Foto-Update

Hallo ihr Lieben, ich habe heute die restlichen Fotos hoch geladen, die Foto-Galerie ist demnach up-to-date. Die Galerie ist jetzt absteigend sortiert nach Aufnahmedatum, so daß die aktuellsten Fotos, Irkutsk und Baikalsee, ganz oben erscheinen. Die Sortierreihenfolge wird auch zukünftig so bleiben, damit ihr nicht immer durch die „alten“ Fotos scrollen müßt, sondern gleich die aktuellen Aufnahmen nach dem Öffnen gleich oben seht.

Die Geschichten der letzten Tage zu den Erlebnissen in Irkutsk und am Baikalsee und somit zu den Fotos folgen morgen und übermorgen. Enjoy …

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Fotos sind online!

Endlich ist es soweit, wie bereits angekündigt, sind nun endlich die Fotos seit Beginn der Reise als „best of“ online. Details dazu auf der Seite Fotos, einfach dem Link dort folgen. Ich denke, ihr bekommt einen tollen Eindruck von den Orten, an denen ich war. Enjoy …

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Impressionen Transsib

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Ist das vielleicht Mütterchen Russland???

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motivierter Spielwarenverkäufer – Kinder sind wohl auch an Bord, ich habe aber keine gesehen

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Familienplanung abgeschlossen – Kinderwagen frei

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Bahnhof Kranojarsk

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Auffüllen des Wassertanks

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Bahnhof Ekaterinburg

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Bahnhof Novosibirsk

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Endspurt (22.09.2014)

Mittlerweile sind wir in Krasnojarsk durch, hier hatten wir den letzten längeren Stop vor Ankunft in Irkutsk.

Das Dumme ist, während der Reise im Zug muss die Körperhygiene zwangsweise signifikant vernachlässigt werden, da weder Dusche noch ein Handwaschbecken existiert, in dem man eine halbwegs angemessene Katzenwäsche durchführen könnte. Um an Wasser zu kommen, muß man von unten gegen den Wasserhahn drücken, dadurch ist eine Hand immer „belegt“. Mit der anderen läßt sich das kühle Nass dann nur noch unzureichend auffangen. Es bedarf schon einiger Übung und Geduld, will man zumindest das Haarewaschen einmal in 4 Tagen erfolgreich gestalten. Ich habe mittlerweile beides, Übung und Geduld, mir schon zweimal die Haare gewaschen und damit den Highscore an Bord. Was den Rest meines Körpers angeht, darauf gehe ich geruchs- und konsistenztechnisch hier besser nicht näher ein … ist ja Mittagszeit. Was ich demnach morgen nach Ankunft im Hostel in Irkutsk als Erstes machen werde, dürfte auf der Hand liegen.

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Toilette gibt’s zum Glück – obwohl man da nicht wirklich drauf will …

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… und dieses Mini-Waschbecken

Außer meiner Wenigkeit und Jorrit/Jolien, die wir durchgehend das Abteil bewohnten, hatten wir im Laufe der Tage regen Wechsel auf der verbliebenen freien Schlafbank. Da waren Alexander, der in Ekaterinburg ausstieg, sowie zweimal Tatjana, die bis Nowosibirsk bzw. Krasnojarsk bei uns blieben. Eins hatten alle drei gemein, sie waren fast durchgehend am Schlafen. Am krassesten war Tatjana 2, sie habe ich nur beim Einsteigen und beim Aussteigen wach gesehen. Nun, dumm ist die Idee nicht, für den gemeinen Russen ist Bahnfahren mit der Transsib wahrscheinlich so aufregend, wie für uns eine Fahrt mit der Regionalbahn durch das Emsland.

Falls sich hier jemand angesprochen fühlen sollte, den Vergleich bitte nicht als Diskriminierung unserer lieben Kreis Grafschaft Bentheim-Anrainer verstehen. Das Emsland und vor allem Teile seiner weiblichen Bevölkerung ist wunderschön 😉 …

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Exkurs Buddhismus

Zu Beginn wiederhole ich den im vorherigen Bericht erwähnten buddhistischen Leitsatz

„nichts ist es wert, zu haben oder zu sein“, weil alle Dinge die drei universellen buddhistischen Merkmale gemeinsam aufweisen … „Vergänglichkeit“, „Unzulänglichkeit“ und „Nicht-Selbst“.

Aus buddhistischer Sicht (Tipitaka) ist es erstrebenswert, die wahre Natur der Dinge zu erfahren, die Leidhaftigkeit der Dinge als eine Ursache des menschlichen Leidens. In dem Wissen, daß alle Dinge vergänglich, wertlos und nicht unser wirkliches Eigentum sind, sind sie es ebenso wenig wert, daß wir uns an sie klammern. Kurz: nichts ist es wert zu haben und nichts ist es wert zu sein (Sunnata).

„Ich bekomme“, „ich habe“, „ich bin“. Wir denken automatisch in diesen Begriffen und diese Vorstellung des Habens und des Seins ist die ursächliche Quelle des menschlichen Leidens. Aus „haben wollen“ und „sein wollen“ resultiert Begehren und Handlung, der Teufelskreis aus Handlung, Ergebnis, Handlung, Ergebnis (Samsara) beginnt. Genauer gesagt beschreibt Samsara einen Teufelskreis aus drei Ereignissen: Begehren, Handlung aufgrund des Begehrens, das Ergebnis der Handlung und daraufhin (durch die Unfähigkeit nicht zu begehren) erneutes Begehren, erneute Handlung, erneutes Ergebnis, weiter zunehmendes Begehren und so weiter, ohne Ende, das ist das Rad des Samsara (Buddha) und genau deshalb sind wir gezwungen, Leid und Qualen auszustehen. Wir sind Sklaven unseres Begehrens, Begehren verursacht Stress und Leid!

Die Befolgung der grundlegenden Prinzipien des Buddhismus ist der Weg zur Freiheit von Leiden durch das vollkommene Auslöschen von Begehren. Hier schließt sich der Kreis, denn je mehr Begehren und Haben reduziert wird, desto freier wird man, das Auslöschen von Begehren und Haben führt folglich zu vollkommener Freiheit, dem Nibbana.

Ich bin ja bereits seit längerem dabei, mich intensiv mit den buddhistischen Grundlagen zu befassen und sie zu verinnerlichen. Es fällt mir leicht, weil sie einleuchtend, plausibel und vor allem praktisch belegbar sind. Folglich ist der Buddhismus eine Mischung aus Weltanschauung, Philosophie und Wissenschaft und aus diesem Grund ist der Buddhismus so erfolgreich … auch oder gerade in der westlichen Welt, wo Begehren und Haben wollen bereits den Kindern in ungesundem Umfang von Geburt an mit auf den Weg gegeben wird. Weniger ist definitiv mehr!

Demjenigen, der sich mit dieser Materie näher befassen möchte, lege ich das auch für Laien gut verständliche Basiswerk „Buddhismus verstehen und leben – ein Handbuch für die Menschheit“ von Buddhadasa Bhikku ans Herz. Das Dokument ist in die deutsche Sprache übersetzt und im Internet frei verfügbar … einfach googeln oder PM an mich, dann schicke ich es zu.

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Weltreisende (21./22.09.2014)

Weltreisende

Ja, Weltreisende oder neudeutsch Globetrotter scheinen offensichtlich den Beginn ihrer Reise genau auf die im Vorbericht genannte Form beginnen zu wollen, da sie genau dem beschriebenen Typus Mensch entsprechen. Viele von ihnen habe ich hier im Zug kennen gelernt. Von Andy (29) und Carmen (25) berichtete ich bereits, die haben bewußt keinen klaren Reiseplan … kein Wunder, bei Andy’s Alkoholkonsum macht das auch wenig Sinn. Heute Nachmittag kam er mir schon wieder mit roten Bäckchen, sorry, Wangen entgegen und war gut gelaunt. Die beiden Reisen mit mir bis nach Peking und machen ebenfalls in Irkutsk und Ulan Bator (Mongolei) einen Stopover. Dann fliegen sie aber nach Kathmandu (Nepal) und wollen dann wie ich weiter nach Indien. Die Andamanen habe ich ihnen in diesem Kontext schmackhaft gemacht, da Indien ansonsten strandtechnisch nicht viel zu bieten hat. Selbst die ehemals angesagte Hippie- und Aussteiger-Hochburg Goa ist mittlerweile dem Hörensagen nach im touristischen Einheitsbrei versunken und dem Massentourismus zum Opfer gefallen. Danach wollen sie über Indonesien (Borneo), die Philippinen und Neuseeland in die Südsee und weiter nach Südamerika (Chile und Argentinien) … so deren grobe Reiseroute und wohl dem, der sich eine solche rund 12-monatige Auszeit gönnen kann. Die beiden haben einfach ihren Job geschmissen, ihre Wohnung aufgelöst und den Rest an Habseligkeiten in einem Keller eingelagert und genießen ihre Freiheit – gut so.

Getreu dem buddhistischen Leitsatz „nichts ist es wert, zu haben oder zu sein“, weil alle Dinge die drei universellen buddhistischen Merkmale gemeinsam haben … „Vergänglichkeit“, „Unzulänglichkeit“ und „Nicht-Selbst“. Hierzu zur Vertiefung ein kleiner buddhistischer Exkurs im nächsten Beitrag.

Anhang 3

Jorrit, Jolien und ich – 3 Holländer auf Tour, naja, sagen wir 2,5 … viel Spaß ihr beiden auf eurem Trip, es war nett mich euch / enjoy your further trip, it was nice to meet and to spend some days with you …

Nun kommen wir zu Jorrit (27) und Jolien (25). Die beiden sind eigentlich ein Muster-Pärchen, seit 6 Jahren zusammen. Wie die Namen es dem kundigen grenznah wohnenden Niedersachsen bereits nahe legen, kommen die beiden aus dem Land des WM-Dritten, den Niederlanden. Damit nicht genug, Jorrit kommt gebürtig aus Oldenzaal und ist somit quasi Nachbar von mir *schmunzel*. Nachbar im wahren Leben, Nachbar im Reiseleben, die beiden begleiten mich also in meinem 4er-Abteil, wir reden überwiegend englisch obwohl Jorrit auch deutsch kann, Jolien aber nicht. Zusammen mit Andy und Carmen sind wir so eine Art „temporäre Clique“ während der Zugfahrt, wir verstehen uns gut. Die beiden haben bis Nepal in etwa dieselbe Reiseroute wie ich, in Ulan Bator werden sich unsere Wege jedoch trennen, da die beiden einen längeren Trip in die Wüste Gobi planen. Anschließend geht es für die beiden nach Myanmar, Thailand, Vietnam, Indonesien, Philippinen, Australien (work & travel), Neuseeland und dann nach Südamerika. Sie planen dafür mindestens 12 Monate ein, rechnen aber eher mit 18-24 Monaten, auch aufgrund des längeren Work&Travel-Aufenthaltes in Australien … irgendwo muss ja die Kohle herkommen für die weitere Reise.

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VOR dem unten beschrieben Abend … die Banane von Andy ist nur Alibi 🙂 von links nach rechts: Andy, Carmen, Jorrit, Jolien

Gestern Abend hatten wir eine Menge Spaß zu fünft. Wir haben uns abends im Abteil von Andy und Carmen getroffen, da deren russischer Mitreisender in Nowosibirsk den Zug verlassen hatte, kein neuer Passagier hinzu kam und sie somit ein 4er-Abteil zu zweit alleine hatten. Ein Schelm, wer Obszönes dabei denkt in Bezug auf dessen, was da nachts noch gelaufen sein könnte … oder auch nicht. Denn in Nowosibirsk, dem letzten größeren Stop vor Irkutsk wurde alkoholtechnisch noch einmal mächtig nachgerüstet. Die vier hatten 2 Flaschen Vodka und zwei 2-Liter(!)-Flaschen Bier besorgt … heute Morgen war lediglich in einer Vodka-Flasche noch etwa ein Viertel übrig. Dementsprechend sahen die Jungspunde dann auch aus, nämlich gar nicht mehr so jung. Mich betrachten die vier wohl eher als Papa und gute, weise Seele, entließen mich nach einigen Runden Uno und in Anspielung auf mein biblisches Alter dann auch ohne großes Murren in den wohlverdienten Schlaf (you remember … Trainlag-Risiko … immer eine Stunde früher ins Bett, da war ich eisern). Was danach geschah ist nur partiell überliefert. Man munkelt, die Zugschaffnerin habe, ob der Lautstärke, wohl mehrmals ermahnend eingreifen müssen und wann sich die feuchtfröhliche Runde aufgelöst hat, konnte mir am Montagmorgen keiner der jungen Leute in Ermangelung entsprechenden Gedächtnisinhaltes genau sagen. „Ist doch sowieso egal“, lallte mir Andy dann heute Morgen entgegen, „Hauptsache wir hatten Spaß und genug zu trinken“. Stimmt!

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Mit dem Zug ostwärts (20.09.2014)

Genug der Vorworte, nun ist es soweit, am Freitag, den 19.09.2014 geht es gegen 13.05 Uhr mit Zug 070 ab dem Moskauer Bahnhof Jaroslawl über Rostov (224 km), Perm (1437 km), Ekaterinburg (1818 km), Tjumen (2144 km), Omsk (2716 km), Nowosibirsk (3343 km) und Krasnoyarsk (4105 km) nach Irkutsk am Baikalsee, wo man nach 5193 km Zugstrecke und 87 Stunden Bruttofahrzeit ankommt. Die durchschnittliche Geschwindigkeit kann der geübte Mathematiker nun selber ermitteln, dem ungeübten sei sie mit rund 70 km/h hiermit kund getan.

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kaum zu glauben aber bei endlosen Waggons schafft die nur 70 km/h … aber vielleicht liegt’s auch am Streckennetz …

Ich werde auf einzelne Ereignisse und Themen während der Reise separat eingehen, insofern sie mir erwähnenswert erscheinen, ansonsten gleicht sich der Tagesablauf in großen Teilen. Größere Spannung kommt lediglich bei den Ankünften auf den größeren o.g. Bahnhöfen auf, die Aufenthalte dort stellen auch die einzige Abwechslung und Bewegungsmöglichkeit im Freien während der langen Zugfahrt dar. Leute steigen aus, auch aus dem eigenen Abteil. Wer wird der Neue sein? Ein Russe oder doch ein Tourist? Vorstellungsrunde! My name is Jenko and yours? Schweigen … meistens zumindest. Erstaunlicherweise können die meisten Russen kein oder nur ganz rudimentär englisch. Es geht trotzdem … immer … irgendwie … und oft bleibt es nicht bei dem ersten Kennenlernen, man möchte gegenseitig mehr voneinander wissen. Das ist spannend , herausfordernd und vertreibt die Zeit. Von Andy und Carmen, ein Schweizer Pärchen, das mit mir reist und zwei Abteile weiter „wohnt“, weiß ich, daß das Reisen in der „normalen“ Transsib, die auch die Einheimischen benutzen, durchaus auch dem gängigen Klischee entsprechen kann. Andy, eher einfach gestrickt (O-Ton: Das Lesen ist nicht so meins, eher das Trinken), war durchaus angetan, als sein russischer Mitreisender am Abend von Freitag auf Samstag seinen 5-Liter-Kanister Vodka raus holte und ihm die russische Gastfreundschaft damit näher bringen wollte. Am heutigen Samstag habe ich Andy übrigens noch nicht gesehen … es ist jetzt 15:34 Uhr … Carmen schon.

Anhang 1

Andy und Carmen am „day after“. Naja, wir sehen alle nicht so gut aus nach 4 Tagen ohne waschen, duschen und teilweise schlafen …

Irgendwie tut man sich bei der Fahrt durch die scheinbar endlosen Weiten Sibiriens und durch diverse Zeitzonen mit der Orientierung in Bezug auf die Tageszeit schwer. Man hat durch die Monotonie nach einiger Zeit kein Gefühl mehr dafür, wann es an der Zeit ist, Mittag oder Abend zu essen oder zu Bett zu gehen. Ich für meinen Teil habe mir die 5 Stunden Zeitunterschied zwischen Moskau und Irkutsk in Scheibchen geteilt und bin jeden Tag eine Stunde früher schlafen gegangen und aufgestanden. Bei 4 Nächten im Zug habe ich folglich mein Trainlag-Risiko (kleines Wortspiel von Jetlag) quasi eliminiert und kann den Tag bei Ankunft in Irkutsk im richtigen Rhythmus beginnen.

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endlose Weiten Sibiriens

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russisches Wohnen am Bahndamm

Nein, der Reiz dieser Reise liegt nicht in der Action, außer bei Andy … aber erst morgen wieder. Die Schweizer halt, können nichts ab. Der Reiz der Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn liegt vielmehr in der scheinbaren Unendlichkeit der Fahrt durch die Einsamkeit Sibiriens, die Weite der sich langsam in Taiga und Tundra verwandelnden Landschaft, Steppe bestimmt mehr und mehr das Bild, je weiter man nach Osten kommt. Er liegt in der Unterschiedlichkeit der Menschen, die einem begegnen, der grandiosen Farbkontraste der Natur, gerade jetzt im beginnenden Herbst, der hier schon etwas weiter fortgeschritten ist und nicht zuletzt in dem Erlebnis quasi eine Bahnreise durch einen ganzen Kontinent zu machen, die in einem Kontinent, nämlich Europa, beginnt und am äußersten Ende eines weiteren Kontinentes, nämlich des größten, Asien, in China endet. Der Sonne entgegen … und der Nacht, immer im Wechsel. Eine solche Reise ist etwas für naturverbundene Menschen, für die Einsamkeit keine Bedrohung ist, sondern eine Herausforderung, denen das Gefühl der Freiheit ein Bedürfnis ist und der unbändige Wind Sibiriens in ihren Haaren ein Ausdruck dieser Freiheit.

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Insofern ist eine solche Reise sicher nicht für jedermann geeignet aber ein Muss für jeden, der eines der letzten gefühlten Abenteuer in einer doch so gleichförmig und berechenbar gewordenen globalisierten Welt sucht.

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Transsib-Startschuß (19.09.2014)

Was es, wie bereits oben erwähnt, im Übrigen in russischen Zügen in jedem Waggon umsonst, heiß (100 Grad zeigt das außen angebrachte Thermometer an) und in ausreichender Menge gibt, ist Wasser aus dem Samowar.

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der Samowar

Dieser Sachverhalt ist wichtig bei der Zusammenstellung der für 4 Tage notwendigen Lebensmittelration, da man tunlichst Teebeutel, Instantkaffee und Fertigsuppen dabei haben sollte, will man nicht auf die überhöht teuren Gerichte aus dem Bordrestaurant angewiesen sein. Ansonsten tut es Brot, Aufschnitt, Obst und Gemüse. Weniger ist mehr, vor allem in Anbetracht der umfangreich vorhandenen Sport- und Ausgleichsmöglichkeiten während der Fahrt. Diese beschränken sich nämlich in der Regel auf 5- bis 40-minütige Aufenthalte auf den Bahnhöfen, während derer man sich die Beine vertreten und frische Luft atmen kann.

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reges Treiben auf dem Bahnhof … bei jedem Stop wollen Einheimische verkaufen …

Allzu weit und vor allem ohne Ausweispapiere, Geld und Bordkarte sollte man sich nach Auskunft einer älteren Dame an Bord, die aus Skandinavien kam und die Transsib-Tour nach 1982 zum zweiten Mal absolviert, bei den Bahnhofaufenthalten übrigens nicht vom Zug weg bewegen. Es soll vorgekommen sein, daß der eine oder andere Passagier sich bei seinem übermächtigen Drang nach geeigneten Fotomotiven zu weit vom Zug entfernte und infolgedessen sein Gepäck und seine Freundin (wenn er denn eine hatte) fortan alleine das weitere Sibirien erschlossen. Da die Züge nämlich durchaus kürzer halten, als angegeben, ist das Risiko einfach zu groß, sich im russischen Niemandsland allein mit den Sachen am Leib, ohne Geld aber immerhin mit Fotoapparat die Zeit bis zum nächsten Zug todschlagen zu müssen. Das kann schon mal dauern …

 

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Transsib-Prolog (19.09.2014)

Die Tage in St. Petersburg sind also gezählt, gestern Abend bin ich mit dem Zug von St. Petersburg nach Moskau gereist. Ich war schon gespannt darauf, wie das Zugfahren im Generellen und das Reisen und Übernachten im 4-Bett-Schlafabteil in den Zügen im Speziellen so ist. Nun, ich muß sagen, der Prolog zur dann im Anschluss beginnenden längsten Etappe mit der Transsibirischen Eisenbahn war durchaus vielversprechend, angenehm und positiv. Man muß jedoch relativierend erwähnen, daß der Nachtzug St. Petersburg – Moskau ein Expresszug war und in Bezug auf Komfort und Service bestimmt eine Stufe über der Reise in der 2. Klasse mit der Transsib einzuordnen ist. Der Expresszug fuhr Donnerstagabend pünktlich um 23.30 Uhr ab, ich war frühzeitig am Bahnhof und bezog sogleich mein Abteil und Bett, müde war ich zu der Zeit sowieso schon.

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Boading beim Nacht-Express. Jeder Waggon hat eine eigene Schaffnerin, die hübsch und gut gekleidet die Tickets kontrolliert, im Waggon bedient und sauber macht.

Neugierig darauf, wen ich als Bettgenossen zugeteilt bekommen habe, wartete ich auf Zuwachs im Abteil. Dieser stellte sich dann auch in Person eines jungen Russens und zweier älterer Russen, die, so hatte es den Anschein, beruflich unterwegs waren. Der junge bemühte sich gleich um Kontakt, wollte mir beim Verstauen meines Gepäcks behilflich sein … es sah auch mächtig schwer aus. Da es auch schwer war und ich ihm bei seiner Statur selbst eine Mithilfe nicht zumuten wollte, dankte ich höflich und wuchtete den 20kg-Rucksack auf die Ablage über den Betten. Aber der Wille war da und bekräftigte meinen positiven Eindruck von den Menschen in Russland, der auch am kommenden Morgen weiteres Futter erhalten sollte. Dazu später mehr. Alsbald machten sich alle bettfertig und da es bereits nach Mitternacht war, wurde der biologische Schalter schnell auf Bettruhe gestellt.

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mein „Reich“ im Nachtzug St. Petersburg – Moskau

Nachdem einer nach dem Anderen im Abteil wach geworden war und sich frisch gemacht hatte, war gemeinsames Frühstücken angesagt. Ein „breakfast meal“ war im Preis mit drin und wir hatten alle dasselbe Paket, jeder durfte sich zudem eine warme Beilage auswählen. Dazu trinkt man Tee, das dafür notwendige heiße Wasser wird in ausreichendem Umfang in den Zügen umsonst angeboten. Die Kommunikation war zunächst mau, nun, es ist ja auch früh morgens und nicht jeder ist so ein gut gelaunter Frühaufsteher wie ich. Ich fragte dann den jungen Russen, wo er herkommt, er konnte nur einige Worte englisch aber mit Händen und Füßen … und mit meinem Foto-Wörterbuch entwickelte sich eine muntere morgendliche, naja, Unterhaltung wäre übertrieben, deshalb sagen wir mal Austausch von interkulturellen Banalitäten zur Person und Herkunft, sogar unter Einbeziehung der beiden Business-Russen.

Wo kommst Du her? Wo willst Du hin? Wie heißt Du? Was machst Du? Sowie einige weitere Fragen und Antworten um die dargebotenen Antworten herum. Aber was soll’s, es machte Spaß, man hat Kontakt zu den Menschen hier und wird vielleicht positiv überrascht. Ich wurde … mal wieder … denn der junge Russe bot mir nach Ankunft in Moskau gegen 8.30 Uhr an, mir beim Gepäcktragen zu helfen. Entweder sehe ich so klein und schmächtig aus, daß er mir die alleinige Bewältigung meines Gepäcktransportes nicht zutraute oder er wollte einfach nur aus Höflichkeit helfen. Ich vermute Letzteres. Zumal er anschließend weiter ausführte, daß Metrofahren in Moskau die reinste Hölle sei, man überhaupt nicht wisse, wo man Tickets bekäme und in welche Richtung man welche Linie nehmen müsse. Nun, bei Letztgenanntem musste ich ihm zustimmen, kyrillische Fahrpläne und Haltestellen zu lesen ist wahrlich nicht jedermanns Sache. Ich hatte jedoch bereits meine Erfahrung diesbezüglich in St. Petersburg gemacht und die dort gestellten Herausforderungen mit Bravour und ohne mich auch nur einmal verfahren zu haben bestanden. Dieses Mal war ich dann aber höflich und ließ ihn machen. Die hilfsbereiten Russen halt …

Der Rest ist weniger legendär, Fahrt nach Downtown Moskau war angesagt, da ich unbedingt noch Putins Reich, den Kreml, Roten Platz, Basilikus-Kathedrale, Lenin-Mausoleum, usw. sehen wollte, bevor es um 13.05 Uhr endlich mit der Transsibirischen Eisenbahn 4 Tage gen Osten nach Irkutsk und zum Baikalsee ging. Die Vorfreude war greifbar …

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Kreml und roter Platz

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Basilius-Kathedrale am roten Platz

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russische Leute (19.09.2014)

Nachdem ich nun bereits einige Tage Gast in Russland bin, möchte ich an dieser Stelle explizit ein großes Lob an meine russischen Gastgeber aussprechen.

Die Gastfreundschaft, die ich hier erfahre, habe ich so nicht erwartet. Einerseits entsprechen meine Eindrücke schon meiner bisherigen Vorstellung von einer russischen Frau und einem russischen Mann, andererseits muß ich einige bisherige Vorurteile aber auch revidieren. Die russische Frau ist sehr gepflegt bis ins Elegante und Extravagante, oftmals sehr attraktiv aber auch sehr distanziert, so daß man den Eindruck bekommen könnte, sie wäre unnahbar und eingebildet, vielleicht sogar introvertiert und stur. Ob sie das wirklich ist, wenn man ihr einmal näher gekommen ist, kann ich nicht mit Gewissheit sagen. Ich kenne nur eine russische Frau, die schon sehr lange in Deutschland wohnt und auch sie hat diese Eigenschaften durchaus aber in einer abgeschwächten eingedeutschten Form. Der russische Mann hingegen ist bei Weitem kein Macho, unsensibel und ohne Manieren, ganz im Gegenteil. Die russischen Männer, zu denen ich, logisch, bisher mehr Kontakt hatte, waren nach anfänglicher Zurückhaltung neugierig, kommunikativ, freundlich und hilfsbereit.

Den gleichen Eindruck hat auch das Schweizer Pärchen, das mit mir in der Transsib von Moskau nach Peking fährt. Die beiden reisen fast die gleiche Route wie ich, wollen auch nach Indien, danach aber weiter nach Südostasien, Neuseeland, Südsee und Südamerika … halt eine richtige Weltreise.

Die russischen Städte, die ich bisher besuchte, waren durchweg sehr sauber, mir fiel auf, daß wenige streunende Hunde und Katzen in den Städten zu sehen waren aber vielleicht gibt es dagegen ja auch geeignete Maßnahmen. Gut, wenn ich jetzt durch die abgelegenen und touristisch weniger anziehenden Ortschaften an der Strecke der Transsibirischen Eisenbahn fahre, sehe ich auch viel Elend, Schmutz, heruntergekommene Häuser und … Hunde … . Aber es ist keineswegs so, daß ich sagen würde, es wäre ein Wunder, daß hier noch alles funktioniert und ich hätte Angst, mich hier alleine durch die dunklen Straßen zu trauen. Klar, eine gewisse Vorsicht und Aufmerksamkeit ist auch hier angebracht aber das ist sie überall auf der Welt, auch bei uns und manchmal sogar nachts in Nordhorn in der Ochsenstrasse. Manch Leser hier weiß, wovon ich spreche. Für die anderen ist dieser Vergleich zu vernachlässigen.

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