Natur- und Tierliebe bis in den Tod

Das Volk der Bishnoi im Norden Indiens setzt sich seit Jahrhunderten für den Schutz von Tieren und Pflanzen ein – zur Not auch mit dem eigenen Leben. Am gestrigen Samstag habe ich diese bewundernswerten Menschen besucht.

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Na das nenne ich doch mal „in enger Verbindung mit den Tieren leben“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vor über 500 Jahren gründete ein indischer Guru die Gemeinschaft der Bishnoi, einem Volk, das sich dem Schutz allen Lebens verschrieben hat – und in enger Verbindung mit Pflanzen und Tieren lebt. Die Heimat ihrer Nachkommen ist noch immer die Wüste Rajasthans. Dort verteidigen die Bishnoi bis heute ihre traditionellen Regeln gegen die Einflüsse der modernen Welt, notfalls unter Einsatz ihres Lebens.

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Traditionelles Bishnoi-Dorf mit Rundhütten

Ein Auszug aus der Geschichte: Um das Jahr 1730 wehrten sich die Bishnoi im Dorf Khejarli in Rajasthan gegen die Abholzung von Khejri-Bäumen durch Soldaten des Maharaja von Marwar. Hierbei sollen 363 Dorfbewohner umgekommen sein, die sich zum Schutz vor die Bäume gestellt hatten. Der Protest war jedoch schließlich erfolgreich, und der Maharaja erließ ein Dekret gegen die Abholzung. Diese Protestaktion gilt als frühester Vorläufer der Chipko-Bewegung, in deren Rahmen indische Frauen seit den 1970er Jahren Widerstand gegen Waldzerstörung leisten.

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Die Saree der Bishnoi-Frauen sind wunderschön, der Gesichtsschmuck gewöhnungsbedürftig …

Bishnoi bedeutet „29“, abgeleitet von den 29 Geboten, die Lord Jambeshwar vor etwa 500 Jahren für seine Gemeinde aufstellte. Zu jener Zeit drohte das Land durch Konflikte zwischen Muslimen und Hindus und Rivalitäten innerhalb verschiedener Kasten auseinander zu brechen. Jambeshwar glaubte, dass der einzige Weg aus dieser Situation ein absoluter Respekt gegenüber jedem Lebewesen sei. Dafür stellte er die 29 Regeln auf. Sie betreffen die tägliche Hygiene ebenso wie die Art zu sprechen, die Ernährung, das Mitgefühl und das Vergeben gegenüber anderen. Sie reichen von „Töte niemals ein Tier“, „Schütze die wilden Tiere, denn auch sie spielen eine Rolle im Gleichgewicht der Natur“ über „Lüge nicht“ bis hin zu „Fälle keine Bäume“. Mit ihrem strengen Regelwerk gehören die Bishnoi zu den ersten Umweltschützern der Welt. Bis heute versuchen sie, ihren Idealen treu zu bleiben, auch in der globalisierten Welt, in der wenig Platz für Individuen und Lebensformen jenseits der Moderne bleibt.

Hier ein Auszug der wichtigsten der 29 Gebote der Bishnoi:

– Großmütige und achtungsvolle Beziehung zwischen Frau und Mann

– Töte niemals ein Tier, egal wie klein es ist

– Iss niemals Fleisch

– Gib Schafen und Ziegen einen Unterschlupf, um sie vor Schlachtung zu bewahren

– Denke, bevor du sprichst

– Habe Verständnis zu vergeben

– Kritisiere nicht ohne Grund

– Habe Mitgefühl mit allem, was lebt

– Fälle niemals einen Baum, beschneide keinen grünenden Baum

Viele junge Bishnoi wandern leider ab in die Städte, in der Hoffnung, daß das Leben dort einfacher ist … ist es nicht. Diejenigen, die bleiben, kämpfen weiter für die Rechte der Tiere und Bäume, verarzten verwundete Gazellen und pflegen sie in ihren eigenen Tempeln gesund. Und sie haben die Zeichen der Zeit erkannt: Längst greifen sie auf moderne Kommunikationsmittel wie Mobiltelefone zurück, organisieren Demonstrationen, über die am nächsten Tag in der Zeitung berichtet wird.

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Primär die Frauen sind aufgrund ihrer Eleganz und ästhetischen Schönheit wundervolle Foto-Motive

Es bleibt abzuwarten, ob das reicht, um den Bishnoi und ihrem Kampf für die Natur ein dauerhaftes Überleben zu sichern … unterstützens- und wünschenswert ist es allemal …

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