{"id":569,"date":"2014-10-30T07:24:33","date_gmt":"2014-10-30T05:24:33","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.jenko.de\/?p=569"},"modified":"2014-10-30T10:07:04","modified_gmt":"2014-10-30T08:07:04","slug":"folgenschwere-fehler","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.jenko.de\/?p=569","title":{"rendered":"folgenschwere Fehler"},"content":{"rendered":"<p>Ich hatte im ersten Beitrag \u00fcber Nepal in Bezug auf die Naturkatastrophen auf eine detailliertere Er\u00f6rterung hingewiesen \u2026 diese folgt hiermit.<\/p>\n<p>Nepal hat wohl eines der schlimmsten Bergungl\u00fccke in seiner Geschichte erlebt. Hunderte Menschen wurden aus der von einem Zyklon getroffenen Annapurna-Region gerettet, soweit das Positive. Das Drama ist auch w\u00e4hrend meiner Zeit in Nepal und vor allem in Kathmandu allgegenw\u00e4rtig, konzentriert sich doch die Versorgung der Geretteten und Verletzten, wie auch die Bergung, Untersuchung und der R\u00fccktransport der Toten nahezu ausschlie\u00dflich auf die Hauptstadt des K\u00f6nigreiches, die damit \u00fcberfordert ist. Die Kritik an den Beh\u00f6rden ist allseits gro\u00df, insbesondere der Vorwurf der zu langsam angelaufenen Suche, die voraussichtlich Leben gekostet hat.<\/p>\n<p>Die meisten H\u00f6hencamps am Annapurna haben Berichten zufolge ein Satellitentelefon, es hat demnach grunds\u00e4tzlich die M\u00f6glichkeit bestanden, nach dem Wetterbericht zu fragen und die Besucher zu informieren. Das hat aber niemand gemacht. Die H\u00fcttenwirte hingegen haben weder ein Fr\u00fchwarnsystem noch Infos \u00fcber das Wetter \u2013 ein unm\u00f6gliches Sicherheitsrisiko, gerade im Hochgebirge, wo sich die Wettersituation schlagartig und extrem \u00e4ndern kann. Es ist geradezu verwunderlich, da\u00df ein Ungl\u00fcck dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung nicht bereits fr\u00fcher passiert ist.<\/p>\n<p>Man munkelt, die Wanderf\u00fchrer h\u00e4tten von den Touristen Geld eingesammelt, um Spuren zu legen. Sie wollten offensichtlich mit der Extremsituation Geld verdienen und hatten wohl nicht begriffen, da\u00df oben auf dem Annapurna-Circuit-Trek viele Menschen um ihr Leben k\u00e4mpften und sie schnellstens helfen m\u00fcssten. So unglaublich dies klingt, ist das Verhalten fast nachvollziehbar, da viele der Trekking-F\u00fchrer von dem Geld, das die Touristen an die Reise-Agenturen zahlen, kaum etwas sehen. Zudem sind die F\u00fchrer schlecht bis gar nicht ausgebildet und gehen beispielsweise mit Stoffschuhen und ohne Handschuhe los.<\/p>\n<p>Das Entwicklungsland Nepal hat zudem keine Bergrettung und weder quantitativ noch qualitativ ausreichende M\u00f6glichkeiten einer angemessenen Reaktion, wie beispielsweise in den Touristenregionen der europ\u00e4ischen Alpen. Es gab in Muktinath angeblich nur einen Armee- und einen privaten Helikopter. Nat\u00fcrlich verf\u00fcgt Nepal als Entwicklungsland nicht \u00fcber die M\u00f6glichkeiten wie etwa die Schweiz oder \u00d6sterreich aber im nahe gelegenen Jomosom gibt es zumindest eine Milit\u00e4rbasis und in Pokhara mehrere Privathubschrauber f\u00fcr Heli-Touren, durch deren Einsatz mehr Menschen h\u00e4tten gerettet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Nach dem Schneesturm im Annapurna-Gebiet lief die Suche nach den Trekking-Touristen und Einheimischen daher nur langsam an. Am Ende war die Rettungsaktion zwar die gr\u00f6\u00dfte, die Nepal je bew\u00e4ltigen musste &#8211; hunderte Soldaten, Polizisten und lokale Helfer waren im Einsatz. Nach aktuellem Stand wurden 518 Menschen, darunter 310 ausl\u00e4ndische Wanderer, gerettet &#8211; aber mindestens 43 Menschen starben, darunter 22 Nepali.<\/p>\n<p>Die Kritik an den Beh\u00f6rden ist gro\u00df: es w\u00e4re definitiv m\u00f6glich gewesen, mehr Menschen zu retten, wenn schneller reagiert worden w\u00e4re. Auch lokale Beamte meinen, es sei zu sp\u00e4t und nicht umfassend reagiert worden. Einer der Zust\u00e4ndigen in der Ungl\u00fccksregion, der verst\u00e4ndlicherweise anonym bleiben will, sagte, die Regierung in Kathmandu habe ewig gebraucht, ehe sie sich zu einer Entscheidung habe durchringen k\u00f6nnen. Er h\u00e4tte sofort die Zentrale angerufen, aber die h\u00e4tten einfach keine Helikopter geschickt.<\/p>\n<p>Dann kam der einzige Helikopter anscheinend pl\u00f6tzlich nicht mehr. Einige der Verungl\u00fcckten h\u00e4tten zwei Stunden in der K\u00e4lte warten m\u00fcssen, w\u00e4hrend die Piloten Mittagspause gemacht haben. Als sie dann endlich abgeholt wurden, seien zuerst die Leichen eingeladen worden, die kurz zuvor gefunden wurden, dann die \u00dcberlebenden. Als der Hubschrauber voll war, lie\u00dfen die Piloten erneut einen Mann am Berg zur\u00fcck. Kaum war der Heli im Tal, schlug das Wetter um &#8211; wie so oft am Nachmittag. Erst kurz vor Sonnenuntergang konnte der letzte Mann Berichten zufolge vom Pass geholt werden. Noch Fragen?<\/p>\n<p>Als Konsequenz versprach das Innenministerium nach einer Krisensitzung in dieser Woche, in Zukunft Wetterdaten zur Verf\u00fcgung zu stellen und besser zu informieren. K\u00fcnftig solle auch kein Trekking mehr ohne Tr\u00e4ger oder F\u00fchrer erlaubt sein und alle Wanderer sollen sich an Kontrollpunkten beim Betreten und Verlassen der Trekking-Routen registrieren. Auch sollen laut der Tourismusbeh\u00f6rde auf der Annapurna-Circuit-Tour Schutzh\u00fctten errichtet werden, um Zuflucht bei Wettereinbr\u00fcchen zu bieten. Es ist wohl wie immer und \u00fcberall, zuerst mu\u00df etwas Drastisches passieren, bevor angemessen gehandelt wird.<\/p>\n<p>Doch die berechtigten Zweifel bleiben, ob die B\u00fcrokratie zeitnah reagiert. Das Problem ist n\u00e4mlich, da\u00df die Beamten nicht verstehen (wollen), wie es vor Ort aussieht. Der Grund daf\u00fcr ist das hinduistische Kastensystem: die meisten Beamten und Politiker geh\u00f6ren zu der h\u00f6chsten Kaste der Brahmanen, w\u00e4hrend die Tr\u00e4ger und F\u00fchrer der Touren zu den Stammesv\u00f6lkern geh\u00f6ren. Es sind also nicht ihre Familienmitglieder, die in den Bergen sterben \u2013 unglaublich aber wahr\u2026<\/p>\n<p>Offensichtlich ist es in unserer so globalisierten Welt nicht einmal auf \u00fcberregionaler Ebene machbar, eine konzertierte Aktion einzuleiten, obwohl das Verh\u00e4ltnis dieser L\u00e4nder zu Nepal doch \u201each so gut ist\u201c. Wo waren die Chinesen und Inder, die \u00fcber weitaus mehr und bessere M\u00f6glichkeiten verf\u00fcgen, als das kleine Nepal und innerhalb k\u00fcrzester Zeit am Ungl\u00fccksort h\u00e4tten helfen k\u00f6nnen? In Tibet gibt es eine Vielzahl von chinesischen Milit\u00e4rbasen mit zahlreichen Helikoptern, die innerhalb von einer halben Flugstunde am Annapurna h\u00e4tten sein k\u00f6nnen. Eine Atomrakete ergibt leider noch keinen souver\u00e4n handelnden Staat.<\/p>\n<p>Ich finde, die Chinesen sollten die \u201eFreundschaftsbr\u00fccke\u201c nach Nepal abrei\u00dfen, sich aus Tibet schleunigst vom Acker machen und sich von mir aus weiter mit Taiwan und Hongkong rum\u00e4rgern, da haben sie genug zu tun \u2026 und die Tibeter ein vielleicht weniger komfortables aber daf\u00fcr freies und unabh\u00e4ngiges Leben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich hatte im ersten Beitrag \u00fcber Nepal in Bezug auf die Naturkatastrophen auf eine detailliertere Er\u00f6rterung hingewiesen \u2026 diese folgt hiermit. Nepal hat wohl eines der schlimmsten Bergungl\u00fccke in seiner Geschichte erlebt. 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