Korrekt, den Titel kann man mehrdeutig verstehen, richtig interpretiert ist er jedoch, wenn man ihn so versteht, daß ich froh sein kann, überhaupt wieder im Zug zu sitzen und Richtung Mongolei unterwegs zu sein. Das war nämlich reichlich knapp gestern Abend und ich bin nur mit Mühe und Not 7 Minuten vor Abfahrt am Gleis angekommen obwohl ich großzügige 2 Stunden vor Abfahrt das Hostel verlassen habe. Es entspricht meiner Natur und Erfahrung, immer mindestens eine, meistens zwei Alternativen für den Fall der Fälle parat zu haben. Andernfalls bekommt man als Individualtourist in Ländern, deren technische Standards und/oder Zuverlässigkeit nicht dem gewohnten Niveau entsprechen sehr schnell große Probleme mit der individuellen Reiseplanung und den damit zusammen hängenden Buchungen von Transport und/oder Unterkunft. Gestern jedenfalls brauchte ich drei Alternativen und musste zum Schluss noch improvisieren!
Ausgangssituation: Abfahrt 22.05 Uhr. 20.15 Uhr – Sachen sind gepackt, Fahrt zum Bahnhof mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist wie auf dem Hinweg mit der Tram vorgesehen, Fahrtzeit ca. 40 Minuten bis zum Bahnhof. Ich also mit Sack und Pack zur Tram-Haltestelle. Mit mir stehen dort noch eine Reihe anderer Leute, die steigen in Maschrutkas (Sammeltaxis) ein, keine Tram kommt. 20.35 Uhr – eine Tram kommt, falsche Linie, Linie 5 statt 1. Adrenalinpegel steigt. 10 Minuten später, heftiges Getümmel an der nächsten Tram, wieder die 5, Mist! Ich hin, frage mit Händen und Füßen was los ist, bekomme irgendwie raus, daß die Linie 1 wegen einer liegen gebliebenen Tram nicht befahrbar ist. Damit komme ich mit der Tram nicht zum Bahnhof. Also Plan B, Maschrutka Nr. 116 ab Haltestelle 500m entfernt. 20.55 Uhr – ca. 20 Maschrutkas haben bisher gehalten, keine Nr. 116, wieder Mist. Ich muss entscheiden, Geld spielt keine Rolle, Plan C – Taxi. Ich mit Sack und Pack zurück zum Hostel, vorbei fahrende Taxis halten nämlich nicht, das wußte ich schon vorher. 21.07 Uhr – Taxi ist gerufen, soll in 10 Minuten da sein. 21.25 Uhr – kein Taxi in Sicht, ich frage im Hostel nach, sie ruft nochmal an. Fahrer findet das Hostel anscheinend nicht, „Das darf doch nicht wahr sein“, schießt es mir durch den Kopf, „selbst ich als Ausländer habe das Hostel zu Fuß und ohne Navi gefunden!“. Jetzt wird’s eng. Ich raus auf die Hauptstrasse, wild fuchtelnd schaffe ich es, ein Taxi anzuhalten, ich versuche dem Fahrer mit irgendwelchem Kauderwelsch aus englisch, russisch und deutsch zu verklickern, wo ich hin will und das ich’s extrem eilig habe. 21.40 Uhr – er hat begriffen, fährt eingeschüchtert los. So eingeschüchtert, das er das Gaspedal nur sehr widerwillig treten mag und sich in durch Baustellen gesperrte Strassen fast verirrt. 21.45 Uhr – erneute Ansage von mir, er gibt nun endlich Stoff, faselt was von Money, will 300 Rubel – Wucher! Aber egal, ich habe keine Zeit und Nerven mehr, mich mit ihm zu streiten und darüber hinaus sowieso nur noch 100 Rubel. Schließlich reise ich ja morgen aus Russland ab und im Zug brauche ich keine Rubel. 21.55 Uhr – Plan D, ich versuche ihm 10 Euro schmackhaft zu machen (sind umgerechnet sogar 500 Rubel), habe ja noch 200 Euro als Notreserve in bar mit. Aus meiner Sicht ein guter Deal für ihn. Er sieht das anders, flucht vermutlich nicht jugendfrei auf russisch. Mir ist es egal, Hauptsache ich bin am Bahnhof, renne zum Gleis – 21.58 Uhr, geschafft!
„Glück und Erfolg hat man nur, wenn Vorbereitung auf Chance trifft“, sagt eine Volksweisheit. Dem kann ich vorbehaltlos zustimmen!