Nach insgesamt fünf Tagen in Jodhpur mit Abstecher nach Jaisalmer zog es mich am Sonntag weiter Richtung Osten nach Mount Abu, der einzigen Hill Station in Rajasthan. Hill Station bedeutet im indischen Sinne „Sommerfrische“, es sind Bergstationen, die den Indern aus den Städten im Sommer Zuflucht vor der drückenden Hitze im Tal bieten. Das 1.220 Meter hoch gelegene Mount Abu ist ein der Arvalli-Kette vorgelagertes Bergmassiv mit bis zu 1.722 Metern Höhe und mit herrlicher Aussicht auf eine malerische bewaldete Berglandschaft am Rande der Wüste.
Mount Abu ist zudem ein uraltes Pilgerzentrum der Hindus und Jainas. Asketen ließen sich dort in der Wildnis nieder, um ihr Leben der Meditation zu widmen. Nun, „Heilige“ findet man zwar auch heute noch hier, jedoch ungleich mehr Urlauber aus den heißen Städten Nordindiens, die sich am beliebten Nakki-See, an dem Mount Abu liegt, abkühlen. Im Mount Abu Wildreservat gibt es u.a. Hirsche, Leoparden und Bären, man sollte demnach dort tunlichst nicht alleine wandern.
Hauptattraktion der Gegend ist einer der schönsten Jain-Tempel Rajasthans, der faszinierende Marmortempel von Dilwara, unweit von Mount Abu. Eigentlich herrscht dort Fotografierverbot aber … nun, ihr wisst schon … seht selbst …
Die einzigartige Steinbearbeitung aus dem 11. bis 13. Jahrhundert repräsentiert den Höhepunkt des Tempelbaus der Jainas. Nach Ansicht der Jainas wird die ursprünglich reine Seele durch den Kontakt mit der Materie, und dazu gehören sogar die Götter, verunreinigt und stumpft so der Wirklichkeit gegenüber ab. Um folglich die Wirklichkeit wiederzuerlangen, muß man alles Materielle ablegen. Dies soll durch die schmucklose Strenge der Jain-Skulpturen dargestellt werden.
Das hört sich alles ein wenig nach Buddhismus an und dem ist in der Tat so. Einer der Tirthankaras der Jain-Religion, Mahavira, war ein Zeitgenosse Buddhas und historischer Begründer des Jainismus. Enge Verknüpfungen der beiden Religionen sind belegt. Tirthankaras werden ebenfalls als erleuchtete Vorbilder verehrt, die den Kreislauf der Wiedergeburten überwunden haben und erlöst sind.





