Nepal hoch zehn

Das war mein erster und sich bisher verfestigender Eindruck von Indien. Nepal ist Indien in klein oder anders herum, Indien ist Nepal in groß. In Indien haben die Ausführungen über Nepal gleichen Bestand, nur in ganz anderen Dimensionen. In diesem Land gibt es noch krassere soziale Unterschiede, die Armut ist allgegenwärtig und steht im vollkommenen Kontrast zu den grandiosen Monumenten und Schönheiten, die dieses faszinierende Land zu bieten hat. Die Städte sind extrem geschäftig, voll, laut und dreckig, der Verkehr ist wie in Nepal total chaotisch, nur in ganz anderen Größenordnungen, was die Menge der diversen Fahrzeuge, Abgas-Emissionen und menschlichen Leiber angeht. Ich befürchte, mein Reizhusten wird hier neue Nahrung bekommen :-(.

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für die „heiligen Kühe“ ist der Müll ein „gefundenes Fressen“

Einen signifikanten Unterschied zu Nepal stellen die Menschen und ihr Verhalten dar, das wurde schon direkt nach dem Überqueren der Grenze deutlich. Man wird von jedem angeglotzt, ja angestarrt, intensiv und durchdringend, verfolgend bis man aus dem Sichtfeld verschwunden ist. Das hatte ich dermaßen intensiv noch nirgends erlebt, es war ungewohnt und am Anfang unangenehm, ich fühlte mich unaufhörlich und penetrant beobachtet. Aber ich kann euch beruhigen, das legt sich nach ein paar Tagen, man macht sich ein Spiel daraus und nimmt es irgendwann nicht mehr bewußt zur Kenntnis, sondern ignoriert es einfach. Sonnenbrille auf und weiter laufen … Gleiches gilt für die nächste Stufe des interkulturellen Interesses, nämlich an dem Geld des weißen Mannes. Gefühlt ungefähr jeder der 1,2 Milliarden Inder will Dir irgendwas verkaufen, Ware oder Dienstleistung, unaufhörlich, sobald Du Dich aus Deiner Unterkunft hinaus in die freie Wildbahn wagst. „Water? Rikscha? Tuk-Tuk?“, so oder so ähnlich schallt es sekündlich aus einer der 1,2 Milliarden Kehlen. Ignorieren hilft auch hier. Das erscheint zunächst unhöflich, ist aber die einzige Chance, etwas zu sehen und zu erleben. Andernfalls ist man den lieben langen Tag damit beschäftigt, zu erklären, warum man gerade keine Lust hat, das fünfhundertste Wasser zu kaufen und das es keinen Sinn macht, ein Tuk-Tuk irgendwohin zu nehmen, wenn man gerade in der Eingangsschlange zum Taj Mahal steht.

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manchmal weiß man nicht, lebt dieser Mensch noch oder ist er bereits tot … es bedarf jedenfalls starker Nerven, dieses Elend mit anzusehen

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