Schlusswort

Ich habe mal gelesen, daß einen guten Schriftsteller ausmacht, daß er weiß, wann er mit dem Schreiben aufhören muß. Gut, dann will ich mal ein guter Schriftsteller sein und mit diesem Beitrag das Ende dieses Blogs einläuten.

Ich weiß, es wird verdammt hart für euch alle, man hat sich an das Lesen der spannenden (Reise-)Geschichten in den letzten Monaten gewöhnt … aber glaubt mir, das geht auch mir so. Ich habe mich an das Bloggen sehr gewöhnt, es hat mir Spaß gemacht, meiner Außenwelt auf hoffentlich anschauliche, objektive und amüsante Art und Weise die Welt, in der ich mich seit September bewege, ein wenig näher zu bringen. Wenn es mir zudem noch gelungen ist, die eine oder andere Anregung zu geben, für den einen oder anderen Missstand in unserer Welt und für die eine oder andere Kritik, sowohl positive als auch negative, an dem, was in unserer Welt so passiert, zu sensibilisieren, dann bin ich glücklich und dann hat dieser Blog vollumfänglich seine Aufgabe erfüllt.

Was bleibt zu den Ländern und ihren Menschen in Zentralasien und Fernost, die ich bereist habe, abschließend zu sagen? Nun, grundsätzlich kann ich vorbehaltlos sagen, daß JEDES der bereisten Länder eine individuell wundervolle kulturelle und landschaftliche Vielfalt mit jeweils anderen Schwerpunkten zu bieten hatte, ausnahmslos.

Angefangen in St. Petersburg mit seiner prunkvollen Altstadt und den verspielten Palästen Peterhof und Katharinenpalast über die Moskauer Basiliuskathedrale und den Kreml bis in die schönste Stadt Sibiriens, Irkutsk, mit dem nahe gelegenen tiefsten See der Erde, den Baikalsee, hat Russland eine außerordentliche Vielfalt an kulturellen und landschaftlichen Schätzen zu bieten. Dieses riesige Land mit der Transsibirischen Eisenbahn quer durch Sibirien von West nach Ost zu erschließen, war ein besonderes Erlebnis.

Das Überbleibsel des ehemalige Weltreichs der Mongolen, die Mongolei, mit seinen weiten Steppenlandschaften und seinen Menschen, die ein enormer Stolz auf ihre Geschichte und ihre Vorfahren, allen voran Dschinghis Khan, prägt, war eine weitere spannende Etappe gen Osten Richtung China.

Nun gut, mit den Chinesen an sich stand ich von Anfang an ein wenig auf Kriegsfuß. Das lag nicht zuletzt daran, daß mir Tibet sehr ans Herz gewachsen ist und es einfach nicht in Ordnung ist, wie sehr die Menschen und ihre Kultur dort unter dem chinesischen Regime leiden. Dennoch, China ist nicht zuletzt wegen seiner grandiosen jahrtausendealten Ming- und Qing-Dynastien und seiner kulturellen Hinterlassenschaften ein Wunderwerk an sich. Egal, ob chinesische Mauer, verbotene Stadt, Sommerpalast, Palast des Himmels oder Terrakotta-Armee … jede dieser Stätten ist einmalig und grandios und die Liste ließe sich noch seitenlang fortsetzen.

Ich weigere mich auch weiterhin standhaft, Tibet als Teil Chinas zu betrachten. Für mich hat die Reise auf das Dach der Welt eine ganz besondere Bedeutung. Es war eine einzigartige spirituelle Erfahrung, mich mit den Buddhisten vor Sonnenaufgang bei der Kora im Uhrzeigersinn um ihre heiligen Stätten zu bewegen und gebetsmühlenartig eben diese zu drehen. Diese Erfahrung hat mich tief bewegt und mir erst einen richtigen Eindruck von der tiefen Religiosität dieser so warmherzigen, liebenswerten und freundlichen Menschen und ihre Verbundenheit mit ihren Göttern, weltlichen Vorbildern sowie ihrem Land und ihrer Kultur vermittelt.

Nepal und das quirlige Kathmandu-Valley war nach der bewegenden (und kalten) Reise durch Tibet ein erholsamer Kontrast. Sich durch die engen Gassen des geschäftigen Thamel zu zwängen, war genau das richtige Intermezzo vor meiner Einkehr in mich selbst. Der Aufenthalt und Rückzug im Meditationszentrum in Lumbini hat mir letztlich neue Erkenntnisse über mich selbst gebracht und die Gewissheit, daß man sein Handeln durch die Beeinflussung seiner Gedanken steuern kann. Dies ist eine Erfahrung, die einen signifikanten Einfluss auf die, sind wir mal optimistisch, zweite Hälfte meines Lebens haben wird.

Indien … tja, was soll ich sagen? Zu den Indern (und auch zu Indien als Land) habe ich ein ausgeprägt ambivalentes Verhältnis. Indien ist schwierig – in jeder Hinsicht. Ich denke, es gibt nur zwei Möglichkeiten … entweder man kommt mit dem Land, seinen Besonderheiten und den Menschen klar oder eben nicht. Ich habe mich ehrlich schwer getan, Zugang zu den Indern zu finden. Indien als Land ist fantastisch schön und sehenswert, das ganze Drumherum, die Armut, die an jeder Ecke zu erkennende Spaltung der Gesellschaft durch das Kastenwesen, die Gleichgültigkeit der höheren gegenüber den niederen Kasten bis hin zur Verachtung, der Verkehr und der Lärm, die hohe Menschendichte (Privatsphäre hat man nur in seinem Einzelzimmer, sonst nirgends) all das macht es einem jedoch schwer, diese positiven Eindrücke zu geniessen. Je länger ich in diesem Land gereist bin, desto mehr hatte ich das Verlangen, es bald wieder zu verlassen. Vielleicht tut man sich leichter, wenn man Indien in mehrere kürzere Reisen teilt … aber vielleicht liegt dieses Verlangen auch einfach nur an meinem nun schon vierwöchigen Befall meines Magen-/Darmtraktes durch die indischen Mikroben, dem die Winzlinge schon arg zugesetzt haben …

So, das war mein abschließender Roundup über die vergangenen Monate und die bereisten Länder, der noch einmal meine wichtigsten Erfahrungen, Erkenntnisse und Gefühle wider spiegelt.

Ich habe oft daran gedacht, wie diese Reise verlaufen wäre, wenn nicht 7 Minuten über ihren Verlauf entschieden hätten. Das Erlebnis haftete mir die ganze Reise lang im Gedächtnis. Ich hatte mich in Irkutsk quasi damit abgefunden, den Zug in die Mongolei zu verpassen, das hätte meine gesamte Reiseplanung bis nach Tibet über den Haufen geworfen. Mit unbändigem Willen und unter Mobilisierung aller mir möglichen Ideen und Kräfte habe ich darum gekämpft, den Zug zu erreichen und mich nicht mit dem scheinbar Unausweichlichen abgefunden. Ich wiederhole Rüdiger Nehbergs Worte gerne: Glück ist, wenn Vorbereitung auf Chance trifft …

Nur so konnte ich in diesem Zug so tollen Menschen, wie Greg, Lisa, Andy oder Carmen begegnen, die mir gute Freunde geworden sind und mit denen ich heute noch schreibe. Nur so konnte sich die weitere Reise so positiv und in jeder Hinsicht wunderbar und einmalig entwickeln.

Auch das ist eine Lehre aus dem Erlebten … finde Dich nie mit irgendetwas ab, mit dem Du nicht einverstanden bist. Kämpfe für Deine Ziele und gib nicht auf. Dann wirst Du im Ergebnis dafür belohnt!

Ich möchte dieses Schlusswort mit einem eben solchen beenden, eines das in einem Wort am Besten meine gegenwärtige Gefühlslage ausdrückt … Danke!, Spasibo!, Bayarlalaa!, Xie xie!, Dhanyabad!, Dhanyavaad! …

… für eine wundervolle und unvergessliche Zeit als Gast in euren Ländern.

Namasté!

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kulinarische Entwicklungshilfe

An den Stränden hier stehen immer Schilder, man solle nichts zurück lassen, außer seine Fußabdrücke. Dieser Wink mit dem Zaunpfahl gilt insbesondere (aber nicht ausschließlich!) dem gemeinen Inder, der seinen Müll überall hinwirft und zurück lässt. „Nö,“, dachte ich mir eines Abends, „irgendwas Sinnvolles musst Du dem Land hier außer deinen Fussabdrücken noch zusätzlich hinterlassen!“. Gesagt, getan … zu beurteilen, ob es was Sinnvolles ist, überlasse ich euch …

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wer einen Blick vom Strand hinter die grüne Fassade wirft, wird oft solche Bilder sehen …

Indien ist einerseits bekannt für seine sehr leckeren Chapati- oder Naan-Fladen, die fast zu jedem Thali-Gericht gereicht werden und oftmals auch das Besteck ersetzen. Die Dinger sehen ein wenig aus wie gegrillte Crepes und schmecken auch so …

Eines Tages beim Gang durch den „Supermarkt“ auf Havelock wurde ich zudem mit Nutella überrascht. Nutella, hier auf den Inseln! Da hat es über 20.000 Kilometer und eine Reise von Lübeck bis nach Havelock gebraucht, bis ich endlich mein heiß geliebtes Nutella finde. Naja, das Mindesthaltbarkeitsdatum habe ich bewußt nicht angeschaut. „Ist ja mehr oder weniger Schokolade“, dachte ich mir, „Die wird ja nicht schlecht“.

Meine Gedanken kombinierten statt dessen fleißig weiter und produzierten als Ergebnis ein gegrilltes Nutella-Crepes. Mit dieser Idee konfrontierte ich den Koch meines Vorzugs-Restaurants, der mich freilich nur mit großen Augen anschaute. Aus seinen großen Augen wurde bei ihm jedoch schnell gedanklich ein großes Portemonnaie, als er sah, wie andere Traveller mich danach fragten, wo ich denn das Nutella-Crepes her hätte. Das Ende schien offen, da ich zwei Tage später abreisen musste. Aber er versprach mir, die Idee zu verfolgen. Klar, daß er nicht offen sagt, wie geil die Idee ist. Er hatte wahrscheinlich Angst, mich an den zukünftigen Erträgen partizipieren lassen zu müssen … Naja, bei den Preisen hier, ist die Angst letztlich reichlich unbegründet. Und siehe da, er hatte die Idee tatsächlich verfolgt und dachte wohl, ich sei schon weg …

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Des indischen Festland-Essens reichlich überdrüssig, wurde ich kulinarisch auf den Andamanen als Gegenleistung schließlich mehr als verwöhnt. Ganz oben auf dem Speiseplan stand natürlich frisches Meeresgetier aller Artenklassen. Super lecker! Angefangen von auf einem Bananenblatt gegrillten und sehr lecker gewürzten (z.B. Chilli-Koriander-Pfeffer-Pannade) Butterfisch, Red Snapper, Thunfisch oder Seeteufel über Riesengarnelen bis hin zu Hummer wurde alles geboten und das zu Preisen, die einem die Röte vor Scham ins Gesicht treiben. Inklusive Beilagen und Salat sind oben genannte Fische größeren Kalibers für umgerechnet 3,5 bis 6 Euro zu haben. Am letzten Abend habe ich mir mal dekadent einen ganzen Lobster gegönnt, eine Delikatesse. Köstlich! Preis inkl. Beilagen: 12 Euro … noch Fragen?

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Fisch kauft man direkt am Markt und nimmt ihn mit in das Restaurant seines Vertrauens … Zubereitung inklusive …

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letztes Foto-Update

Hallo ihr Lieben,

ich habe nun die letzten Indien-Fotos der vergangenen paar Wochen bis einschließlich heute hoch geladen, die Foto-Galerie ist demnach up-to-date und vollständig.

Das war’s demnach auch hier, weitere Fotos kommen leider nicht mehr dazu.

Seht ihr die Träne???

Nevertheless, enjoy …

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digitale Seele

Ihr erinnert euch an Vitalij? Mit Vitalij aus Lettland hatte ich das Zimmer auf meiner Reise durch Tibet geteilt. Er hatte damals übrigens eine geniale Geschäftsidee, die ich euch nicht vorenthalten möchte, so genial ist die.

Eines abends als wir fröstelnd im Zimmer lagen und über unsere Jobs plauderten, erzählte ich ihm, daß ich IT-Manager wäre. Als wir einige Zeit später über Religion und Buddhismus fachsimpelten, kam er auf die grandiose Idee, man könne die menschliche Seele doch in einen Computer kopieren und dort langfristig speichern, dann wäre sie unabhängig vom menschlichen Körper und insbesondere im Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt nicht immer auf einen Wirtskörper angewiesen … ganz schön clever die Litauer oder? …

Seiner Ansicht nach solle ich die Idee übrigens unbedingt mit den Mönchen in Lumbini diskutieren … was ich natürlich nicht gemacht habe, da ich vor hatte, dort länger zu bleiben. Interessant wäre es allemal, zu wissen, was der Mönch dazu gesagt hätte …

Wenn mir das gelänge, könnte ich meine Seele in der Cloud, z.B. in meinem Blog, speichern, dann könnt ihr alle sie abrufen, wann immer ihr möchtet … und der dazu gehörige menschliche Körper kann weiter durch die Welt tingeln, quasi als seelenloser Zombie … 😉

Letztlich denke ich, hatte die Höhenkrankheit auch ihn fest im Griff, da scheint doch was dran zu sein … obwohl … letzte Woche schrieb er mir von zuhause und fragte mich nach der Umsetzung der Idee!? Meines Wissens liegt Riga nicht sooooo hoch …

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Elefanten und Krokodile

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kilometerlanger feinster weisser Sandstrand am Radhanagar Beach

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Von Port Blair ging’s mit der Fähre am Nikolaustag in 2,5 Stunden nach Havelock Island. Begleitet wurden wir während der Überfahrt von Delfinen und Meeresschildkröten. Die größte dieser Spezies lebt rund um die Inseln, sie konnte ich auch beim Tauchen beobachten. Am Samstag mußte ich mich zunächst davon überzeugen, ob der bereits erwähnte Radhanagar Beach den Titel „Strand des Jahres in Asien 2004“ zurecht trägt. Tut er! Ich habe zwar schon viele wunderschöne Strände zwischen Hawaii und Neuseeland (ostwärts, nicht westwärts versteht sich ;-)) gesehen, der Radhanagar Beach ist jedoch schon außergewöhnlich schön, weil nicht nur einfach traumhaft idyllisch, sondern zudem auch ursprünglich und trotz seiner Etikette wenig kommerziell ausgeschlachtet – sehr angenehm.

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Fähre auf indisch … wahrlich incredible, dieses India

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Die Tage danach war ich mit Alexa und Christoph, ein Paar aus München, am Elephant Beach schnorcheln, bevor es dann unter Wasser ging. Der Elephant Beach ist der beste Schnorchel-Spot auf Havelock, da das sehr schöne Riff viele bunte tropische Fische und intakte Korallen zu bieten hat und zudem mit Flossen und guter Beinmuskulatur vom Strand aus erreichbar ist. Der Strand heißt übrigens so, weil in diesem Inselabschnitt noch viele wilde Elefanten im Dschungel leben … und Krokodile. Es ist folglich angebracht, beim Schnorcheln in Strandnähe oder beim Sonnenbaden dort aufzupassen. Vor einiger Zeit soll ein Amerikaner, der allzu unbekümmert war, von einem Krokodil verspeist worden sein, so die Legenden der Einheimischen. Ich hab kein Krokodil gesehen, obwohl wir von dem Punkt, an dem uns der Bus abgesetzt hatte, noch etwa eine Stunde durch den Dschungel wandern mussten, um zum Elephant Beach zu kommen. Der ist sonst nämlich nur vom Wasser aus zu erreichen, für uns war das selbstredend eine Herausforderung. So konnte ich gleichzeitig meine ersten Trekkingerlebnisse auf Havelock machen und einige schöne Dschungelimpressionen digital festhalten.

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üppiges grün im Inselinneren …

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… idealer Lebensraum für eine Vielzahl von Lebewesen

Die Tauchreviere rund um Havelock sind zahlreich, vielfältig und artenreich – ein absoluter Insidertip für jeden Tauchbegeisterten. Das Wasser ist glasklar, selbst in der Tiefe, so daß man eine gute Weitsicht hat und das Tauchrevier prima überblicken kann.

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Indisches Alcatraz

An Sehenswertem haben die Andamanen und Nikobaren, ich werde sie in Zukunft der Einfachheit halber nur Andamanen nennen, nicht viel zu bieten, weshalb die abwechslungsreiche Geschichte der Inseln hierfür herhalten muß.

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das Cellular Jail mit den heute zu besichtigenden Gefängnistrakten

Als Relikt vergangener Zeiten, in denen Menschenleben wenig zählten und die Lebenserwartung durch Pest, Cholera, Malaria oder skrupellose Besatzer oder Freibeuter kaum mehr als 30 Jahre betrug, existiert in Port Blair noch das Cellular Jail, ein Gefängniskomplex aus dem 17. Jahrhundert. Die Andamanen wurden seit mehr als 300 Jahren bis zur Unabhängigkeit Indiens 1947 als Gefängnisinseln genutzt. Selbstredend – wer hier hingekommen ist, für den war das Betreten des Eilandes das letzte Fleckchen Erde, das er in seinem Leben betritt. Weg gekommen ist hier niemand – zumindest nicht lebend.

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und so sah der gesamte Komplex früher einmal aus …

Das Gefängnis ist quasi ein Freiluftmuseum, daß sehr eindrücklich und lebhaft-beklemmend die erbarmungslose Nutzung der unterschiedlichsten Besatzer widerspiegelt, angefangen bei den Folterinstrumenten und -stätten über die Hinrichtungsräume mit Galgen bis hin zu den endlosen Zellentrakten.

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Endstation vieler Gefangenen

Insbesondere in den Zeiten der britischen Kolonialisierung Indiens wurden zahlreiche indische Freiheitskämpfer hierhin deportiert und grausam gefoltert bis in den Tod, der, wenn nicht durch die Folter herbei geführt, die bedauernswerten Geschöpfe, die hier unter unmenschlichen Bedingungen inhaftiert waren, durch Krankheiten oder Seuchen dahin raffte.

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Menschensafari

Hunderte Touristen, die Mehrheit aus Indien, Israel, den USA und Großbritannien, reisen auf den Andamanen täglich entlang einer Straße, die durch das Schutzgebiet der Jarawa, einem indigenen Volk, führt. Viele hoffen, ein Mitglied der 400 Angehörigen des Jarawa-Volkes zu sehen – es wird angenommen, dass ihre Vorfahren Teil der ersten Völkerwanderung aus Afrika waren – und behandeln sie wie Tiere in einem Zoo.

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Der Aufruf, Touristen davon abzuhalten durch das Land der Jarawa zu reisen, wurde bereits von Tausenden unterstützt

Die „Menschensafaris“ wurden von den Vereinten Nationen und von Indiens Minister für indigene Angelegenheiten verurteilt: Sie bezeichneten sie als „schändlich“ und als eine „Peinlichkeit“. Es wurden auch tausende Briefe an Indiens Regierung geschickt, mit der Aufforderung die Touren zu beenden.

Aber trotz des Beschlusses des obersten Gerichtes Indiens im Januar 2013, welcher Touristen vorübergehend daran hinderte der Straße entlang zu reisen, haben die Behörden der Andamanen alles getan, um die Straße für Touristen offen zu halten. Sie änderten sogar ihre eigenen Regeln bezüglich der Pufferzone, um „Menschensafaris“ weiterhin zu erlauben. Unglaublich!

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Die Lebensweise der Jarawa ist aufgrund hunderter gaffender Touristen, die jeden Tag durch ihr Land kommen, stark beeinträchtigt.

In den Augen dieser „Reisenden“ werden die Andamanen zunehmend zu einem Synonym für ‘Menschensafaris’. Der Ruf der Inseln wurde durch diesen bei uns zwar weniger bekannten aber dennoch existenten Skandal zweifellos stark geschädigt. Es ist überraschend, dass die lokale Regierung dermaßen zögert, den Touristen und Einheimischen eine alternative Seeroute zur Verfügung zu stellen, da es wesentlich schneller und billiger ist, mit dem Boot zu reisen.

Anfang 2013 wurde zu einem Tourismusboykott für die indischen Andamanen Inseln aufgerufen, dem über zweitausend Menschen nachgekommen sind. Das hört sich zunächst nicht viel an, für die touristisch noch wenig bekannten Andamanen ist das aber eine ganze Menge.

Es ist sehr sehr schade, daß die negativen Auswirkungen des Tourismus offensichtlich bereits auch die Andamanen erreicht haben …

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Tropischer Traum

Es verbietet sich eigentlich, die wundervollen Eindrücke, die Farben der Natur und die Idylle hier kaputt zu reden bzw. zu schreiben aber ein paar Worte seien dennoch erlaubt, bevor ich euch mit den Impressionen zu diesen tropischen, ursprünglichen und wunderschönen Eilanden im kalten Deutschland alleine lasse.

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Palmenstrand mit Bunker – Relikte aus dem 2. Weltkrieg, selbst auf den Andamanen

Wie bereits erwähnt, war primär relaxen, tauchen und Trekking angesagt. Genau in dieser Reihenfolge bin ich die ersten 1,5 Wochen auch angegangen.

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die Strände sind so schön, da baden sogar die Kühe …

South Andaman Island mit der Hauptstadt Port Blair ist eigentlich nur eine Durchgangsstation und Verkehrsknotenpunkt der Inseln. Hier starten und enden die meisten Fähren und hier kommen auch die Inlandsflüge aus Chennai oder Kalkutta an. Die meisten Besucher starten von hier aus am selben oder spätestens dem nächsten Tag nach Ankunft in Port Blair mit der Fähre durch auf eine oder mehrere der touristisch freigegebenen Inseln Havelock Island, Neil Island oder auf die kleinen Andamanen. Ich jedoch nicht, ich blieb vier Nächte auf South Andaman und ließ mir von einem einheimischen Tuk-Tuk-Fahrer mit seiner Motor-Rikscha die unbekannten Ecken der Insel zeigen. Theoretisch kann man an die 200 Kilometer Richtung Norden fahren, in das Gebiet der Ureinwohner der Inseln. Dies ist jedoch Schutzgebiet und man sollte den Lebensraum der ethnischen Völker dort respektieren. Einige sogenannte Reiseveranstalter bieten dennoch explizit Touren zu diesen „ethnic tribes“ an, Nachfrage scheint offensichtlich da zu sein. Das die Touren dann auch noch als Öko-Tourismus verkauft wird, setzt dem ganzen Spektakel die Krone auf. Das ganze Drumherum hierzu ist jedoch eine eigene Geschichte, die separat erzählt werden will …

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Back to the 80’s

So ihr Lieben, da bin ich wieder. Nicht, daß ihr meint, der Scheffer läßt jetzt die Seele (apropos Seele, dazu gibt’s noch einen lustigen Extra-Beitrag) baumeln und schert sich nicht mehr um seinen Blog. Stimmt, ich lasse die Seele baumeln, die baumelt schon fast am Boden. Liebend gerne würde ich deshalb meinem neuen Urlaubshobby, dem Bloggen, nachgehen … wenn ich denn könnte.

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Corbyn’s Cove Beach – auch auf South Andaman Island gibt es schöne Strände

Die Andamanen – so wunderbar sie auch sind – sind digitales und neo-kommunikatives Niemandsland. Es ist, wie in den guten alten 80ern, ich kann da ja mitreden. Man kann telefonieren, für 2,99 Euro die Minute, das war’s. Es gibt zwar Internet-Shops, doch auch die funktionieren, wie Internet in den 80ern funktioniert hätte, nämlich garnicht oder mit Datenraten und einer Bandbreite, die jeden modernen Web-Service mit einem TimeOut in die Knie zwingen. In den späten 80ern, dem Zeitalter von Akustikkopplern und Analog-Modems hätte jeder Mensch, der halbwegs bei Verstand ist, freiwillig auf Internet und die dazugehörigen Dienste, wie Mail, WhatsApp, Skype und Co. verzichtet. Und da ich, so meine ich zumindest, halbwegs bei Verstand bin, habe ich genau das auch getan …

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Mein „Absteige“ – direkt am Strand, eingebettet in einen Palmenhain

Viel Technik-Kauderwelsch … wichtig für den Normalo hier ist die Konsequenz daraus: meine Seele baumelt weiter, mein Hang zu literarischen Ergüssen via Blog wird gerade ausgebremst, Verbesserung ist erst nach meiner Rückkehr in die (digitale) Zivilisation in Sicht. Deshalb … die abschließenden Beiträge von den Inseln und meiner Reise und natürlich auch die fehlenden Fotos bekommt ihr quasi als Weihnachtsgeschenk unter den Christbaum gelegt. Gibt es ein besseres Timing?

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Endsummen

Mitte Oktober hatte ich einen Beitrag mit dem Titel „Zwischensummen“ gepostet, in dem ich die Reisezeiten und -entfernungen, die ich overland bis Lhasa in Tibet zurück gelegt hatte, summierte. Damals waren es seit meinem Start in St. Petersburg weit über 200 Stunden sowie 12.650 Kilometer, die ich im Zug verbracht habe. Nimmt man die Fährpassage ab Lübeck dazu, betrug die Netto-Reisezeit overland von Deutschland nach Lhasa fast 13 Tage bzw. 13.900 Kilometer.

Und nun wollen wir mal sehen, wo ich am heutigen Sonntagabend in der Gesamtsumme raus komme. Um es vorweg zu nehmen, die 20.000 Kilometer overland habe ich auch ohne die in Betracht gezogenen Extra-Runden um Delhi locker geknackt. Insgesamt sind es 20.550 Kilometer geworden, die ich seit dem Start in Lübeck mit Fähre, Bus und Bahn über Land bis Chennai in Indien gereist bin. Die Zeit, die ich dabei verbracht habe, kann ich nicht mehr zählen, bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 50-70 km/h bei Bus und Bahn, komme ich jedoch locker auf insgesamt rund 20 Tage, die ich netto in Bus, Bahn oder auf der Fähre verbracht habe. Das ist fast 20% der knapp 100 Tage, die ich nach meiner Rückkehr insgesamt unterwegs gewesen sein werde. Nehme ich nur die knapp 80 Tage bis zum heutigen Sonntagabend, innerhalb derer ich diese Reisezeit verbracht habe, sind es sogar rund 25%. Jeder vierte Tag war demnach ein Reisetag in Bus, Bahn oder auf der Fähre! Ehrlich, das hätte ich nicht gedacht, daß die Transportzeiten diesen Umfang annehmen. Klar, es waren viele Übernachtfahrten dabei, die Zeit hätte man sonst sowieso im Bett verbracht – aber dennoch …

Interessant wäre ein Vergleich zum zeitlichen Aufwand, den ich hätte betreiben müssen, um alle bereisten Städte mit dem Flugzeug (inkl. An- und Abfahrt, Check-in, Wartezeit, etc.) zu erreichen. Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Aufwand signifikant unter dem oben genannten geblieben wäre … weniger ereignisreich und spannend wäre er allemal gewesen …

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