Da waren wir nun endlich, in Irkutsk, der Perle und nach allgemein anerkannter Einschätzung schönsten Stadt Sibiriens … was es zu verifizieren galt!
Bei Ankunft in Irkutsk am Dienstagvormittag erwartete mich die Stadt im herbstlichen Grau und es war auch merklich frisch. „Egal“, dachte ich mir, „für heute habe ich sowieso viele Notwendigkeiten und Organisatorisches auf dem Plan“: Blog updaten, Wäsche waschen, einkaufen gehen, Mails checken und beantworten, Finanzen prüfen und Geld besorgen und zuallererst DUSCHEN UND KÖRPERPFLEGE. Prinzipiell ist auf Reisen all das zu tun, was auch zuhause getan werden will, nur putzen brauche ich nicht, dafür bin ich ja zahlender Gast in irgendeiner Unterkunft. Mein Hostel hier in Irkutsk ist übrigens sehr modern eingerichtet, sauber und ruhig. Beste Voraussetzungen also für einen entspannten Aufenthalt.
Ich ließ den Tag also ruhig angehen, erledigte, was zu erledigen war und siehe da, es ging alles zügiger von der Hand als gedacht und ich war bereits gegen Mittag „ready to explore“. Die freundliche Rezeptionistin nahm mir das Waschen und Trocknen meines Wäschestapels ab, fast wie zuhause … für umgerechnet 1 EUR. Das ist ein Deal! Und noch eine Überraschung, das triste Grau wich innerhalb kurzer Zeit einem strahlend blauen Himmel, die Temperaturen stiegen jenseits der 10-Grad-Marke. „Was willste mehr“, dachte ich mir, „Irkutsk heißt Dich willkommen“.
Ausgerüstet mit Stadtplan und Informationen zu Sehenswürdigkeiten von der Rezeption legte ich also los und lief die ca. 5km lange „Green Line“ ab, eine, wie ich finde, super Idee der Irkutsker Touristenbehörde. Irkutsk kommt generell sehr aufgeräumt und touristisch orientiert daher aber nicht im negativen Sinne. Eher darum bemüht, es dem in der Regel durchreisenden Besucher, der im Normalfall 1-2 Tage in der Stadt bleibt, so angenehm und einfach wie möglich zu machen in Bezug auf Orientierung und Unterstützung. Respekt!
Die „Green Line“ ist eine auf den Bürgersteigen der historischen Altstadt aufgebrachte durchgängige grüne Markierung mit Richtungspfeilen, die von einer der 30 Sehenswürdigkeiten zur nächsten führt. An jedem interessanten Punkt (Bauwerk, Museum, Landschaft) steht zudem ein Schild mit ausführlichen mehrsprachigen Erläuterungen dessen, was man gerade anschaut.
So schlenderte ich gemütlich in der warmen Sonne durch die wunderschöne historische Altstadt Irkutsks und genoss die Gemütlichkeit der Stadt. Was mir direkt auffiel, war, daß in Irkutsk sowohl Autos mit dem Lenkrad links als auch rechts fuhren und, so schien es mir, in etwa ausgeglichener Anzahl. „Wahrscheinlich ist dies in ganz Russland so“, dachte ich mir, „nur ist es Dir bisher nicht so explizit aufgefallen“. Falsch gedacht! Dies ist in der Tat ein Phänomen in Ost-Russland, das ja bekanntlich näher an Japan liegt. Rechtslenkende Autos kommen nämlich alle aus Japan (Linksverkehr), wie mir die Dame im Touristenbüro auf meine Frage diesbezüglich hin mitteilte. Die „japanischen“ Autos in Deutschland hingegen sind entweder in Europa produziert oder auch in Asien aber speziell für den europäischen Markt. Aha, wieder was gelernt!
Als Abendessen gab’s heute ein wahres Festmahl, nach den ganzen Schmalspurmahlzeiten mit Tütensuppen & Co. in der Transsib und zwar echt russisch. Auf dem Speiseplan stand als Vorspeise Solyanka, eine würzige Fleischsuppe (ohne Suppe geht halt nichts in Russland), varyonaya kartoshka (gekochte Kartoffeln mit Kräutern und Butter) mit myasnaya und ribnaya katleta (Fleisch- und Fisch-Frikadelle), dazu eingelegtes Gemüse, den russischen Namen dafür kenne ich leider nicht. Köstlich!
Also, nachdem, was ich bisher feststellen durfte, ist Irkutsk durch seine reizvolle Lage an der Angara, übrigens der einzige Fluß, der aus dem Baikalsee abfließt, und durch seine historische Altstadt mit vielen wunderschönen historischen Bauten (siehe Fotos) wirklich eine Perle und zudem nicht so hektisch, wie die Großstädte. Mir gefällt es hier sehr gut und ich bin froh, daß ich entschieden habe, fast 5 Tage hier zu bleiben, auch um ausgiebige Wanderungen am Baikalsee zu unternehmen. Dazu mehr im nächsten Beitrag.

