Nach meinen Berechnungen hätte es zu Fuß etwa 10 Minuten von der Bushaltestelle bis zum Hostel gebraucht. Wenn das Hostel denn dort auch gewesen wäre, hätte zumindest das gestimmt. Es war aber nicht dort! Aber wo? Und wie herausfinden? Internet? Nein, kein W-LAN! Telefon? Nein, keine SIM-Karte und Skype geht auch nur über W-LAN! Was tun sprach Zeus? Fragen! Aber wen? Ich stand vor einer Pizzeria, die hieß „Italy“. „Passend“, dachte ich und „das haste schon mal gehört“. Ich rein und englisch, deutsch, Hände, Füße gebrauchend verklickerte ich dem netten Pizzabäcker, was ich will. Bingo! Das Apple Hostel Italy war sein Nachbar, ist aber im August umgezogen … nur eine Straße weiter.
So habe ich nicht allzu viel Zeit verloren … dachte ich. Da tauchte die nächste Herausforderung auf. In Russland scheint es üblich zu sein, daß Hauszugänge nicht von der Straßenseite sondern durch den Hof erreichbar sind. Der Zugang zum Hof erfolgt über eine gesicherte Tür. Vor der Tür prangert ein Schild „Apple Hostel Italy“ aber woher soll ich den Code kennen? Also warte ich, bis einer raus kommt, was zum Glück kurze Zeit später geschieht, und gehe durch die offene Tür in den Hof. Interessieren tut das offensichtlich niemanden. Ein Pfeil „Hostel“ zeigt in den Hof, nun, das habe ich mir gedacht. Aber welcher Eingang ist es nun? Nach Hostel sieht jedenfalls keiner aus. An den meisten ist aber zumindest ein Schild angebracht … an einem nicht. Wieder ein Tastenfeld zum Code eingeben … dachte ich. Einen jungen Mann, der gerade Mittagspause hatte und im Hof saß, zog ich einfach zu diesem Ratespiel hinzu, macht zu zweit doch weitaus mehr Spaß. Er drückt auf die einzelnen Zahlen. Da muß man keinen Code eingeben, das sind die einzelnen Klingeln der Parteien im Haus! Der ist im Raten besser als ich aber der wohnt ja auch hier. Bei keiner Klingel passiert was. Er nach vorne zum Tor. Irgendwie bekommt er eine Telefonnummer raus, die hätte er auch von mir haben können, wenn er gefragt hätte. Er ruft die Nummer an und bekommt nun doch einen Code. Den gibt er ein und siehe da, wie von Geisterhand öffnet sich die Tür. Ich bedanke mich artig und muß erfreut feststellen, daß die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit in diesem Land durchaus einen hohen Stellenwert hat. Ich hoch in die zweite Etage und da bin ich endlich.
Ach ja, die Codes für Hof-Tür und Eingangs-Tür habe ich jetzt auch, die standen wohl in einer Mail, die man mir geschickt haben will. Ich schaue nach. Sie liegt im SPAM-Ordner. Logisch, bei dem Absendernamen … Apple Hostel Italy …
