Ein Tag am Grenzbahnhof

Mein Waggon Nr. 9 des Zuges 362 von Irkutsk nach Ulan Bataar ist ausschließlich für Touristen, keine Einheimischen sind an Bord. Das war im letzten Zug anders. Dieses Mal habe ich das Bett unten, mit mir im Abteil reisen Greg aus Sydney und zwei Mädels einer 9-Frauen-und-1-Mann-Gruppe aus unterschiedlichen europäischen Ländern. Lisa und Anniek heißen die beiden und kommen, wie soll’s auch anders sein, aus den Niederlanden. Irgendwie hab ich’s mit unseren Nachbarn, auf den Zugfahrten verfolgen die mich. Die anderen Mädels kommen u.a. aus Dänemark, Norwegen, China und Australien, den männlichen Teilnehmer habe ich bei dem ganzen Weibsvolk nicht so recht wahrgenommen.

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Ich, Greg und ein paar Mädels der Reisegruppe

Greg kennt Lisa und Anniek schon von der Zugfahrt Moskau – Irkutsk, ich bekomme schnell Anschluss, da ich mich mit Greg auf Anhieb super verstehe. Er ist 52 Jahre, hat seine Tochter in England besucht, die dort ein Auslandsjahr macht und den Europatrip mit Reisen u.a. nach Island und Irland verbunden. Nun geht’s für ihn mit der Transsib zurück und über China Richtung Australien. Wir unterhalten uns über die Problematik mit der Urbevölkerung, den Aborigines, in Australien, die Entwicklung des Zusammenlebens mit den Einwanderern, die Globalisierung, Beruf und Karriere, den Sinn des Lebens … es macht einfach Spaß.

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Crocodile Greg

Greg hat mich nach Sydney eingeladen, er sagte, das hätte er bisher noch niemandem angeboten und er meine das ernst. Den Ayers Rock müssen wir unbedingt sehen und er will mit mir zusammen einen Camper für mich kaufen gehen – mit Rückkaufgarantie bei Abreise … „cool“, denke ich, „nach Australien wollte ich immer schon mal“. Campen sei nämlich am Ayers Rock der Oberhammer, der Campground wird von den Aborigines betrieben. Greg hat verstanden!

In der Nacht von Samstag auf Sonntag passieren wir Ulan-Ude, ab hier trennt sich die Transsib-Originalstrecke nach Wladiwostok oder über die Mandschurei nach Peking von der transmongolischen Route über Ulan-Bataar nach Peking. Letztere nehme ich. Sonntagmittag sind wir dann am russischen Grenzbahnhof, die Ausreise steht an. Ich habe ja bereits einige Horrorstories gehört, konnte aber irgendwie nicht so recht glauben, warum die Ausreise aus Russland 5 (!) Stunden dauern soll. Jetzt weiß ich’s! Insgesamt viermal kommen irgendwelche russischen Behörden durch den Zug, der mittlerweile wie ein Waggon, in dem man eine Bombe vermutet, einsam und verlassen auf einem Gleis steht. Über die Stunden wird er dann auch mal auf das eine oder andere Gleis verschoben, so viele Gleise gibt’s ja hier schließlich nicht und andere Züge müssen ja auch mal durch.

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Bin Laden’s Terror-Waggon

Passkontrolle und Zoll kann ich ja noch verstehen aber was die anderen wollen, erschließt sich keinem von uns. Mal dürfen wir rein, mal müssen wir rein, mal dürfen wir raus und mal müssen wir raus. Warum? Weshalb? Vladimir fragen!

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Greg, Lisa, Anniek und ich in der Sonne am Bahnsteig … uns geht’s gut!

Uns vieren ist das alles egal, wir machen es uns in der Sonne am Bahnsteig gemütlich, erzählen uns Stories, hören Musik und lachen viel. Greg und die Mädels wollen ihre letzten Rubel loswerden, wir gehen einen Supermarkt suchen. Greg’s außergewöhnliche Idee – Vodka kaufen. „Gut, das kenne ich ja schon von Andy“, dachte ich mir und freute mich auf eine Nacht mit schnarchendem Greg :-(.

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Grenzstein geschafft … tschüß Russland

 

Dann endlich Weiterfahrt … denkste! Nach 5km ist Schluß, ist ja auch klar, der erste Bahnhof in der Mongolei heißt bezeichnenderweise „5 km“ – es ist der mongolische Einreisebahnhof. Und siehe da, unsere mongolischen Freunde haben dem großen Nachbarn doch etwas voraus, sie sind schneller. Ganze 1,5 Stunden! Die Einreise dauert nur 3,5 Stunden … wir feiern weiter.

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Nach 8,5 Stunden war’s dann endgültig geschafft, die Lok setzte sich, übrigens mit unserem Terror-Waggon als einzigem Anhängsel, in Bewegung … Mongolei wir kommen!

Am frühen Montagmorgen gegen 5 Uhr erreichen wir Ulan-Bataar, Greg und ich verabschieden uns, wir treffen uns am Mittwoch zum Abendessen.

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Chaos-Spielwarenladen am Grenzbahnhof – auch hier müssen wohl viele Kinder im Zug mitfahren … und ich hab schon wieder keine gesehen!

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Eine Antwort zu Ein Tag am Grenzbahnhof

  1. Holger Soyke sagt:

    Hey Webmaster,

    super Dein Blog. Finde ich total spannend einfach in dieser Form Deinen Trip mitzuverfolgen. Ne coole Sache so’n Blog. Außerdem sind die Bilder immer an den richtigen Stellen im Text,passend zum Reiseabschnitt. Vor allem das alte Mütterchen vor dem Zug finde ich klasse.

    Ich habe eine Bitte. Kannst Du mir Login-Daten zuschicken? Und wie ist Dein Skype-NAme und Deine SkypeIn-Nr?

    Viele Grüße und weiterhin eine tolle Zeit!!!

    Dein Freund Hoiger

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