Zu den Wurzeln Dschinghis Khans

Auch wenn zeitlich nicht mehr als eine Zweitagestour möglich war, um sich einen Eindruck vom Leben der Mongolen außerhalb der Hauptstadt Ulan-Bataar zu machen und das Land sowie das Leben dort kennen zu lernen, so hat sich dieser Ausflug dennoch vollauf gelohnt.

Wir, das sind unser Guide Bilgin, unser Fahrer, meine vier mitreisenden Schweden Johanna, Nina, Jesper und Oscar und ich. Wir fahren am Dienstagmorgen gegen 9 Uhr los, zunächst zu einer Gedenkstätte mit Aussichtspunkt und schönem Blick über ganz UB.

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Sieht doch aus wie eine Schildkröte … mit ein wenig Vorstellungskraft

Danach geht’s auf meist schlechten und unbefestigten Straßen in den Terelj Nationalpark. Unterwegs halten wir am sogenannten Turtle Rock, eine Felsformation, die wie eine Schildkröte aussieht. Im Terelj NP kommen wir gegen Mittag an, er liegt etwa 70 km außerhalb von UB und soll einer der schönsten Nationalparks des Landes sein.
Wir sind während der zwei Tage plus Übernachtung in der Jurte Gäste einer mongolischen Familie, die wie seit Jahrhunderten in dörflich strukturierten Jurten lebt, unsere Gastfamilie mit dem kleinen Sohn Patika und zwei Katzen in zwei zusammen hängenden Jurten. Die eine Jurte ist Koch- und Essbereich, die andere Wohn- und Schlafbereich. Mittlerweile gibt es zwar Elektrizität, jedoch kein fließend Wasser und sanitäre Einrichtungen innerhalb der Jurte. Ein Bretterverschlag draußen über einem mehr oder weniger tiefen Loch dient als Toilette, daneben die „Duschkabine“, die man nutzen kann, wenn man den außen hängenden Plastikbehälter zuvor mit Wasser gefüllt hat. Ich für meinen Teil habe in der Zeit hier versucht, meinen Körper auf minimale Darmaktivität umzustellen, um eine Überprüfung der Praxistauglichkeit dieser Konstruktion tunlichst zu vermeiden.

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Toilette auf mongolisch

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„unser“ Jurten-Camp

Mit spärlichen Mitteln und überschaubarem Platz zaubert uns die Dame des Hauses, sorry, der Jurte, ein sehr leckeres Mittagessen aus spätzleähnlichen Nudeln, Kartoffeln, Gemüse und Rindfleisch. Dazu gibt’s Tee aus Yak-Milch.

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was sie in der kleinen „Küche“ so alles zaubert ist bewundernswert

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Jurten-Küche

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Tee aus Yak-Milch

Patika ist ein richtiger Wirbelwind, der die ganze Zeit den Clown der Runde spielt. Ein ganz süßes Kerlchen! Mit seinen Zöpfen könnte man meinen, er wäre ein Mädchen. Weit gefehlt! Es ist mongolische Tradition, die Haare der Kinder bis zum 4./5. Lebensjahr wachsen zu lassen. Man wartet auf den richtigen Zeitpunkt, ein besonderes Zeichen, was immer das auch sein mag, um die Erstbeschneidung durchzuführen. Dieser erste Haarschnitt wird im Rahmen einer feierlichen Zeremonie gebührend gewürdigt.

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Nachmittags wandern wir zu einem buddhistischen Kloster, meine erste Berührung mit dem Buddhismus habe ich demnach bereits hier in der Mongolei, in der der Lamaismus weit verbreitet ist. Zuvor besuchte ich bereits das größte nationale Heiligtum der mongolischen Buddhisten in der Mongolei, das Gandan Kloster in UB mit seiner riesigen stehenden goldenen Buddha-Statue. Etwa zwei Drittel der mongolischen Bevölkerung sind Buddhisten, der Rest Christen, Muslime und vor allem dem noch weit verbreiteten Schamaismus, eine Art Voodoo-Kult, zugewandte Menschen.

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goldener Buddha im Gandan Kloster

Zu meinem Schrecken mußte ich erfahren, daß unser Guide Bilgin vor dem Abendessen noch einen einstündigen Ausritt mit Pferden geplant hatte. Nun, meine bisher erste und letzte Erfahrung auf dem Rücken eines Pferdes war, sagen wir mal vorsichtig, enttäuschend, weniger für das Pferd, mehr für mich und meinen Hintern. Damals vor 22 Jahren in Ägypten nach einem Galoppritt um die Pyramiden von Gizeh konnte ich 5 Tage nicht mehr richtig sitzen! Vor dem Hintergrund dieser noch sehr lebhaft in Erinnerung gebliebenen Erfahrung hielt sich meine Vorfreude auf den Ausritt verständlicherweise in Grenzen. „Was soll’s“, dachte ich, „mitgefangen, mitgehangen“. Glücklicherweise waren unsere Pferde, bis auf das von Oscar, das hatte irgendwie einen ausgeprägten Egoismus, sehr pflegeleicht und so glitten wir trabend und ab und zu leicht galoppierend der Dämmerung entgegen. Mein Hintern hat’s jedenfalls unbeschadet überstanden.

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Johanna hat das Reiten auch gefallen

Als Abendessen gab’s eine Art Pichelsteiner Eintopf mit Lammfleisch und selbstgemachtes Teiggebäck als eine Art Brotbeilage. Wir fünf spielten anschließend noch eine Runde Maxi-Yathcy, eine verschärfte Kniffel-Variante und krochen anschließend todmüde gegen 21 Uhr in unsere Jurten-Betten.

Für den zweiten Tag stand eine Morgenwanderung auf einen Berg im Nationalpark auf dem Plan, der Besuch der Dschinghis Khan Statue und die Rückfahrt nach UB am frühen Nachmittag. Dazu dann mehr im nächsten Beitrag …

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