In Anbetracht dessen, daß, laut Aussage einer Einheimischen, St. Petersburg nur jährlich an die 60-70 Sonnentage haben soll, habe ich es eigentlich ganz gut erwischt. Der gestrige Dienstag hatte von der Dämmerung bis zum Sonnenuntergang strahlend blauen Himmel und um die 18 Grad parat. Beste Voraussetzungen also für einen wunderbaren ersten Tag auf russischem Boden, nur, da mußte ich erst einmal hinkommen. Der Hafenbereich ist zwar auch russischer Boden aber irgendwie hatte ich schon das Gefühl, daß der eiserne Vorhang allgegenwärtig war, was in Form des Immigrationsprocederes dann auch Realität wurde.
Das die Immigrationsbehörden bereits auf dem Schiff die Pässe kontrollierten, fand ich ja löblich, da ich mir dadurch erhoffte, die Formalien schnell hinter mich bringen und mit dem angenehmen Teil, der Besichtigung St. Petersburgs beginnen zu können. Weit gefehlt! Nach Verlassen des Schiffes ging es dann noch drei (!) Mal durch irgendwelche Kontrollen und Gepäckprüfungen, so daß ich nach Ankunft des Schiffes um 7 Uhr local time letztlich erst gegen 11 Uhr „genehmigter Tourist“ war und die Pforten des Hafengebietes hinter mir gelassen hatte.
Da stand ich nun, schaute mich um und ja, so hatte ich mir Russland vorgestellt, irgendwie genau, wie bei uns nur älter, heruntergekommener, die Häuser, die Strassen, die Bürgersteige, „Altlasten sozialistischen Wirkens“ dachte ich mir. Und es gab noch einen gravierenden Unterschied … nahezu jedes geschriebene Wort war auf Kyrillisch verfasst. Nicht, daß ich das nicht wußte aber dennoch war ich, wie ich zu meiner Schande zugestehen muß, nur unzureichend vorbereitet. Ich habe zunächst nichts verstanden, weder, was die Fahrkartenfrau im Bus mir so alles erzählte noch, was auf den Straßenschildern und anderen hinweisgeeigneten Medien stand. Zum Glück kann ich mich auf meine Intuition und meine Erfahrung mit dem Reisen in Ländern, deren Sprache ich nicht beherrsche, verlassen.
So fand ich die richtige Bushaltestelle, stieg in den richtigen Bus Nr. 22 nach Downtown St. Petersburg und stieg an der richtigen Haltestelle aus. Man kann sich in einem solchen Fall ideal an Landmarks orientieren, sofern man sich mit diesen im Vorfeld beschäftigt hat und die es in St. Petersburg in Hülle und Fülle gibt. Ich stieg somit am Nevsky Prospekt, der Flaniermeile, aus und war nur noch einen Steinwurf von meinem Hostel entfernt, Apple Hostel Italy, ihr erinnert euch? So dachte ich zumindest … aber das ist eine andere Geschichte, die später erzählt werden will …
Ich muß jetzt nämlich los, mir die Petersburgcard besorgen, da heute Ausflüge zum Schloss Peterhof, einer russischen Palastanlage, die als russisches Versailles gilt und ursprünglich von Peter I. errichtet wurde. Sie liegt am Finnischen Meerbusen, ist seit 1990 Weltkulturerbe und u.a. für seine grandiosen Wasserspiele bekannt. Sofern es die Zeit zuläßt, geht es danach zum Katharinenpalast in Puschkin, der ehemaligen Zarenresidenz. Der Palast wurde ursprünglich von Katharina I. in Auftrag gegeben und beherbergt die Originalrekonstruktion des Bernsteinzimmers. Neugierig? Ich auch!