Naturkatastrophen

Die Unwägbarkeiten der Natur, denen man in eklatanter Form besonders am Himalaya ausgeliefert ist, haben wir in den letzten Wochen mehrfach mit Grausen zur Kenntnis nehmen und akzeptieren müssen. Zunächst starben am Himalaya zwei Bergsteiger, denen ein nicht vorhergesagter (dazu in einem späteren Beitrag mehr) Wetterumschwung zum Verhängnis wurde, dann gab es in Nordindien einen Zyklon, dessen Regenwolken sich am Himalaya in Form von massivem Schneefall entluden, was zu einer menschlichen Tragödie und menschlichem Versagen mit dutzenden Toten am Annapurna führte (auch hierzu in einem späteren Beitrag mehr).

Und wäre dies nicht genug, hatten wir bereits in Lhasa von einem Erdrutsch infolge des Monsunregens auf der Strasse zwischen der tibetisch-nepalesischen Grenze und Kathmandu erfahren, die unsere Reiseroute aufgrund der andauernden Arbeiten zunächst infrage stellte und von deren Auswirkungen wir uns leibhaftig überzeugen konnten … ein ganzes Dorf mit gut 120 Häusern war eines Nachts Anfang August in Sekunden ausgelöscht worden (bei Interesse siehe hier: http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/tote-und-vermisste-bei-erdrutsch-in-nepal-flutwelle-droht-a-984368.html). Die Erdmassen stauten das Wasser des Sun Kosi Flusses, es drohte tagelang Unsicherheit in Bezug auf eine bevorstehende Flutwelle und etwaigen Evakuierungen – bis nach Indien.

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der Sun Kosi ist eigentlich ganz friedlich

Der Sun Kosi stellte sich uns ganz friedlich dar und auch ansonsten wies rein gar nichts auf diese Tragödie und die folgende Panik hin, als wir Richtung Kathmandu fuhren … bis wir zur Erdrutsch-Stelle kamen. Ein ganzer Hang war weg, die Strasse, die wir befuhren ebenso. Wir mussten über den abgerutschten Hang, also einer Sand- und Geröllpiste, so breit wie 1,5 Autos, ohne Seitensicherung etwa 2 Kilometer in Serpentinen bis zum unversehrten Strassenanschluss überwinden. Nochmal zur Erinnerung … wir waren mit einem überladenen uralten Bus ohne Allrad unterwegs und fuhren quasi über die verschütteten Häuser – gruselig! Die Kiste schwimmte auf dem Sand, der Fahrer war laufend am gegenlenken. Insbesondere die Mädels an Bord bekamen Panik … links der Abgrund (ich saß zum Glück rechts), rechts der abgerutschte, unbefestigte obere Berghang (also auch nicht besser), entgegen kommende (!) Autos und überholende (!!!) Motorräder. Wir Männer hatten bedingt Spaß, „Yeah, endlich Action!“, dachte ich, Vitalij neben mir auch, unsere Kameras liefen auf Hochtouren. Naja, ein wenig mulmig war mir schon, das muß ich ja zugeben aber das konnten wir den Mädels ja nicht zeigen, sonst wären die ganz ausgerastet. Also, Augen zu und durch, es half ja nichts. Die Mädels klatschten in ihre schweißnassen Hände, als wir wieder löchrigen Asphalt unter den Rädern hatten und kurz darauf Mittagspause angesagt war … einige mussten zur Toilette.

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der Busfahrer weiß, was er tut … hofften wir

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auf den Serpentinen ganz sachte um die Kurve …

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wo vor drei Monaten noch ein Dorf stand, liegt jetzt nur noch Geröll … da haben auch die Gebetsfahnen nicht geholfen

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