{"id":961,"date":"2014-12-24T17:38:50","date_gmt":"2014-12-24T15:38:50","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.jenko.de\/?p=961"},"modified":"2014-12-24T17:41:45","modified_gmt":"2014-12-24T15:41:45","slug":"schlusswort","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.jenko.de\/?p=961","title":{"rendered":"Schlusswort"},"content":{"rendered":"<p>Ich habe mal gelesen, da\u00df einen guten Schriftsteller ausmacht, da\u00df er wei\u00df, wann er mit dem Schreiben aufh\u00f6ren mu\u00df. Gut, dann will ich mal ein guter Schriftsteller sein und mit diesem Beitrag das Ende dieses Blogs einl\u00e4uten.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df, es wird verdammt hart f\u00fcr euch alle, man hat sich an das Lesen der spannenden (Reise-)Geschichten in den letzten Monaten gew\u00f6hnt &#8230; aber glaubt mir, das geht auch mir so. Ich habe mich an das Bloggen sehr gew\u00f6hnt, es hat mir Spa\u00df gemacht, meiner Au\u00dfenwelt auf hoffentlich anschauliche, objektive und am\u00fcsante Art und Weise die Welt, in der ich mich seit September bewege, ein wenig n\u00e4her zu bringen. Wenn es mir zudem noch gelungen ist, die eine oder andere Anregung zu geben, f\u00fcr den einen oder anderen Missstand in unserer Welt und f\u00fcr die eine oder andere Kritik, sowohl positive als auch negative, an dem, was in unserer Welt so passiert, zu sensibilisieren, dann bin ich gl\u00fccklich und dann hat dieser Blog vollumf\u00e4nglich seine Aufgabe erf\u00fcllt.<\/p>\n<p>Was bleibt zu den L\u00e4ndern und ihren Menschen in Zentralasien und Fernost, die ich bereist habe, abschlie\u00dfend zu sagen? Nun, grunds\u00e4tzlich kann ich vorbehaltlos sagen, da\u00df JEDES der bereisten L\u00e4nder eine individuell wundervolle kulturelle und landschaftliche Vielfalt mit jeweils anderen Schwerpunkten zu bieten hatte, ausnahmslos.<\/p>\n<p>Angefangen in St. Petersburg mit seiner prunkvollen Altstadt und den verspielten Pal\u00e4sten Peterhof und Katharinenpalast \u00fcber die Moskauer Basiliuskathedrale und den Kreml bis in die sch\u00f6nste Stadt Sibiriens, Irkutsk, mit dem nahe gelegenen tiefsten See der Erde, den Baikalsee, hat Russland eine au\u00dferordentliche Vielfalt an kulturellen und landschaftlichen Sch\u00e4tzen zu bieten. Dieses riesige Land mit der Transsibirischen Eisenbahn quer durch Sibirien von West nach Ost zu erschlie\u00dfen, war ein besonderes Erlebnis.<\/p>\n<p>Das \u00dcberbleibsel des ehemalige Weltreichs der Mongolen, die Mongolei, mit seinen weiten Steppenlandschaften und seinen Menschen, die ein enormer Stolz auf ihre Geschichte und ihre Vorfahren, allen voran Dschinghis Khan, pr\u00e4gt, war eine weitere spannende Etappe gen Osten Richtung China.<\/p>\n<p>Nun gut, mit den Chinesen an sich stand ich von Anfang an ein wenig auf Kriegsfu\u00df. Das lag nicht zuletzt daran, da\u00df mir Tibet sehr ans Herz gewachsen ist und es einfach nicht in Ordnung ist, wie sehr die Menschen und ihre Kultur dort unter dem chinesischen Regime leiden. Dennoch, China ist nicht zuletzt wegen seiner grandiosen jahrtausendealten Ming- und Qing-Dynastien und seiner kulturellen Hinterlassenschaften ein Wunderwerk an sich. Egal, ob chinesische Mauer, verbotene Stadt, Sommerpalast, Palast des Himmels oder Terrakotta-Armee &#8230; jede dieser St\u00e4tten ist einmalig und grandios und die Liste lie\u00dfe sich noch seitenlang fortsetzen.<\/p>\n<p>Ich weigere mich auch weiterhin standhaft, Tibet als Teil Chinas zu betrachten. F\u00fcr mich hat die Reise auf das Dach der Welt eine ganz besondere Bedeutung. Es war eine einzigartige spirituelle Erfahrung, mich mit den Buddhisten vor Sonnenaufgang bei der Kora im Uhrzeigersinn um ihre heiligen St\u00e4tten zu bewegen und gebetsm\u00fchlenartig eben diese zu drehen. Diese Erfahrung hat mich tief bewegt und mir erst einen richtigen Eindruck von der tiefen Religiosit\u00e4t dieser so warmherzigen, liebenswerten und freundlichen Menschen und ihre Verbundenheit mit ihren G\u00f6ttern, weltlichen Vorbildern sowie ihrem Land und ihrer Kultur vermittelt.<\/p>\n<p>Nepal und das quirlige Kathmandu-Valley war nach der bewegenden (und kalten) Reise durch Tibet ein erholsamer Kontrast. Sich durch die engen Gassen des gesch\u00e4ftigen Thamel zu zw\u00e4ngen, war genau das richtige Intermezzo vor meiner Einkehr in mich selbst. Der Aufenthalt und R\u00fcckzug im Meditationszentrum in Lumbini hat mir letztlich neue Erkenntnisse \u00fcber mich selbst gebracht und die Gewissheit, da\u00df man sein Handeln durch die Beeinflussung seiner Gedanken steuern kann. Dies ist eine Erfahrung, die einen signifikanten Einfluss auf die, sind wir mal optimistisch, zweite H\u00e4lfte meines Lebens haben wird.<\/p>\n<p>Indien &#8230; tja, was soll ich sagen? Zu den Indern (und auch zu Indien als Land) habe ich ein ausgepr\u00e4gt ambivalentes Verh\u00e4ltnis. Indien ist schwierig &#8211; in jeder Hinsicht. Ich denke, es gibt nur zwei M\u00f6glichkeiten &#8230; entweder man kommt mit dem Land, seinen Besonderheiten und den Menschen klar oder eben nicht. Ich habe mich ehrlich schwer getan, Zugang zu den Indern zu finden. Indien als Land ist fantastisch sch\u00f6n und sehenswert, das ganze Drumherum, die Armut, die an jeder Ecke zu erkennende Spaltung der Gesellschaft durch das Kastenwesen, die Gleichg\u00fcltigkeit der h\u00f6heren gegen\u00fcber den niederen Kasten bis hin zur Verachtung, der Verkehr und der L\u00e4rm, die hohe Menschendichte (Privatsph\u00e4re hat man nur in seinem Einzelzimmer, sonst nirgends) all das macht es einem jedoch schwer, diese positiven Eindr\u00fccke zu geniessen. Je l\u00e4nger ich in diesem Land gereist bin, desto mehr hatte ich das Verlangen, es bald wieder zu verlassen. Vielleicht tut man sich leichter, wenn man Indien in mehrere k\u00fcrzere Reisen teilt &#8230; aber vielleicht liegt dieses Verlangen auch einfach nur an meinem nun schon vierw\u00f6chigen Befall meines Magen-\/Darmtraktes durch die indischen Mikroben, dem die Winzlinge schon arg zugesetzt haben &#8230;<\/p>\n<p>So, das war mein abschlie\u00dfender Roundup \u00fcber die vergangenen Monate und die bereisten L\u00e4nder, der noch einmal meine wichtigsten Erfahrungen, Erkenntnisse und Gef\u00fchle wider spiegelt.<\/p>\n<p>Ich habe oft daran gedacht, wie diese Reise verlaufen w\u00e4re, wenn nicht 7 Minuten \u00fcber ihren Verlauf entschieden h\u00e4tten. Das Erlebnis haftete mir die ganze Reise lang im Ged\u00e4chtnis. Ich hatte mich in Irkutsk quasi damit abgefunden, den Zug in die Mongolei zu verpassen, das h\u00e4tte meine gesamte Reiseplanung bis nach Tibet \u00fcber den Haufen geworfen. Mit unb\u00e4ndigem Willen und unter Mobilisierung aller mir m\u00f6glichen Ideen und Kr\u00e4fte habe ich darum gek\u00e4mpft, den Zug zu erreichen und mich nicht mit dem scheinbar Unausweichlichen abgefunden. Ich wiederhole R\u00fcdiger Nehbergs Worte gerne: Gl\u00fcck ist, wenn Vorbereitung auf Chance trifft &#8230;<\/p>\n<p>Nur so konnte ich in diesem Zug so tollen Menschen, wie Greg, Lisa, Andy oder Carmen begegnen, die mir gute Freunde geworden sind und mit denen ich heute noch schreibe. Nur so konnte sich die weitere Reise so positiv und in jeder Hinsicht wunderbar und einmalig entwickeln.<\/p>\n<p>Auch das ist eine Lehre aus dem Erlebten &#8230; finde Dich nie mit irgendetwas ab, mit dem Du nicht einverstanden bist. K\u00e4mpfe f\u00fcr Deine Ziele und gib nicht auf. Dann wirst Du im Ergebnis daf\u00fcr belohnt!<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte dieses Schlusswort mit einem eben solchen beenden, eines das in einem Wort am Besten meine gegenw\u00e4rtige Gef\u00fchlslage ausdr\u00fcckt &#8230; Danke!, Spasibo!, Bayarlalaa!, Xie xie!, Dhanyabad!, Dhanyavaad! &#8230;<\/p>\n<p>&#8230; f\u00fcr eine wundervolle und unvergessliche Zeit als Gast in euren L\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Namast\u00e9!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe mal gelesen, da\u00df einen guten Schriftsteller ausmacht, da\u00df er wei\u00df, wann er mit dem Schreiben aufh\u00f6ren mu\u00df. Gut, dann will ich mal ein guter Schriftsteller sein und mit diesem Beitrag das Ende dieses Blogs einl\u00e4uten. 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