Menschensafari

Hunderte Touristen, die Mehrheit aus Indien, Israel, den USA und Großbritannien, reisen auf den Andamanen täglich entlang einer Straße, die durch das Schutzgebiet der Jarawa, einem indigenen Volk, führt. Viele hoffen, ein Mitglied der 400 Angehörigen des Jarawa-Volkes zu sehen – es wird angenommen, dass ihre Vorfahren Teil der ersten Völkerwanderung aus Afrika waren – und behandeln sie wie Tiere in einem Zoo.

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Der Aufruf, Touristen davon abzuhalten durch das Land der Jarawa zu reisen, wurde bereits von Tausenden unterstützt

Die „Menschensafaris“ wurden von den Vereinten Nationen und von Indiens Minister für indigene Angelegenheiten verurteilt: Sie bezeichneten sie als „schändlich“ und als eine „Peinlichkeit“. Es wurden auch tausende Briefe an Indiens Regierung geschickt, mit der Aufforderung die Touren zu beenden.

Aber trotz des Beschlusses des obersten Gerichtes Indiens im Januar 2013, welcher Touristen vorübergehend daran hinderte der Straße entlang zu reisen, haben die Behörden der Andamanen alles getan, um die Straße für Touristen offen zu halten. Sie änderten sogar ihre eigenen Regeln bezüglich der Pufferzone, um „Menschensafaris“ weiterhin zu erlauben. Unglaublich!

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Die Lebensweise der Jarawa ist aufgrund hunderter gaffender Touristen, die jeden Tag durch ihr Land kommen, stark beeinträchtigt.

In den Augen dieser „Reisenden“ werden die Andamanen zunehmend zu einem Synonym für ‘Menschensafaris’. Der Ruf der Inseln wurde durch diesen bei uns zwar weniger bekannten aber dennoch existenten Skandal zweifellos stark geschädigt. Es ist überraschend, dass die lokale Regierung dermaßen zögert, den Touristen und Einheimischen eine alternative Seeroute zur Verfügung zu stellen, da es wesentlich schneller und billiger ist, mit dem Boot zu reisen.

Anfang 2013 wurde zu einem Tourismusboykott für die indischen Andamanen Inseln aufgerufen, dem über zweitausend Menschen nachgekommen sind. Das hört sich zunächst nicht viel an, für die touristisch noch wenig bekannten Andamanen ist das aber eine ganze Menge.

Es ist sehr sehr schade, daß die negativen Auswirkungen des Tourismus offensichtlich bereits auch die Andamanen erreicht haben …

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