Das ist der Name der Tibeter für den Mt. Everest, für sie hat der Berg spirituellen Charakter.
Mir ging es bescheiden an diesem bitterkalten und noch dunklen Freitagmorgen. Das einzig Gute: die Nacht war kurz und so brauchte ich mich nicht noch länger mit massiven Kopfschmerzen im eiskalten Bett herumwälzen. Wir sind auf 5.150 Metern, die Höhe macht nun auch mir zu schaffen. Vitalij aus Lettland, mit dem ich seit Beginn unserer Reise ein Doppelzimmer teile, hat mich zudem angesteckt, ich habe Halsschmerzen und fühle mich körperlich schlapp. Er hat schon seit einer Woche eine hartnäckige Erkältung. Obwohl die Ibuprofen 600 Tabletten nur 1 Meter Luftlinie entfernt in meinem Rucksack verstaut sind, kann ich mich nicht durchringen, aus meinem halbwegs warmen Daunen-Schlafsack zu kriechen.
Insgesamt waren das keine guten Voraussetzungen für die 3-stündige Trekking-Tour zum Everest Base Camp aber die Aussicht darauf, mich dem höchsten Berg der Erde bis an seinen Fuß zu nähern und dort den Sonnenaufgang zu erleben, spornte mich an. Ich hatte angezogen geschlafen, meine Kleidung, die ich tragen wollte, war demnach vorgewärmt. Ich zog Fleece- und Softshell-Jacke drüber, warf zwei Ibu 600 ein, band mein Buff zur Mütze, Kapuze der Jacke drüber, festschnüren und raus ging es in die -15 Grad kalte Himalaya-Nacht … Everest, wir kommen …
Es war ein unbeschreibliches Gefühl, eine Gänsehaut jagte die andere, Adrenalin und Glückshormone verfehlten ihre Wirkung nicht. Da standen wir, den Mt. Everest in Sichtweite, ohne Zoom oder Fernglas. Die Dämmerung war bereits weit fortgeschritten, der Sonnenaufgang stand bevor. Punktlandung!
Er sieht so unscheinbar aus, so brav und dabei ist er doch so gefährlich. Hunderten von Menschen hat er das Leben gekostet, ab 8.000 Metern beginnt die Todeszone, sie war es für unzählige Bergsteiger. „Was treibt solche Menschen an, diesen Berg bezwingen zu wollen?“, habe ich mich immer gefragt. Jetzt weiß ich es! Es ist magisch, eine Anziehungskraft. Du stehst davor und willst immer näher, immer höher, das Maximum erreichen. Bei mir meldet sich dann der Verstand … und meine Kopfschmerzen. Vom Grundsatz her bin ich aber auch so drauf, mittlerweile brauche ich Risiko jedoch nur noch im überschaubaren Umfang, eine angemessene Herausforderung reicht mir. Und letzten Endes hätte ich vor so einer Exkursion mit ungewissem Ausgang doch viel zu großen Schiss.
Das Leben ist wichtig, man hat ja nur eines! Obwohl, so lange ich noch nicht erleuchtet bin, komme ich nicht ins Nirvana und werde folglich wieder geboren. Na dann kann ja nix passieren, erleuchtet bin ich noch lange nicht. Vielleicht klettere ich doch noch hoch …







