Tibetische Hochkultur

So, heute ist unser letzter Tag in Lhasa, ab morgen nehmen wir die 900 Kilometer quer durch Tibet bis zur nepalesischen Grenze und weiter nach Kathmandu in Angriff. Die Strecke dorthin ist weitgehend unbefestigt, das Durchschnittstempo und die Reisezeiten werden dementsprechend lang sein. Das Wetter verschlechtert sich, es wird kalt und fängt an zu schneien. In unserer Gruppe haben einige mit Höhenkrankheit zu kämpfen, insbesondere Irma aus Holland. Ihr Mann musste sie vorgestern ins Krankenhaus bringen. Gestern ging’s ihr zum Glück bereits besser. Ich hatte im Zug gesehen, dass unter den Sitzen Sauerstoffmasken vorhanden waren und selbst von den Einheimischen auch benutzt wurden. Zudem wußte ich, daß Sauerstoffzufuhr neben einem Abstieg aus der Höhe die beste Medizin bei Höhenkrankheit ist. Das teilte ich auch Wilco und Irma mit und siehe da, nachdem sie im Krankenhaus Sauerstoff bekommen hatte, ging es mit ihr stetig bergauf.

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sagenumwobener Winterpalast des Dalai Lamas

Die letzten zwei Tage haben wir quasi einen historischen und kulturellen Crashkurs in Buddhismus bekommen. Unser Guide Sonam hat uns wirklich super auf Tibet eingestimmt und uns die Hintergründe seiner Religion in Zusammenhang mit den unternommenen Besichtigungen auf verständliche Weise nahe gebracht.

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der Potala-Palast bei Nacht

So haben wir den Sitz des Dalai Lama, den Potala-Palast, aus nächster Nähe und von innen kennen lernen dürfen … beeindruckend. Wohl kaum ein anderes asiatisches Bauwerk strahlt seit Jahrhunderten eine solch intensive Faszination aus, wie der sagenumwobene Winterpalast des Dalai Lamas. Wie ein gigantischer antiker Wolkenkratzer überragt der mächtige, 320 Meter lange und 110 Meter hohe festungsartige Palast das Lhasa-Tal. Das Wort Dalai (ausgesprochen: Dalä) stammt übrigens aus dem Mongolischen und bedeutet soviel wie „Ozean der Weisheit“, Lama bedeutet „der Oberste“. Man könnte Dalai Lama also als „der Oberste der ozeanischen Weisheit“ übersetzen. Kreativ oder? Der Palast steht nach dem Gang des amtierenden 14. Dalai Lama ins Exil nach Indien leer und ist derzeit quasi ein Museum und zugleich ein gigantisches Mausoleum. Er beinhaltet neben dem Audienzraum, dem Schlaf-, Wohn- und Meditationsraum des Dalai Lamas auch die Kapellen und Feuerbestattungs-Stupas mit den Gräbern der bisherigen religiösen Oberhäupter des Buddhismus, des 5. bis 13. Dalai Lamas. Besonders hervorzuheben ist die prächtige Stupa des großen 5. Dalai Lama, der aus 3.721 Kilogramm Goldfolie und tausenden von Perlen und Edelsteinen angefertigt wurde. Die Gräber des 1. bis 4. Dalai Lamas liegen übrigens außerhalb von Lhasa. Heutzutage wirkt der beeindruckende Monumentalbau wie eine tibetische Kulturinsel in einem Meer gesichtsloser chinesischer Zweckbauten, die ihn mittlerweile von allen Seiten umgeben. An Heuchelei nicht zu überbieten, ziert den Potala am höchsten Punkt des roten Palastes die chinesische Staatsflagge … Sarkasmus in Reinkultur.

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goldene Kuppeln des Jokhang-Tempels

Im und um das Jokhang-Kloster, zentrales Heiligtum der tibetischen Buddhisten, herrscht zu jeder Tageszeit lebhafter religiöser Betrieb durch die zahlreichen Pilgerer aus allen Teilen Tibets. Die Gesichter der schwer arbeitenden tibetischen Landbevölkerung, die sich bei der Kora teils mühsam um den Jokhang-Tempel schleppt, sind von bitterer Armut und Entbehrungen durch das Leben in der kargen und bitterkalten hochalpinen Umwelt gezeichnet. Ehrfurchtsvoll werfen sich die Gläubigen am Jokhang-Tempel auf den Boden, um gutes Karma zu erwerben, selbst wenn sie gebrechlich sind und ihnen das Aufstehen schwer fällt. Man kann vor diesen Menschen und ihrem tiefen Glauben nur den Hut ziehen und allergrößten Respekt haben.

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vom Leben gezeichnete Pilgerer

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wer irgendwie laufen kann, pilgert

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wer nicht mehr laufen kann, wirft sich auf den Boden um gutes Karma zu erlangen

Darüber hinaus besuchten wir noch drei der bedeutendsten buddhistischen Klöster des Gelugpa-Ordens in Tibet, das Drepung-Kloster des Gelbmützenordens, das Sera-Kloster, in dem wir den Mönchen beim Debattieren zusehen konnten, und heute das Ganden-Kloster, spirituelles Zentrum des Gelugpa-Ordens, ca. 70 Kilometer außerhalb und rund 1.000 Meter oberhalb von Lhasa einsam auf einer Bergkuppe thronend. Trekking war angesagt …

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debattierende Mönche

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spektakuläre Lage auf 4.700m – das Ganden-Kloster

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grandiose Aussichten beim Trekking

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