Tiefster See der Erde

Die Ausmaße dieses mit 1.637m tiefsten Sees der Erde sind einfach gewaltig: Der Baikalsee entstand vor 20-25 Mio. Jahren und ist damit zugleich auch einer der ältesten Seen der Erde. Er ist das größte Süßwasserbecken der Erde, faßt 20% des gesamten Süßwasserbestandes. Das entspricht 23.000 Kubikkilometer Wasser, zweimal so viel wie die Ostsee (!). Alle (!) Flüsse dieser Welt bräuchten 1 Jahr, um den See zu füllen.

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Querschnitt durch den Baikalsee … wie ein Trichter. Auf dem Schaubild konnte man die Wanderung der Tiere im See nach den Jahreszeiten verfolgen.

Der Baikalsee liegt 455m über dem Meeresspiegel und ist 636 km lang sowie maximal 80 km breit, die Uferlänge misst rund 2.000 km. 336 Flüsse speisen den See, lediglich einer, die Angara, an der Irkutsk, ca. 70 km vom Baikalsee entfernt, liegt, fließt aus dem Baikalsee ab. Der See ist von der Oberfläche bis zum Grund durchgängig mit Sauerstoff gesättigt, was ihm eine unglaubliche Artenvielfalt in Flora und Fauna und klares Wasser mit Sichtweiten von 40 m und mehr beschert. Bisher wurden rund 1.500 Lebewesen (davon über 200 Krebsarten) und 1.085 Pflanzenarten identifiziert, ca. zwei Drittel davon sind endemisch.

Erwähnenswert ist ferner die Baikalrobbe, Nerpa genannt, von der man annimmt, daß sie vor tausenden von Jahren vom Polarmeer in den See gekommen ist. Sie sieht ein wenig gedrungen aus, voluminöser Körper vor kleinem Kopf. Naja, viel denken muß man bei einem Leben im Baikalsee wohl nicht, zu essen gibt’s satt und keine natürlichen Feinde – außer dem Menschen.

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Eine Nerpa-Robbe – sieht doch echt lustig aus oder?

Soviel zu den beeindruckenden Fakten zu diesem See, der unbedingt einen Besuch wert ist. Am Mittwochmorgen ging’s dann mit dem Bus in einer guten Stunde dorthin. Gleich in zweifacher Hinsicht war am Morgen das Sprichwort „man sieht sich immer zweimal im Leben“ – mindestens – anwendbar.  Am Busbahnhof traf ich Andy und Carmen wieder, die ebenfalls die erste Nacht in Irkutsk verbracht hatten und nun auf dem Weg nach Olchon waren, der größten Insel im Baikalsee und ein Natur- und Wanderparadies. Ich hatte auch erst überlegt, dorthin zu reisen aber sowohl An- und Abreise als auch Unterkunft vor Ort gestalten sich nicht so trivial, das hätte ein wenig mehr Zeit und Vorbereitung gebraucht. Angekommen in Listwjanka, was übersetzt soviel wie „Lärchenbaum“ heißt (hab aber keine gesehen), dem meistbesuchten Ort am Baikalsee und Touristenzentrum, schlenderte ich zunächst an der Uferpromenade entlang. Am Pier, wo die Ausflugsboote ablegen und Fischerboote anliegen, sah ich dann auf der anderen Straßenseite plötzlich Jorrit und Jolien. „Lustig“, dachte ich, „irgendwie können die sich alle nicht von mir trennen“ ;-). Erfreut über das unverhoffte Wiedersehen, sind wir zusammen über den Markt und haben Fisch für das Mittagessen eingekauft. Spezialität ist Omul, eine endemische Fischart, die an jeder Ecke gegart oder geräuchert angeboten wird.

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Omul geräuchert …

Danach trennten sich unsere Wege wieder und ich unternahm zwei wunderschöne Wanderungen entlang des Baikalsees (Bolschaja Baikalskaja Trapa und auf den Berg Gara Tscherskowo) mit teils spektakulären Aussichten auf den See (siehe Fotos).

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Angekommen auf dem Gara Tscherskowo (knapp 700m hoch) …

Zum Abschluß eines traumhaften Tages besuchte ich dann noch das Baikalmuseum, in dem man sehr viele Informationen über die Entstehungsgeschichte, Flora und Fauna und die Nerpa-Robben des Sees erhielt, die dort in einem Aquarium gehalten werden. Sehr spannend war eine simulierte dreidimensionale Fahrt mit einem Mini-U-Boot von der Wasseroberfläche bis auf den Grund auf 1.637m.  Getreu dem Motto „man muß das Rad ja nicht immer neu erfinden“, habe ich einige sehr schöne Fotos vom Baikalsee im Winter „abfotografiert“. Ich hatte halt keine Zeit, so lange zu warten, bis der See wie üblich bei -40 Grad (Durchschnitt -20 Grad) auf bis zu 1,5 Meter zugefroren ist – und ich mit ihm.

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Eine Antwort zu Tiefster See der Erde

  1. Christian Abend sagt:

    hey jenko…wunderbare wörter und traumhafte fotos geniesse ich online von deinem trip….schön zu sehen, das es dir gut geht und du deine reise so bewundernswert geniessen kannst…schon beeindruckend zu lesen, was du bis jetzt schon alles gesehen und erlebt hast….ich werde es weiterhin mit grossem interesse verfolgen….pass auf dich auf….lieben gruss von deinem freund chris

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