Da der Dienstag und Mittwoch nun sehr ereignisreich waren, habe ich den Donnerstag für Müßiggang frei gehalten … sei ja auch mal erlaubt. Ich bin morgens auf den Markt, habe dies oder das bei den durchweg hübschen Marktfrauen eingekauft. Es war auf dem Markt schon lustig zu beobachten, die Damen verkaufen Fisch, Fleisch, Blumen, Obst oder Gemüse und sind dabei immer einwandfrei gestylt und geschminkt, gut aussehen ist oberste Maxime der weiblich-russischen Spezies. Als ich Aufschnitt einkaufte mußte ich sogar warten, weil die Dame sich gerade am Schminken war. Hab ich doch gerne gemacht!
Den übrigen Tag habe ich relaxend und lesend in Parks oder am Angara-Ufer verbracht.
Am Freitag ging’s dann mit dem Bus nach Talcy, ein Museumsdorf, welches viele sehr schön rekonstruierte Gebäude aus der Region der vergangenen Jahrhunderte beheimatet. Man kann anschaulich die Entwicklung der Lebensformen von Zelt- und Jurtenformationen im 16. Jahrhundert bis hin zu einigermaßen komfortablen Kaufmannshäusern des 19. Jahrhunderts verfolgen. Zu sehen sind hier u.a. ein Kosakenhaus, ein Küsterhaus, eine Kirche, eine Schule, eine Polizeistation, ein Bürgermeisterhaus, eine Festung und ein kleines Dorf. Insbesondere wird deutlich, warum Irkutsk den Beinamen Holzstadt führt. Holz ist elementarer Bestandteil sämtlicher baulicher Konstruktionen in und um Irkutsk sowie in ganz Sibirien. Die typischen Häuser wurden als Hommage an die Ursprünge auch sehr schön im „130th district“ in Irkutsk als Shopping-Mall rekonstruiert.
Am heutigen Samstag gegen 22 Uhr ist nun Weiterreise mit der Transsib gen Mongolei angesagt und weinenden Auges muß ich Russland bald „Tschüß“ sagen (im Laufe des Sonntags werden wir die Grenze passieren und am frühen Montagmorgen Ulan Bator, die Hauptstadt der Mongolei, erreichen). Ich bin begeistert von Land und Leute. Russland hat mir so gut gefallen, daß ich dem mit gut 17 Mio. Quadratkilometern größten Land der Erde noch einen Extra-Beitrag in Form eines Roundups widmen werde.
Lachenden Auges freue mich mich aber auch auf die bevorstehende Reise zu den wilden Mongolen, die in Form von Dschinghis Khan auch einen signifikanten Beitrag zu der Geschichte Russlands geleistet haben. Insofern bleibe ich Russland noch einige Tage geistig verbunden.



