Nachdem ich nun bereits einige Tage Gast in Russland bin, möchte ich an dieser Stelle explizit ein großes Lob an meine russischen Gastgeber aussprechen.
Die Gastfreundschaft, die ich hier erfahre, habe ich so nicht erwartet. Einerseits entsprechen meine Eindrücke schon meiner bisherigen Vorstellung von einer russischen Frau und einem russischen Mann, andererseits muß ich einige bisherige Vorurteile aber auch revidieren. Die russische Frau ist sehr gepflegt bis ins Elegante und Extravagante, oftmals sehr attraktiv aber auch sehr distanziert, so daß man den Eindruck bekommen könnte, sie wäre unnahbar und eingebildet, vielleicht sogar introvertiert und stur. Ob sie das wirklich ist, wenn man ihr einmal näher gekommen ist, kann ich nicht mit Gewissheit sagen. Ich kenne nur eine russische Frau, die schon sehr lange in Deutschland wohnt und auch sie hat diese Eigenschaften durchaus aber in einer abgeschwächten eingedeutschten Form. Der russische Mann hingegen ist bei Weitem kein Macho, unsensibel und ohne Manieren, ganz im Gegenteil. Die russischen Männer, zu denen ich, logisch, bisher mehr Kontakt hatte, waren nach anfänglicher Zurückhaltung neugierig, kommunikativ, freundlich und hilfsbereit.
Den gleichen Eindruck hat auch das Schweizer Pärchen, das mit mir in der Transsib von Moskau nach Peking fährt. Die beiden reisen fast die gleiche Route wie ich, wollen auch nach Indien, danach aber weiter nach Südostasien, Neuseeland, Südsee und Südamerika … halt eine richtige Weltreise.
Die russischen Städte, die ich bisher besuchte, waren durchweg sehr sauber, mir fiel auf, daß wenige streunende Hunde und Katzen in den Städten zu sehen waren aber vielleicht gibt es dagegen ja auch geeignete Maßnahmen. Gut, wenn ich jetzt durch die abgelegenen und touristisch weniger anziehenden Ortschaften an der Strecke der Transsibirischen Eisenbahn fahre, sehe ich auch viel Elend, Schmutz, heruntergekommene Häuser und … Hunde … . Aber es ist keineswegs so, daß ich sagen würde, es wäre ein Wunder, daß hier noch alles funktioniert und ich hätte Angst, mich hier alleine durch die dunklen Straßen zu trauen. Klar, eine gewisse Vorsicht und Aufmerksamkeit ist auch hier angebracht aber das ist sie überall auf der Welt, auch bei uns und manchmal sogar nachts in Nordhorn in der Ochsenstrasse. Manch Leser hier weiß, wovon ich spreche. Für die anderen ist dieser Vergleich zu vernachlässigen.