{"id":556,"date":"2014-10-30T05:18:22","date_gmt":"2014-10-30T03:18:22","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.jenko.de\/?p=556"},"modified":"2014-10-30T05:18:22","modified_gmt":"2014-10-30T03:18:22","slug":"rueckzug","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.jenko.de\/?p=556","title":{"rendered":"R\u00fcckzug"},"content":{"rendered":"<p>Buddha wurde in Lumbini geboren, das liegt tief im S\u00fcden Nepals kurz vor der indischen Grenze. Dorthin geht meine Reise am Freitagmorgen. F\u00fcr einen Zeitraum von voraussichtlich 10 Tagen werde ich mich in Lumbini in ein Meditationszentrum zur\u00fcckziehen und an einem Meditations-Retreat teilnehmen. Retreat bedeutet n\u00e4mlich \u00fcbersetzt \u201eR\u00fcckzug\u201c. Im internationalen Vipassana Meditationszentrum (bei Interesse: <a href=\"http:\/\/www.panditarama-lumbini.info\">http:\/\/www.panditarama-lumbini.info<\/a>) wird buddhistische Meditation in der Form des Vipassana aus der Theravada-Tradition gelehrt. Im Theravada-Ansatz des Buddhismus habe ich mich von Anfang an wiederfinden k\u00f6nnen, weshalb ich diese Tradition auch f\u00fcr meinen Retreat ausgew\u00e4hlt habe.<\/p>\n<p>\u201eMeditation bedeutet, bei allem, was man tut, v\u00f6llig aufmerksam zu sein \u2013 beispielsweise darauf zu achten, wie man mit jemandem spricht, wie man geht, wie man denkt, was man denkt.\u201c (Quelle: Krishnamurti)<\/p>\n<p>Bei der Meditation geht es prim\u00e4r darum, den Geist unter Kontrolle zu bringen. Das ist wichtig, weil wir alle viel zu oft in gewohnten Mustern und Routinen agieren, ohne uns dessen bewusst zu sein und dadurch viel unn\u00f6tiges Leid (f\u00fcr uns selber und andere) herbeif\u00fchren.<\/p>\n<p>Beispiel: Man hat eine negative Erfahrung mit einer Person gemacht. Jedes Mal, wenn man dieser Person nun begegnet oder sie einem aus irgendeinem Grund in deinen Geist kommt, entsteht ein schlechtes Gef\u00fchl im K\u00f6rper. Wenn man sich in diesen Situationen bewusst werden kann, was da gerade abgeht, dann kann man dieses selbstgemachte Leiden eliminieren.<\/p>\n<p>Weiteres Beispiel: Es gibt Menschen, die essen, nicht weil sie Hunger haben, sondern weil sie emotionalen Schmerz (= Stress) verdr\u00e4ngen wollen. Sie verbinden essen automatisch mit guten Gef\u00fchlen und schon rennen sie automatisch zum K\u00fchlschrank oder zum n\u00e4chsten McDonalds. Wenn man jedoch in diesen Momenten wachsam ist, sich seines Geistes und seinen Gedanken bewusst wird, das Muster erkennt, dann kann man den emotionalen Schmerz auf geistiger Ebene loslassen und verhindern, einen weiteren Big M\u00e4c in sich rein zu stopfen. Dieser l\u00f6st das Problem n\u00e4mlich wieder einmal nur kurzzeitig.<\/p>\n<p>Das alles ist Symptombew\u00e4ltigung, nicht Ursachenbek\u00e4mpfung \u2026 Meditation packt dagegen bei der Ursache an, dem Geist, unserem Denken!<\/p>\n<p>Noch ein Beispiel: Wir putzen uns oft selber unterbewusst herunter, getreu dem Motto: \u201cDas hab ich falsch gemacht\u201d, \u201cDieses oder jenes h\u00e4tte ich noch machen m\u00fcssen und hab\u2019s wieder nicht geschafft\u201d und \u201cDieses oder jenes habe ich wieder vermasselt\u201d. Diese Gedankeng\u00e4nge entziehen kontinuierlich Energie und sorgen f\u00fcr schlechte Laune. Gelegentlich folgen wir tagelang einem solchen Muster, ohne uns dessen \u00fcberhaupt bewusst zu werden.<\/p>\n<p>Sich mit dem eigenen Geist zu besch\u00e4ftigen, die eigenen Routinen und Muster zu erkennen und sich seinem Gedankenfluss bewusst zu werden, ist also eine sehr lohnende Sache, wenn nicht DIE lohnendste Sache \u00fcberhaupt.<\/p>\n<p>Die Crux dabei ist nat\u00fcrlich, dass es nicht ganz einfach ist, den eigenen Geist unter Kontrolle zu bekommen. Wir haben uns leider daran gew\u00f6hnt, mehr Sklave als Herrscher unseres Geistes zu sein. Das wird schon alleine daran deutlich, da\u00df wir es nicht einmal schaffen, uns 5 Minuten hinzusetzen und zu versuchen, unserem Geist zu befehlen, an nichts zu denken. Probiert es mal aus!<\/p>\n<p>Der Geist ist unberechenbar und driftet in unendliche Weiten ab, wenn man gerade mal eine Millisekunde nicht aufpasst. Kaum glaubt man, ihn unter Kontrolle zu haben, schon ist er wieder auf und davon in bizarre Traumwelten und obskure Vorstellungen. Genau in dem Moment, in dem man denkt: \u201eJetzt hab ich\u2019s, jetzt kann ich mich mal kurz eine Sekunde ausruhen\u201c, findet man sich ein paar Augenblicke sp\u00e4ter in irgendwelchen komischen Filmen wieder \u2026 das Kopfkino startet \u2026 und man darf wieder von vorne anfangen.<\/p>\n<p>Genau darum geht es also in diesen 10 Tagen. Es geht darum, den Geist an die Leine zu legen, ihn zu dressieren und unter Kontrolle zu bringen, anstatt von ihm an der Nase herumgef\u00fchrt zu werden.<\/p>\n<p>Ob ich das hinbekommen habe, erz\u00e4hle ich euch dann fr\u00fchestens am 11. Tag, bis dahin herrscht auch hier Funkstille \u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buddha wurde in Lumbini geboren, das liegt tief im S\u00fcden Nepals kurz vor der indischen Grenze. Dorthin geht meine Reise am Freitagmorgen. 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