{"id":847,"date":"2014-11-24T15:47:20","date_gmt":"2014-11-24T13:47:20","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.jenko.de\/?p=847"},"modified":"2014-11-24T18:20:10","modified_gmt":"2014-11-24T16:20:10","slug":"hupen-bitte","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.jenko.de\/?p=847","title":{"rendered":"Hupen bitte!"},"content":{"rendered":"<p>Ich hatte es bereits beil\u00e4ufig in einem der vorherigen Beitr\u00e4ge erw\u00e4hnt, der Verkehr in Indien ist notorisch chaotisch, gef\u00e4hrlich und sehr laut. Ich werde auf die Chaos-Pauschalisierung nun mal ein wenig genauer eingehen, damit verst\u00e4ndlicher wird, was ich meine. Eins vorweg: Inder benutzen ihre Hupe jederzeit &#8211; und bauen \u00fcble Unf\u00e4lle.<\/p>\n<p>Zudem dauert es nicht mehr lange, dann wird Indien einer der drei gr\u00f6\u00dften Autom\u00e4rkte der Welt sein. Schon heute ert\u00f6nt in dem Land das gr\u00f6\u00dfte Hupkonzert der Welt. Die Hupe ist die Allzweckwaffe des indischen Autofahrers. Sie wird abgefeuert zum Abbiegen, Bremsen, Anfahren, Beschleunigen, beim Spurwechsel, zur Warnung, zur Freude, zu Begr\u00fc\u00dfung, zum Abschied. Das Signalhorn ersetzt den Blinker, das Licht \u2013 und h\u00e4ufig genug auch den Verstand. Beim Abbiegen den Blinker setzen? Weit gefehlt, daf\u00fcr gibt es doch die Hupe. \u00dcberholen, bremsen, losfahren, parken \u2013 ohne hupen geht das nicht. Und doch ist die Zahl der Verkehrstoten in Indien so hoch wie in kaum einem anderen Land der Welt, daran d\u00fcrften auch die j\u00fcngsten automobilen Absatzzahlen nichts \u00e4ndern.<\/p>\n<div id=\"attachment_871\" style=\"width: 630px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/blog.jenko.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/image102.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-871\" class=\"wp-image-871 size-full\" src=\"http:\/\/blog.jenko.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/image102.jpg\" alt=\"image\" width=\"620\" height=\"349\" srcset=\"http:\/\/blog.jenko.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/image102.jpg 620w, http:\/\/blog.jenko.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/image102-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-871\" class=\"wp-caption-text\">Indien live &#8230;<\/p><\/div>\n<p>Das indische Stra\u00dfennetz ist katastrophal, gerade einmal ein Drittel aller D\u00f6rfer ist \u00fcberhaupt rund ums Jahr auf &#8222;Allwetterstra\u00dfen&#8220; erreichbar. In den St\u00e4dten liefern sich Autos, Lastwagen, Busse, Mopeds und Rikschas tagt\u00e4glich einen Kleinkrieg. Unf\u00e4lle \u2013 mal harmlos, mal t\u00f6dlich \u2013 sind an der Tagesordnung. Trotz der nervigen Hupkonzerte.<\/p>\n<p>Immer wieder versuchen B\u00fcrgerbewegungen, durch &#8222;Nicht hupen&#8220;-Schilder in den Millionenmetropolen den L\u00e4rm zu stoppen \u2013 bislang erfolglos. Das Signalhorn bleibt die Allzweckwaffe, die jeder vom einfachen Tuk-Tuk-Fahrer bis hin zum Chauffeur der Superreichen benutzt. Wenn der Vordermann in der dritten Reihe parkt, wird genauso gehupt wie im Stau und sogar f\u00fcr den Vogel auf der Stra\u00dfe \u2013 schlie\u00dflich k\u00f6nnte man ja als Tier wiedergeboren werden.<\/p>\n<p>Die meisten Fahrer glauben daran, dass das Signal sie vor Unf\u00e4llen mit Ochsenkarren, K\u00fchen, Ziegen, Fu\u00dfg\u00e4ngern und was wei\u00df ich was noch alles bewahrt. Selbst in Fahrschulen wird Hupen als eine Form des Selbstschutzes gelehrt. Im Land gibt es deswegen spezielle Maler, die ihr ganzes Berufsleben lang reich verzierte Buchstaben auf die diversen Verkehrsmittel im Land schreiben. &#8222;Horn please&#8220;, bitte hupen, hei\u00dft es in bunten Lettern auf der Ladeklappe jedes Lastwagens, jedes Busses, jeder Rikscha. Das erspart dem Fahrer den Blick in den R\u00fcckspiegel.<\/p>\n<div id=\"attachment_870\" style=\"width: 1090px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/blog.jenko.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/image101.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-870\" class=\"wp-image-870 size-full\" src=\"http:\/\/blog.jenko.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/image101.jpg\" alt=\"image\" width=\"1080\" height=\"565\" srcset=\"http:\/\/blog.jenko.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/image101.jpg 1080w, http:\/\/blog.jenko.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/image101-300x156.jpg 300w, http:\/\/blog.jenko.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/image101-1024x535.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1080px) 100vw, 1080px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-870\" class=\"wp-caption-text\">Wer kann da noch widerstehen?<\/p><\/div>\n<p>Nur, bringen tut dies wenig. In diesem Jahr sind allein in Delhi 110 Menschen von den Linienbussen der Stadt \u00fcberfahren worden. Jeder f\u00e4hrt, wie es ihm gef\u00e4llt. Zwischen allen Fahrspuren oder auf dem Fu\u00dfweg, biegt gedankenverloren ab ohne zu gucken, parkt auf einer Kreuzung oder Autobahn &#8211; bis jemand hupt. Nicht einmal. Nicht zweimal. Sondern lang anhaltend: 10 Sekunden, 15 Sekunden, 20 Sekunden. Alles andere wird ignoriert.<\/p>\n<p>Hupen im Stau ist besonders beliebt. Ich sa\u00df im Bus auf der gef\u00fcrchteten Ring Road Delhis, dort ruhte mal wieder der Verkehr &#8211; und wir standen ganz am Ende des Staus. Der Busfahrer hupt seinen Vordermann an. Energisch. Rhythmisch. Ohne Nachlass. M\u00f6ge dieser endlich den Weg frei machen und ihn durchlassen. Wie? Egal! Nicht sein Problem. Soll der Vordermann doch seinen Vordermann anhupen. Und der wiederum seinen.<\/p>\n<p>R\u00fccksicht ist im Hupkrieg keine Tugend, dr\u00e4ngeln schon. Jeder gewonnene Zentimeter Asphalt ist ein nicht mehr zu nehmender Sieg. Ist die L\u00fccke auch noch so klein, sie wird hupend erobert. Und stockt der gesamte Verkehr dadurch erst recht &#8211; macht nichts, schlie\u00dflich ist wenigstens ein Fahrer einen Meter vorangekommen.<\/p>\n<p>Zum 1. Januar hatte Delhis Polizei den hupfreien Tag ausgerufen &#8211; um das neue Jahr friedlich zu begr\u00fc\u00dfen und nach durchb\u00f6llerter Nacht die Nerven der Einwohner zu schonen, 2015 wird auch so beginnen &#8230; na, da bleiben dann ja nur noch 364 Tage \u00fcbrig &#8230;<\/p>\n<p>Vielleicht h\u00e4tte der Busfahrer an diesem Tag auch wieder die Sirenen des Rettungswagens geh\u00f6rt, der seit Minuten heulend und blinkend wie ein Christbaum hinter dem Bus stand. Es interessierte ihn nicht. Eine Rettungsgasse zu bilden, zur Seite zu fahren oder zu stoppen, um einem vielleicht lebensgef\u00e4hrlich Verletzten die rasche Ankunft im Hospital zu erm\u00f6glichen, kommt einigen Indern nicht in den Sinn: Man k\u00f6nnte im Kampf um den n\u00e4chsten Zentimeter Asphalt ja unn\u00f6tig zur\u00fcckfallen &#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich hatte es bereits beil\u00e4ufig in einem der vorherigen Beitr\u00e4ge erw\u00e4hnt, der Verkehr in Indien ist notorisch chaotisch, gef\u00e4hrlich und sehr laut. Ich werde auf die Chaos-Pauschalisierung nun mal ein wenig genauer eingehen, damit verst\u00e4ndlicher wird, was ich meine. 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