Transsib-Prolog (19.09.2014)

Die Tage in St. Petersburg sind also gezählt, gestern Abend bin ich mit dem Zug von St. Petersburg nach Moskau gereist. Ich war schon gespannt darauf, wie das Zugfahren im Generellen und das Reisen und Übernachten im 4-Bett-Schlafabteil in den Zügen im Speziellen so ist. Nun, ich muß sagen, der Prolog zur dann im Anschluss beginnenden längsten Etappe mit der Transsibirischen Eisenbahn war durchaus vielversprechend, angenehm und positiv. Man muß jedoch relativierend erwähnen, daß der Nachtzug St. Petersburg – Moskau ein Expresszug war und in Bezug auf Komfort und Service bestimmt eine Stufe über der Reise in der 2. Klasse mit der Transsib einzuordnen ist. Der Expresszug fuhr Donnerstagabend pünktlich um 23.30 Uhr ab, ich war frühzeitig am Bahnhof und bezog sogleich mein Abteil und Bett, müde war ich zu der Zeit sowieso schon.

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Boading beim Nacht-Express. Jeder Waggon hat eine eigene Schaffnerin, die hübsch und gut gekleidet die Tickets kontrolliert, im Waggon bedient und sauber macht.

Neugierig darauf, wen ich als Bettgenossen zugeteilt bekommen habe, wartete ich auf Zuwachs im Abteil. Dieser stellte sich dann auch in Person eines jungen Russens und zweier älterer Russen, die, so hatte es den Anschein, beruflich unterwegs waren. Der junge bemühte sich gleich um Kontakt, wollte mir beim Verstauen meines Gepäcks behilflich sein … es sah auch mächtig schwer aus. Da es auch schwer war und ich ihm bei seiner Statur selbst eine Mithilfe nicht zumuten wollte, dankte ich höflich und wuchtete den 20kg-Rucksack auf die Ablage über den Betten. Aber der Wille war da und bekräftigte meinen positiven Eindruck von den Menschen in Russland, der auch am kommenden Morgen weiteres Futter erhalten sollte. Dazu später mehr. Alsbald machten sich alle bettfertig und da es bereits nach Mitternacht war, wurde der biologische Schalter schnell auf Bettruhe gestellt.

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mein „Reich“ im Nachtzug St. Petersburg – Moskau

Nachdem einer nach dem Anderen im Abteil wach geworden war und sich frisch gemacht hatte, war gemeinsames Frühstücken angesagt. Ein „breakfast meal“ war im Preis mit drin und wir hatten alle dasselbe Paket, jeder durfte sich zudem eine warme Beilage auswählen. Dazu trinkt man Tee, das dafür notwendige heiße Wasser wird in ausreichendem Umfang in den Zügen umsonst angeboten. Die Kommunikation war zunächst mau, nun, es ist ja auch früh morgens und nicht jeder ist so ein gut gelaunter Frühaufsteher wie ich. Ich fragte dann den jungen Russen, wo er herkommt, er konnte nur einige Worte englisch aber mit Händen und Füßen … und mit meinem Foto-Wörterbuch entwickelte sich eine muntere morgendliche, naja, Unterhaltung wäre übertrieben, deshalb sagen wir mal Austausch von interkulturellen Banalitäten zur Person und Herkunft, sogar unter Einbeziehung der beiden Business-Russen.

Wo kommst Du her? Wo willst Du hin? Wie heißt Du? Was machst Du? Sowie einige weitere Fragen und Antworten um die dargebotenen Antworten herum. Aber was soll’s, es machte Spaß, man hat Kontakt zu den Menschen hier und wird vielleicht positiv überrascht. Ich wurde … mal wieder … denn der junge Russe bot mir nach Ankunft in Moskau gegen 8.30 Uhr an, mir beim Gepäcktragen zu helfen. Entweder sehe ich so klein und schmächtig aus, daß er mir die alleinige Bewältigung meines Gepäcktransportes nicht zutraute oder er wollte einfach nur aus Höflichkeit helfen. Ich vermute Letzteres. Zumal er anschließend weiter ausführte, daß Metrofahren in Moskau die reinste Hölle sei, man überhaupt nicht wisse, wo man Tickets bekäme und in welche Richtung man welche Linie nehmen müsse. Nun, bei Letztgenanntem musste ich ihm zustimmen, kyrillische Fahrpläne und Haltestellen zu lesen ist wahrlich nicht jedermanns Sache. Ich hatte jedoch bereits meine Erfahrung diesbezüglich in St. Petersburg gemacht und die dort gestellten Herausforderungen mit Bravour und ohne mich auch nur einmal verfahren zu haben bestanden. Dieses Mal war ich dann aber höflich und ließ ihn machen. Die hilfsbereiten Russen halt …

Der Rest ist weniger legendär, Fahrt nach Downtown Moskau war angesagt, da ich unbedingt noch Putins Reich, den Kreml, Roten Platz, Basilikus-Kathedrale, Lenin-Mausoleum, usw. sehen wollte, bevor es um 13.05 Uhr endlich mit der Transsibirischen Eisenbahn 4 Tage gen Osten nach Irkutsk und zum Baikalsee ging. Die Vorfreude war greifbar …

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Kreml und roter Platz

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Basilius-Kathedrale am roten Platz

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