Nun, das man Tibet nicht alleine bereisen darf, hatte ich bereits erwähnt, deshalb habe ich mich einer Gruppentour angeschlossen, die meiner geplanten Reiseroute von Lhasa über Zentraltibet, das Himalaya-Gebiet bis zur nepalesischen Grenze und weiter nach Kathmandu folgt. Das heißt, insofern die geplante Route nicht durch aktuelle Naturkatastrophen über den Haufen geworfen wird. Das Annapurna-Gebiet, das durch den Zyklon am Schwersten getroffen wurde und wo es viele Tote und Verletzte gab, liegt viel weiter westlich als das Himalaya-Gebiet am Mt. Everest, in dem wir nächste Woche sind. Dennoch gab es auch dort massiven Schneefall und Erdrutsche, so daß sowohl die Strasse nach Nepal derzeit unpassierbar als auch das Mt. Everest-Gebiet momentan gesperrt ist. Drücken wir mal die Daumen, daß wir dort nächste Woche durch kommen.

der Potala-Palast, Sitz des Dalai Lama, der derzeit im Exil in Indien weilt (auch hier: Big Brother is watching you – siehe Kamera oben links)
Da unsere Tour offiziell erst am 16.10. abends begann und ich bereits am 14.10. in Lhasa ankam, hatte ich zwei Tage zur freien Verfügung. Gut, so ganz frei war die Verfügung nun nicht, da ich mich in Tibet und demnach auch in Lhasa nicht autark bewegen darf, sondern ausschließlich mit einem Guide … eigentlich. Wie meine liebe Mutter aus eigener Erfahrung sicher bestätigen wird, unterwerfe ich mich nur ungern Zwängen, deren Sinnhaftigkeit sich mir nicht erschließen und die wider meinen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn sind. Demnach war auch das Korsett, das man mir hier anlegen wollte, für mein vorhandenes Maß an Unverständnis für solche Sanktionen um einige Nummern zu klein. Um eine geeignete Strategie, diese zu umgehen, auszuhecken, hatte ich im Zug genügend Zeit. Mein Guide brachte mich brav in mein Hotel – Doppelzimmer für mich alleine, gehobener Standard – das läßt man sich nach Wochen in Zügen und Hostels doch gerne mal gefallen. Ich verriet ihm bereits auf der Fahrt dorthin von meinen massiven Kopfschmerzen und das mein Körper bereits aus Erfahrung auf große Höhen nicht sonderlich positiv reagiert. Der Köder war gelegt. Erwartungsgemäß empfahl er mir dringend, mich 1-2 Tage im Hotel auszuruhen … diesen Vorschlag nahm ich dankend an und teilte ihm mit oscarreifer Miene mit, wie traurig ich doch darüber sei, nicht in den Genuß diverser Stadtführungen mit ihm zu kommen. Er meinte, das mache nichts, Gesundheit ginge schließlich vor … klar, hatte er so doch zwei freie Tage … ich aber auch.
Kaum war er um die Ecke, war ich aus dem Zimmer raus und auf individueller Entdeckungstour durch Lhasa und Umgebung. Und um es zusammen zu fassen, mich in Lhasa alleine und überall zu bewegen, war völlig problemlos. An jeder Ecke sieht man schwer bewaffnete Militärpolizei, daneben gepanzerte Fahrzeuge mit Wasserwerfern aber mehr als (ungläubig) angeschaut haben die mich auch nicht, nachdem hinter mir nach 10 Minuten immer noch kein Guide folgte.
Von tibetisch-buddhistischen Einrichtungen, wie Klöstern, Museen, usw. solle man sich unbedingt fern halten, so war zu lesen. Blödsinn! Ich war halt in den unbekannteren Klöstern der Stadt und ebenso im tibetischen und buddhistischen Museum, in beiden gewährte man mir sogar kostenfreien Eintritt. „Siehste“, dachte ich mir, „wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“ Meine Mama wird’s wissen …
Ich tauchte fortan, in dem glücklichen Gefühl, nun endlich den „richtigen“ Buddhismus erleben zu dürfen, tief ein in die buddhistische Praxis, begab mich morgendlich in mein Lieblingskloster, das Ramoche-Kloster ganz in der Nähe meines Hotels, gab Buddha und seinen göttlichen Gefolgsleuten seine tägliche Opfergabe und zelebrierte anschließend gemeinsam mit den anderen Pilgerern meine Kora – immer im Uhrzeigersinn versteht sich.






