langen Serpentinen bis auf den 4.794 Meter hohen Kamba-la-Pass. Die Landschaft ist steinig und fast völlig vegetationslos. Sobald wir die Passhöhe erreicht hatten, eröffnete sich uns eine atemberaubende Aussicht auf den türkisblauen Yamdrok-tso-See, der wie ein riesiger gezackter Saphir unten im Tal glitzerte, in der Ferne eingerahmt von einer majestätischen Kette schneebedeckter Bergriesen.

DSC01264

Blick auf den Yamdrok-tso-See

DSC01261

vom 4.794 Meter hohen Kamba-la-Pass

DSC01278

Gebetsfahnen – weil auch Seen sind heilig – und sollen dem Reisenden Glück bringen

Die Abfahrt vom Kamba-la-Pass hinunter zum knapp 4.500 Meter hoch gelegenen Yamdrok-tso-See gehört zu den schönsten Strecken auf dem Friendship-Highway. Immer wieder eröffneten sich uns neue, andersartige Blickwinkel auf die grandiose Berglandschaft, bis wir in weiten Kurven schließlich die grasbewachsenen Ufer des Sees erreicht hatten. In Nagarze, der einzigen größeren Ansiedlung am See, machten wir Mittagspause. Auch hier wird man, wie in vielen anderen ländlichen Gegenden von den Problemen Tibets eingeholt: heruntergekommene Bruchbuden aus Beton, bittere Armut, überall liegt Müll herum, in dem struppige, magere Kühe wühlen. Neben den älteren scheinen auch viele der jüngeren Männer den ganzen Tag auf der Hauptstrasse herumzulungern, von Zeit zu Zeit eingehüllt in die Staubfahnen durchbrausender Lastwagen, Landcruiser oder Armeefahrzeuge. Auffällig ist, daß schwere und unattraktive Arbeiten (Bauarbeiten, Müllabfuhr, Strassenreinigung, etc.) oftmals von Frauen erledigt werden.

DSC01294

Berglandschaften …

DSC01303

… auf der Abfahrt vom Kamba-la-Pass

DSC01578

In dieser unwirtlichen Gegend fressen die Tiere alles – auch Plastik und Karton!

Deshalb ist es gut, daß wir zum Mittagessen drinnen sind, ich esse nichts, trinke dafür meinen ersten Buttertee und bin danach froh, nichts gegessen zu haben. Das Gebräu schmeckt exakt so eklig, wie es in zahlreicher Literatur beschrieben wird. Never again! Auch wenn Sonam, unser Guide, beteuert, daß man nur zwei Buttertees am Tag trinken muß und dann auf den Lippenbalsam verzichten kann. Letzteres habe ich zwar nicht mit aber bei der Alternative nehme ich es dann doch liebend gerne in Kauf, daß meine Lippen bei der kalten trockenen Luft spröde und rissig werden.

DSC01316

Auf 5.045 Meter …

DSC01322

… der Karo-la-Pass

Von Nagarze steigt die Strasse in lang geschwungenen Kurven an bis zum 5.045 Meter hohen Karo-la-Pass, der vom mächtigen, 7.223 Meter hohen Gipfel des Nöjin Kangsa überragt wird. Wir bekommen bei grandiosem Wetter ebenso grandiose Aussichten geboten … ein perfekter Tag. Auf der Passhöhe flattern, wie fast überall in Tibet, Gebetsfahnen in allen erdenklichen Farben, die den Durchreisenden Glück bringen sollen. Danke, hat bisher prima geklappt!

DSC01326 DSC01306

Nach weiteren 60 Kilometern tauchte gegen Abend am Horizont der mächtige Gyantse-Dzong auf – die einzige Burg in Tibet, die von den Zerstörungszügen der „Befreiung“ einigermaßen verschont geblieben ist. Gyantse besitzt noch eine weitgehend intakte tibetische Altstadt zu Füßen des Klosters Pälkhor Chöde, das zu den sehenswertesten Klosteranlagen Tibets zählt und demnach auch auf unserem Besichtigungsprogramm für den Dienstagmorgen eingeplant war. Vor allem der Gyantse-Kumbum, ein von innen begehbarer, mehrstöckiger Chörten – ein symbolischer Schrein Buddhas in Form eines Mandalas -, ist in seiner Anlage einzigartig in Tibet.

DSC01339

Der Gyantse-Dzong

DSC01336

Der Gyantse-Kumbum, ein symbolischer Schrein Buddhas in Form eines Mandalas

DSC01341

DSC01333

Gebetsbücher im Kloster Pälkhor Chöde

Nach der Besichtigung des Klosters mit Kumbum ging es dann am Dienstagmittag 95 Kilometer weiter Richtung Shigatse, der zweitgrößten Stadt Tibets mit gut 50.000 Einwohnern. „Oje“, dachte ich, „jetzt wird der Chinesenanteil wieder zunehmen“. Die Sorge war umsonst … Shigatse ist zwar keine Schönheit, dafür jedoch noch weitgehend „in tibetischer Hand“ und bietet infrastrukturell alles, was man benötigt für die danach anstehende Weiterreise in die bevölkerungsarmen Gebiete Tibets.

DSC01445

Shigatse, vom Tushilhunpo-Kloster überragt

Die Fahrt dorthin war eintönig und deprimierend. Die Strecke führte durch lehmbraune, staubige Bergtäler, die mageren Felder pflügten tibetische Bauern mit ihren Yaks oder altertümlichen Traktoren. An vielen Hauswänden kleben, ordentlich aneinander gereiht wie Bienenwaben, breit geknetete Klumpen dunkelbraunen Yak-Dungs, der in dieser holzarmen Gegend als wichtiger Brennstoff dient. Auf den Dorfstrassen spielen die Kinder zwischen quiekenden Schweinen und herrenlosen Hunden, die sich hier bisweilen zu ganzen Meuten zusammenrotten und herumstreunen.

DSC01345

wichtiger „Rohstoff“ in dieser unwirtlichen Gegend – Yak-Dung

DSC01361

auch bei der Feldarbeit sind vor alllem die Frauen gefragt

DSC01351

wenig Abwechslung für die Kinder – mithelfen ist angesagt … oder für die Touristen posieren …

Shigatse besaß einst ebenfalls eine prächtige Burg auf einem Hügel im Norden der Stadt, die jedoch von den „Roten Garden“ bis auf die Grundmauern zerstört wurde. Das Tashilhunpo-Kloster, die Hauptattraktion der Stadt, war der traditionelle Sitz des Panchen Lama, also des nach dem Dalai Lama zweitwichtigsten religiösen Würdenträgers im alten Tibet. Das Kloster ist eines der 13 tibetischen Klöster, die wenigstens teilweise unbeschädigt erhalten geblieben sind. Es besticht durch seine schiere Größe der Anlage und durch seine faszinierende Athmosphäre: in düsteren Gebetshallen mit geheimnisvollen Seitenkapellen leuchten riesige goldene Buddhaskulpturen und Stupas mit den nach der Feuerbestattung verbliebenen Überresten der zahlreichen Panchen Lamas. Prächtige Wandmalereien und sachte schwankende Thangkas, Rollbilder aus Stoff mit religiösen Motiven umgeben die Gebetshallen. In den engen, verwinkelten Gassen des Klosterkomplexes gehen rot gekleidete Mönche ihrer täglichen Arbeit nach oder halten im Schatten einen kleinen Schwatz.

DSC01440

das Tashilhunpo-Kloster beim Sonnenaufgang

DSC01411

auch Mönche brauchen warme Schuhe

Veröffentlicht unter China, Reisebeitrag | Schreib einen Kommentar

Foto-Update

Hallo ihr Lieben,

so, das Warten hat ein Ende und es geht weiter mit meiner rasanten literarischen Tour durch Tibet.

Ich war mal wieder fleißig und habe heute die Fotos der letzten paar Tage bis einschließlich heute hoch geladen, die Foto-Galerie ist demnach up-to-date.

Bevor ich euch also mit spannenden und auch persönlichen Beiträgen zu den Erlebnissen der letzten Woche bombardiere, nehme ich euch mit den neuen Fotos mit auf die Reise durch ein mystisches, bizarres und spektakuläres Tibet … durch einsame Klosterstädte, endlose lebensfeindliche Hochgebirgslandschaften und das atemberaubende, geheimnisvolle Himalaya mit den höchsten Berggipfeln unseres Planeten – Mt. Everest inklusive …

Enjoy …

Veröffentlicht unter China, Reisebeitrag | Schreib einen Kommentar

Auszeit

Für’s Erste verabschiede ich mich nun literarisch, da die Wahrscheinlichkeit des Internetzugangs ausserhalb von Lhasa drastisch sinken wird. Folglich mache ich mir keine allzu große Hoffnung, meinen Blog in den kommenden Tagen aktualisieren zu können.

Ich weiss, es wird schwer für euch, den Alltag ohne meine geistreichen Beiträge und Laien-Fotos zu überstehen aber ich gebe euch eine genauso abwechslungsreiche und manchmal ebenso sensationslüsterne Alternative an die Hand … hat auch was mit Bild(ern) zu tun. Stimmt, der Wahrheitsgehalt dort ist definitiv niedriger … äh, ich darf mich nicht so weit aus dem Fenster lehnen, sonst mache ich mich auch noch zuhause unbeliebt …

Also, bis demnächst und durchhalten …

DSC01247

… heute ist nicht alle Tage, ich komm wieder, keine Frage …

Veröffentlicht unter China, Reisebeitrag | Schreib einen Kommentar