Plädoyer für Tibet

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der Jokhang-Platz

Der dem Jokhang-Tempel vorgelagerte Jokhang-Platz ist neben dem Tian’anmen-Platz in Peking der am besten bewachte Ort Chinas. Die Angst des chinesischen Regimes vor Aufständen und Terroranschlägen ist (berechtigterweise) groß. Es wird vermutet, daß 400.000 bis 500.000 Angehörige der Volksbefreiungsarmee auf dem Dach der Welt stationiert sind.

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im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Dach der Welt stationiert … die Volksbefreiungsarmee (das zu fotografieren, war natürlich nicht erlaubt)

Das sich das tibetische Volk jedoch befreit fühlt, wage ich zu bezweifeln, denn grüne Uniformen, Militärkonvois und -kontrollen gehören in Tibet zum Alltag. Die Besatzung Tibets legt das chinesische Regime zwar gerne als Befreiungsaktion aus, doch Befreiung von was? Befreiung der Menschen von ihrem buddhistischen Glauben, der dem ökonomischen Aufschwung wenig förderlich ist, da die nutzlose Zeit der religiösen Betätigung sinnvoller und gewinnbringender genutzt werden kann, als durch stunden- und tagelanges Pilgern! Von rund 3.800 bis 4.000 tibetischen Klöstern und Tempeln entgingen nur 13 der Zerstörung im Zuge der Kulturrevolution. Unzählige wertvolle Kunstwerke und Klosterbibliotheken sind für immer verloren. In einem Zeitraum von weniger als zwei Jahrzehnten ist fast das gesamte kulturelle Erbe der einzigartigen tibetischen Hochkultur rücksichtslos vernichtet worden. Als Mao Zedong im September 1976 starb, waren seit 1959 über eine Million Tibeter durch Hungersnöte, Folter und Massaker während der Kulturrevolution ums Leben gekommen. Die neue chinesische Führung hat sich unter Deng zwar vom Maoismus abgewandt aber sie hält eisern am angeblich historischen Besitzanspruch Chinas auf Tibet fest. Die Frage des völkerrechtlichen Status Tibets ist freilich nach wie vor umstritten.

Das soll als Einblick in die politische und völkerrechtlich inakzeptable Situation Tibets erst einmal reichen. Tibet hat halt das Pech, keinen Reichtum an kostbaren Bodenschätzen oder Rohstoffen und auch keine strategisch attraktive Lage, außer die Richtung Himmel zu haben. Andernfalls wäre es den Staaten dieser Welt, die auch sonst meinen, das Sagen zu haben und nach eigenem Gutdünken der eigenen Interessenlage entsprechend politisch, wirtschaftlich oder gar militärisch zu intervenieren, sicher bereits in den Sinn gekommen, zumindest die Vereinten Nationen einzuschalten und etwas gegen diese himmelschreiende Ungerechtigkeit zu tun. Die UN üben sich jedoch seit Jahrzehnten in vornehmer Zurückhaltung. Denn wer will schon wegen einem kleinen Land wie Tibet dem großen China ans Bein pinkeln?

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