Weltreisende (21./22.09.2014)

Weltreisende

Ja, Weltreisende oder neudeutsch Globetrotter scheinen offensichtlich den Beginn ihrer Reise genau auf die im Vorbericht genannte Form beginnen zu wollen, da sie genau dem beschriebenen Typus Mensch entsprechen. Viele von ihnen habe ich hier im Zug kennen gelernt. Von Andy (29) und Carmen (25) berichtete ich bereits, die haben bewußt keinen klaren Reiseplan … kein Wunder, bei Andy’s Alkoholkonsum macht das auch wenig Sinn. Heute Nachmittag kam er mir schon wieder mit roten Bäckchen, sorry, Wangen entgegen und war gut gelaunt. Die beiden Reisen mit mir bis nach Peking und machen ebenfalls in Irkutsk und Ulan Bator (Mongolei) einen Stopover. Dann fliegen sie aber nach Kathmandu (Nepal) und wollen dann wie ich weiter nach Indien. Die Andamanen habe ich ihnen in diesem Kontext schmackhaft gemacht, da Indien ansonsten strandtechnisch nicht viel zu bieten hat. Selbst die ehemals angesagte Hippie- und Aussteiger-Hochburg Goa ist mittlerweile dem Hörensagen nach im touristischen Einheitsbrei versunken und dem Massentourismus zum Opfer gefallen. Danach wollen sie über Indonesien (Borneo), die Philippinen und Neuseeland in die Südsee und weiter nach Südamerika (Chile und Argentinien) … so deren grobe Reiseroute und wohl dem, der sich eine solche rund 12-monatige Auszeit gönnen kann. Die beiden haben einfach ihren Job geschmissen, ihre Wohnung aufgelöst und den Rest an Habseligkeiten in einem Keller eingelagert und genießen ihre Freiheit – gut so.

Getreu dem buddhistischen Leitsatz „nichts ist es wert, zu haben oder zu sein“, weil alle Dinge die drei universellen buddhistischen Merkmale gemeinsam haben … „Vergänglichkeit“, „Unzulänglichkeit“ und „Nicht-Selbst“. Hierzu zur Vertiefung ein kleiner buddhistischer Exkurs im nächsten Beitrag.

Anhang 3

Jorrit, Jolien und ich – 3 Holländer auf Tour, naja, sagen wir 2,5 … viel Spaß ihr beiden auf eurem Trip, es war nett mich euch / enjoy your further trip, it was nice to meet and to spend some days with you …

Nun kommen wir zu Jorrit (27) und Jolien (25). Die beiden sind eigentlich ein Muster-Pärchen, seit 6 Jahren zusammen. Wie die Namen es dem kundigen grenznah wohnenden Niedersachsen bereits nahe legen, kommen die beiden aus dem Land des WM-Dritten, den Niederlanden. Damit nicht genug, Jorrit kommt gebürtig aus Oldenzaal und ist somit quasi Nachbar von mir *schmunzel*. Nachbar im wahren Leben, Nachbar im Reiseleben, die beiden begleiten mich also in meinem 4er-Abteil, wir reden überwiegend englisch obwohl Jorrit auch deutsch kann, Jolien aber nicht. Zusammen mit Andy und Carmen sind wir so eine Art „temporäre Clique“ während der Zugfahrt, wir verstehen uns gut. Die beiden haben bis Nepal in etwa dieselbe Reiseroute wie ich, in Ulan Bator werden sich unsere Wege jedoch trennen, da die beiden einen längeren Trip in die Wüste Gobi planen. Anschließend geht es für die beiden nach Myanmar, Thailand, Vietnam, Indonesien, Philippinen, Australien (work & travel), Neuseeland und dann nach Südamerika. Sie planen dafür mindestens 12 Monate ein, rechnen aber eher mit 18-24 Monaten, auch aufgrund des längeren Work&Travel-Aufenthaltes in Australien … irgendwo muss ja die Kohle herkommen für die weitere Reise.

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VOR dem unten beschrieben Abend … die Banane von Andy ist nur Alibi 🙂 von links nach rechts: Andy, Carmen, Jorrit, Jolien

Gestern Abend hatten wir eine Menge Spaß zu fünft. Wir haben uns abends im Abteil von Andy und Carmen getroffen, da deren russischer Mitreisender in Nowosibirsk den Zug verlassen hatte, kein neuer Passagier hinzu kam und sie somit ein 4er-Abteil zu zweit alleine hatten. Ein Schelm, wer Obszönes dabei denkt in Bezug auf dessen, was da nachts noch gelaufen sein könnte … oder auch nicht. Denn in Nowosibirsk, dem letzten größeren Stop vor Irkutsk wurde alkoholtechnisch noch einmal mächtig nachgerüstet. Die vier hatten 2 Flaschen Vodka und zwei 2-Liter(!)-Flaschen Bier besorgt … heute Morgen war lediglich in einer Vodka-Flasche noch etwa ein Viertel übrig. Dementsprechend sahen die Jungspunde dann auch aus, nämlich gar nicht mehr so jung. Mich betrachten die vier wohl eher als Papa und gute, weise Seele, entließen mich nach einigen Runden Uno und in Anspielung auf mein biblisches Alter dann auch ohne großes Murren in den wohlverdienten Schlaf (you remember … Trainlag-Risiko … immer eine Stunde früher ins Bett, da war ich eisern). Was danach geschah ist nur partiell überliefert. Man munkelt, die Zugschaffnerin habe, ob der Lautstärke, wohl mehrmals ermahnend eingreifen müssen und wann sich die feuchtfröhliche Runde aufgelöst hat, konnte mir am Montagmorgen keiner der jungen Leute in Ermangelung entsprechenden Gedächtnisinhaltes genau sagen. „Ist doch sowieso egal“, lallte mir Andy dann heute Morgen entgegen, „Hauptsache wir hatten Spaß und genug zu trinken“. Stimmt!

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